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Ausgabe Mai 2013
Vegan und gesund. Colin Campbell und Caldwell B. Esselstyn

Argumente für einen veganen Ernährungsstil - formuliert von den beiden Ärzten und Ernährungsforschern Colin Campbell und Caldwell B. Esselstyn für das soeben erschienene, von Gene Stone herausgegebene Buch- und DVD-Projekt: „Gabel statt Skalpell“

Im Laufe der bislang aufgezeichneten Menschheitsgeschichte war Gesundheit stets ein Thema, mit dem sich die Menschen stark beschäftigten und zu dem intensiv geforscht wurde. Das Studium der Medizin ist sogar deutlich älter als unsere Geschichtsschreibung. Wenn wir zeitlich weit zurückgehen, treffen wir in den frühesten dokumentierten Gesellschaften auf Schamanen und Heiler, die Pflanzen und Kräuter (sowie magische Gesänge und Gebete) als Medikamente bzw. zu Heilzwecken einsetzten. Jede Kultur besaß irgendeine Form von medizinischem Wissen, auch wenn uns heute fast nichts mehr davon zur Verfügung steht, weil es verloren gegangen ist.

Das Interesse an Gesundheit war vermutlich nie größer als heute
Wenn Sie heute das englische Wort „Health“ (Gesundheit) bei Google eingeben, bekommen Sie etwa 2 Milliarden Ergebnisse. Die Verbreitung von Gesundheitsinformationen hat in unserer Kultur mittlerweile epidemische Ausmaße angenommen. Man könnte meinen, dass dieses Interesse eine gute Gesundheit für den überwiegenden Teil der Menschheit zur Folge hat. Das ist nicht der Fall. Die meisten Amerikaner sind krank. In den USA stirbt jede Minute ein Mensch an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Jeden Tag sterben etwa 1.500 Menschen an Krebs. Gemeinsam töten diese beiden Krankheiten jährlich mehr als eine Million Menschen. Insgesamt ist die Anzahl der Amerikaner aller Altergruppen, die an drei oder mehr chronischen Krankheiten leiden, zwischen 1996 und 2005 um 86 Prozent angewachsen. Und allein in den letzten zehn Jahren ist die Diagnose von Diabetes um 90 Prozent gestiegen. Darüber hinaus sind zwei Drittel der Erwachsenen entweder übergewichtig oder adipös (fettleibig). Die Übergewichtsrate bei Kindern hat sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt.
Immer mehr Menschen wird klar, dass die Wahl ihres Lebensstils entscheidende Auswirkungen auf ihre Gesundheit hat, und an der Spitze dieser Wahlmöglichkeiten steht die Ernährung. Doch obwohl sie dies wissen, ernähren sich die meisten Menschen immer noch auf eine Art, die ihre Gesundheit ruiniert: viel Fettes, viel Salz, zuckrigen Ramsch und tierische Nahrungsmittel.
Leider verstehen viele Ärzte den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Ernährung immer noch nicht gut genug. Sie sind nicht verpflichtet, Fortbildungen über Ernährung zu besuchen und verlassen sich daher bei der Behandlung ihrer Patienten auf Pillen und Technik. Hinzu kommen eigennützige Interessen der Nahrungsmittel- und Agrarindustrien. Sie geben jährlich Millionen Dollar für Marketingkampagnen aus, die Menschen davon abhalten sollen, einen schlechten Gesundheitszustand mit schlechtem Essen in Verbindung zu bringen. Die pharmazeutische Industrie, die zur Erhaltung der Gesundheit eher auf den Einsatz von Medikamenten als von Nahrungsmitteln setzt, hält sich 1.585 Lobbyisten, für die sie mehr als 241 Million US-Dollar pro Jahr ausgibt.

Die Antwort auf unsere Gesundheitsprobleme
Könnte es sein, dass die beste Möglichkeit, gesund zu bleiben und Krankheit zu vermeiden, nicht darin besteht, Unmengen an Medikamenten einzunehmen oder sich auf komplizierte medizinische Verfahren zu verlassen? Die Antwort lautet: „Ja, das könnte sein.“ Die Formel für gute Gesundheit könnte ganz einfach sein: eine vollwertige, pflanzliche Ernährung. Darum geht es in der Welt von Gabel statt Skalpell. Die Botschaft aus genau dieser Welt findet bei Zuhörern auf der ganzen Welt Gehör.

