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Ausgabe Mai 2013
Ernährung für die mentale Gesundheit. Von Kerstin Rosenberg

Die ayurvedische Ernährung ist ein ganzheitliches System, welches auf die individuellen Bedürfnisse des Menschen abgestimmt werden kann. Mit unserer täglichen Nahrung können wir Körper, Geist und Seele mit allem versorgen, was für ein gesundes, glückliche

Zur Unterstützung der eigenen Persönlichkeitsentwicklung und zur Behandlung von mentalen Beschwerden empfiehlt Ayurveda eine reine Ernährungsform, die auch sattvische Ernährung genannt wird und deren Ziel die Steigerung der geistigen Verfassung im Menschen ist. Die Ernährungskriterien werden nach den drei Gunas Tamas, Rajas und Sattva ausgerichtet. Yoga oder Ayurveda beschreibt die drei Gemütszustände des Geistes folgendermaßen:
Tamas herrscht während des Schlafes und beschreibt einen Geisteszustand, der von Trägheit und Unbewusstheit geprägt ist.
Rajas herrscht während des Tages vor und wird von Aktivität und Stimulation geprägt.
Sattva ist die Balance von Tamas und Rajas. Es ist gleichbedeutend mit einem ausgeglichenen, kontrollierten Geisteszustand, in dem Bewusstheit, Intelligenz und ethische Werte vorherrschen.

Psychische Eigenschaften der Guna-Qualitäten:
Die Gunas (Tamas, Rajas, Sattva), welche eine Persönlichkeit dominieren, manifestieren sich durch bestimmte Eigenschaften und Vorlieben.

Sattva: moralische Stärke, Mitgefühl, Freundlichkeit, Geduld, Toleranz, Hilfsbereitschaft, Wahrhaftigkeit, Reinheit, Anpassungsfähigkeit, Freude am Studieren und gutes Wissen, gutes Gedächtnis, Zufriedenheit
Rajas: Ungeduld, Unzufriedenheit, Leidenschaft, Habgier, Trauer, Intoleranz, Eifersucht, Ängstlichkeit, Pessimismus, Kritiksucht, großes Ego, Agressionen
Tamas: Ignoranz, Trägheit, wenig Temperament, Gier nach Primitivem, depressive Tendenzen, schwach ausgeprägte Intelligenz, Gedächtnisstörungen


Frisch gekochte Nahrung für das mentale Gleichgewicht
Der wichtigste Aspekt der sattvischen Ernährung ist die Verwendung von ausschließlich frischen Nahrungsmitteln, welche mit viel Liebe auf vitalstoffreiche Weise zubereitet werden. In diesem Sinne hat das Gemüse aus dem eigenen Garten oder regionale Lebensmittel, welche vom Erzeuger direkt zum Esser gelangen, eine bessere Wirkung auf die mentale Gesundheit als Bio-Fertigkost. Selbstgekochte Linsensuppe ist für den spirtuell Suchenden empfehlenswerter als das Tofu-Würstchen.
Aus ayurvedischer Sicht zählen alle fermentierten Produkte wie Brot, Käse und Wein zu Tamas stärkenden Bausteinen der Alltagsernährung. Auch vom übermäßigen Fleischkonsum ist abzuraten, da der Genuss von tierischem Eiweiß (außer Milch, Butter und Buttermilch) die rajasischen und tamasischen Qualitäten des Geistes nähren. Anregende Reizstoffe wie Kaffee oder schwarzer Tee sind Rajas-anregend und werden in der mentalen Ernährungstherapie nur zur Überwindung von Tamas-Störungen wie Faulheit oder Depressionen eingesetzt.
Zu den besonders sattvischen Nahrungsmitteln zählen im Ayurveda alle frischen Früchte, Milch, Reis, Weizen, Sesamöl, Rosinen und süße Gemüse. Doch auch andere Nahrungsmittel können auf sattvische Weise „transformiert“ werden, wenn sie frisch und liebevoll zubereitet, schön präsentiert und an einem sauberen und ruhevollen Platz bewusst eingenommen werden.

