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Ausgabe Mai 2013
Ernährungsberatung. Von Ilka Wohler

Eine gesunde Ernährung kann Wohlbefinden und Gesundheit stärken. Zahlreiche Erkrankungen lassen sich über eine gezielte Ernährung beeinflussen und bessern.

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Fleisch ist ungesund! Iss nicht nach 17 Uhr! Trink mindestens zwei Liter Wasser am Tag! Wer mag das noch hören? Wo man doch weiß, dass am nächsten Tag andere Ernährungsratgeber anderes sagen. Was ist richtig, was falsch - was solltest du tun, was nicht. Seit vielen Jahrzehnten tobt ein Kampf und kein Ende ist abzusehen.
Jahrelang legte die klassische Ernährungsberatung ihren Fokus auf den Gesundheitswert der Nahrung für den Menschen. Dadurch entstand eine Diskrepanz zwischen der richtigen und gesunden Ernährung einerseits und dem essenden Menschen auf der anderen Seite. Fehlender Alltagsbezug war mitunter ein Grund, dass die „erzieherischen“ Maßnahmen nur wenig wirksam waren. Es entstand eine Kluft zwischen Ernährungswissen und dem alltäglichen Handeln. Um erfolgreiche Ernährungsbotschaften zu vermitteln, müssen daher die Lebenswelt und Lebenslage stärker berücksichtigt werden.
Es werden immer mehr Lebensmittel verzehrt, deren Herkunft und Verarbeitung nicht mehr vollkommen durchschaubar sind. Die Notwendigkeit Speisen zuzubereiten, selbst zu kochen, hat abgenommen, d.h. Produkte stehen zur Verfügung, die höchstens erwärmt werden müssen. Eine Konsequenz sind fehlende Fertigkeiten und Kenntnisse der Nahrungszubereitung. Fertiggerichte und Essen außer Haus bieten mehr Flexibilität und entbinden von zeitlich gebundenen, regelmäßig zu kochenden Mahlzeiten. Eine schnelle Befriedigung des Hungers oder Appetits steht im Vordergrund und Essen neben anderen Tätigkeiten ist keine Seltenheit. Vorlieben und Abneigungen werden durch geschmackliche Vorgaben durch Convenience-Food („Bequemfood“) und Fast Food-Produkte geprägt.
Es ist von entscheidender Bedeutung, wodurch und wie das Essverhalten schon in jungen Jahren geprägt wird. Sowohl externe als auch interne Einflussfaktoren können dabei eine mehr oder weniger bedeutende Rolle spielen. Bekannt ist, dass Verbote sogenannter ungesunder Lebensmittel und die Forcierung von gesunden Lebensmitteln dazu führen, dass die „verbotenen“ Lebensmittel umso mehr verzehrt werden. Zudem gilt zu beachten, dass Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche Zeit brauchen, um neue Lebensmittel „mögen zu lernen“.
Das normale oder richtige Essverhalten schlechthin gibt es nicht, sondern allenfalls ein mehr oder weniger günstiges, gesundheitsförderliches Ernährungsverhalten. Die Einstellungen der Kinder und Jugendlichen bewegen sich zwischen der Annahme von Gesundheit als Selbstverständlichkeit und „einem ‚unrealistischen Optimismus’ was ihre Unverletzlichkeit und Widerstandskraft betrifft.“ (Barbara Methfessel/ Universität Paderborn). Der Appell, der Gesundheit wegen bestimmte Lebensmittel zu essen, ist daher wenig zielführend. Bringt man jedoch Ernährung und Gesundheit mit ihrer Lebensgestaltung und ihrem Wohlbefinden in Zusammenhang, dann ist das durchaus interessant für sie.
Nur wer sein eigenes Essverhalten und seine Ernährungsgewohnheiten reflektiert, der kann nachvollziehen, wie schwierig es ist, liebgewordene Gewohnheiten zu verändern. Um den Prozess, sich damit auseinander zu setzten, in Gang zu setzen, gilt es, in der Ernährungstherapie und Beratung Angebote zu machen, die Veränderungen ermöglichen und erleichtern.

Themen, Handlungsfelder, Beratungsaspekte
1. Essen und emotionale Entwicklung - Körper, Identität und Selbstkonzept, z.B. soziale Bedeutung von Essen und Trinken, Körperbilder, Essensvorlieben, Entwicklung eines sensorischen Bewusstseins
2. Essgewohnheiten, kulturelle und soziale Einflüsse - Ernährungsweisen, Essstile, Essen in sozialer Gemeinschaft, z.B. Ernährungsgewohnheiten, Ess-Muster, Regeln und Rituale beim Essen
3. Ernährung und persönliche Gesundheit - Ernährungsempfehlungen und Richtlinien, alte und neue Konzepte, z.B. Nährstoffe und ihre Funktion, Gesundheitsressourcen und -risiken, Geschlechterunterschiede, Ernährungsformen und Diäten, Finden des eigenen Weges für eine Lebensveränderung
4. Prozesse der Erzeugung, Verarbeitung und Verteilung von Nahrung, Lebensmittelqualität und globaler Handel, z.B. Nahrungskette, Food Design, „Neue“ Lebensmittel und ihre Bedeutung für die Gesundheit, Ernährungspolitik
5. Lebensmittel, Märkte, Verbraucher und Konsum - Marketing, Werbung und Einkauf, Nahrungsmitteletiketten
6. Konservierung und Lagerung von Nahrung - Lebensmittelverderb, Hygiene, z.B. Konservierung von Nahrungsmitteln
7. Kultur und Technik der Nahrungsmittelzubereitung - ästhetisch-kulinarischer Umgang mit Nahrungsmitteln, (inter)kulturelle, historische, soziale, religiöse Bezüge, z.B. Essen im Alltag, Essen als festliches Ereignis, praktische Umsetzung

Die Autorin Ilka Wohler ist Heilpraktikerin mit eigener Praxis für traditionelle europäische und chinesische Medizin und Dozentin an der Harmony Power Heilpraktikerschule
weitere Infos auf www.harmony-power.de
Webseite der Autorin: www.dumai.de


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