Ayurveda-Ernährungstherapie bei mentalen Beschwerden
Für viele Menschen ist es ausreichend, 50% der sattvischen Ernährungsregeln fest in den Alltag zu integrieren. Um sich einer ausgeglichenen Gesundheit zu erfreuen ist die Balance von Sattva, Tamas und Rajas notwendig und so dürfen alle Anteile der Persönlichkeit genährt werden. Für spirituell Suchende, Yogis oder Mönche ist eine überwiegend sattvische Ernährung empfehlenswert.
Leiden wir unter mentalen Beschwerden, welche durch zu viel Rajas, also Stress und Überreizung hervorgerufen werden – wie Nervosität, Erschöpfungszustände, burnout, Schlafstörungen, Konzentrationsmangel, Ängste u.v.a. - kann eine sattvische Diät als wirkungsvolle Therapie eingesetzt werden. Die reine, vegetarische und reizstoffarme Ernährung befreit uns von psychischen Schlacken und nährt den Geist. Beruhigende Nahrungsmittel und Gewürze wie süße Wurzelgemüse und leichte Getreidegerichte, gewürzt mit Muskat (entspannt), Kardamom (beruhigt), Kurkuma (kühlend, entzündungshemmend) oder Safran (harmonisiert) schenken uns innere Harmonie und Ausgeglichenheit. Es sollte darauf geachtet werden, die Nahrung immer mit genügend Fett anzureichern (Butter, Ghee oder Sesamöl), da zu trockene Nahrung die emotionale Reizbarkeit fördert.
Herrscht in einem Geist das Tamas vor – welches sich beispielsweise durch Interessen- und Antriebslosigkeit oder Depressionen ausdrücken kann – werden anregende Speisen benötigt, um das mentale Gleichgewicht zu fördern. Bittere Gemüse und scharfe Gewürze, wie Blattgemüse, Zucchini, grüner Spargel, mit anregenden Gewürzen wie Methi (Bockshornkleesamen), Pfeffer oder Chili schenken neue Energie und bringen unterdrückte Gefühle an die Oberfläche. Gerade depressive Menschen sind mit “geistigem Ama” belastet und benötigen ein starkes geistiges Feuer, um wieder in Kontakt mit sich Selbst zu kommen und sich von ihren negativen Emotionen zu befreien. Mit der richtigen Ernährung können wir die geistige Klarheit und Kraft gewinnen, alte Persönlichkeitsmuster abzulegen und ein neues Selbstbild zu gewinnen.

Klassische Rezepturen der Psycho-Diätetik
Die ayurvedische Ernährungstherapie empfiehlt als Mittel gegen mentale Beschwerden eine Milch mit verschiedenen Kräutern, sogenannten Medhya-Rasayanas:
Shatavari-Milch: Die Rezeptur mit Shatavari (Spargelwurzel) beruhigt die Nerven und mentale Reizbarkeit
Ashwaganda-Milch: Die Rezeptur mit Ashwaganda (withania somnifera) wird gegen mentale Erschöpfungszustände und Schlafstörungen empfohlen
Pippali-Milch: Die Rezeptur mit Pippali (langer Pfeffer) wird klassisch bei Konzentrationsmangel und Lernstörungen (Legastenie) eingesetzt
Arjuna-Milch: wird bei Nervosität und Herzbeschwerden empfohlen.

Grundrezept: Milch mit Medhya-Rasayanas
Eine medizinierte Milch besteht immer aus 1 Teil Kräuter, 15 Teilen Milch und 15 Teilen Wasser. Für eine diätetische Tagesration von einem halben Liter werden benötigt:
500 ml Wasser
500 ml Milch
45 g Kräuter - Shatavari, Ashwanganda, Arjuna
oder Pippali
Die Zutaten zusammen geben und so lange auf mittlerer Temperatur kochen, bis das gesamte Wasser verdampft ist. Ständig umrühren, damit sich die Kräuter nicht am Boden absetzen und anbrennen.
Am Ende die Milch absieben und warm trinken. Zur Geschmacksverbesserung können etwas Vollrohrzucker oder Honig zugefügt werden.
Kräuter können im Internetversand in Bio-Qualität bestellt werden: www.rosenberg-ayurmed.com



Die Autorin Kerstin Rosenberg ist eine international bekannte Ayurveda-Spezialistin und -Autorin. Seit mehr als 20 Jahren bildet sie Menschen in Ayurveda-Ernährung,-Therapie und -Psychologie aus. Gemeinsam mit ihrem Mann leitet sie die renommierte Europäische Akademie für Ayurveda mit angeschlossenem Kurzentrum in Birstein/Hessen.
Ayurveda-Ernährungs- und Gesundheitsberater, neu auch in Berlin, Europäische Akademie für Ayurveda, Rosenberg Ayurveda Gesundheits- und Kurzentrum, Forsthausstr. 6, 63633 Birstein,
Ausbildungen und Seminare: www.ayurveda-akademie.org, Kuren: www.rosenberg-ayurveda.de


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