Eine pflanzliche Ernährung
Eine überwiegend pflanzliche bzw. vegane Ernährung ist sehr einfach: Sie besteht darin, alle Lebensmittel zu vermeiden, die aus einer Quelle stammen, die irgendwann ein Gesicht bzw. eine Mutter hatte. Mit anderen Worten: Alle Fleisch- und Fischsorten sowie Produkte daraus, alle Milchprodukte, Eier und Honig werden vermieden.
Was Sie essen, sind die besten Nahrungsmittel, die Mutter Natur zu bieten hat: Körner und Saaten, Obst und Gemüse und Hülsenfrüchte. Auch wenn sie von einer Fleisch verschlingenden amerikanischen Öffentlichkeit oft als Beilagen abgetan werden, kann man aus diesen Lebensmitteln in Wirklichkeit äußerst wohlschmeckende und nahrhafte Gerichte zubereiten. Eine gesunde, auf Pflanzen basierende Kost besteht auch aus vollwertigen Lebensmitteln. Das bedeutet das Vermeiden von raffinierten Nahrungsmitteln, wie Olivenöl und Weißbrot, und von stark verarbeiteten Lebensmitteln mit chemischen Zusatzstoffen. Mit anderen Worten, eine auf Pflanzen basierende vegane Kost besteht aus Nahrungsmitteln, die von vollwertigen, unverarbeiteten Pflanzen stammen.

Die Schlüsselprinzipien der pflanzlichen, vollwertigen Gabel-statt-Skalpell-Ernährung:

Essen Sie Pflanzen – je natürlicher, desto besser.
Und nicht nur irgendwelche Pflanzen – essen Sie vollwertige, so wenig wie möglich verarbeitete Obst- und Gemüsesorten, Körner, Saaten und Hülsenfrüchte.
Je näher Sie der Pflanze kommen können, wie sie in der Natur wächst, desto besser. Naturbelassene pflanzliche Nahrungsmittel enthalten alle essenziellen Nährstoffe, die für eine ausgewogene gesunde Ernährung nötig sind.
Denn es gibt keine in tierischen Lebensmitteln vorkommenden Nährstoffe, die nicht auch reichlich in pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten wären (mit Ausnahme von Vitamin B12; siehe unten).
Das heißt, dass eine Ernährung aus Kartoffelchips, Salzbrezeln, milchfreien Backwaren und kalorienarmem Mineralwasser rein technisch gesehen vielleicht auf Pflanzen basiert, es sich aber trotzdem nicht um eine gesunde pflanzliche Kost handelt. Eine gut zusammengestellte, vegane Kost deckt alle Ihre Ernährungsbedürfnisse – Kalorien, Eiweiß, Vitamine und Mineralien – ohne Kalorienzählen, Portionskontrolle oder Gewichtsüberwachung. Es ist die einfachste Art zu essen!

Vermeiden Sie übermäßig stark verarbeitete Lebensmittel.
Dazu gehören beispielsweise gebleichtes Mehl, raffinierter Zucker und extrahierte Öle. Weißmehl, Zucker und die meisten Öle stammen zwar von Pflanzen, aber ihnen wurden die meisten Nährstoffe entzogen. Und obwohl manche Ernährungswissenschaftler Olivenöl empfehlen, kann man sich fragen, warum man mit der am stärksten konzentrierten Form von Fett, die es auf diesem Planeten gibt, kochen sollte, wo man doch die Wahl zwischen vielen anderen Flüssigkeiten hat. Oliven sind wunderbare Nahrungsmittel, aber Olivenöl kann problematisch sein.
Warum? Öl ist zu 100 Prozent reines Fett. Das bedeutet, dass – beispielsweise im Fall von Olivenöl – die Hersteller ganze Oliven genommen, ausgepresst und die guten Anteile (die gesunden Fasern, Vitamine und Mineralien) chemisch extrahiert haben. Übrig geblieben ist nicht viel mehr als eine konzentrierte Dosis Kalorien. 450 ml Olivenöl haben fast 4.100 Kalorien!

Vermeiden Sie Konservierungsstoffe und andere Zusätze!
Das versteht sich von selbst. Warum sollten Sie Ihre Kost mit irgendetwas Künstlichem überfrachten, wenn Sie vollwertige Nahrungsmittel essen können, die überhaupt keine Zusätze brauchen, um so großartig zu schmecken?

Lassen Sie Milchprodukte weg.
Kasein, das Hauptprotein in der Kuhmilch, könnte eines der wirksamsten chemischen Karzinogene sein, das jemals identifiziert wurde (wenn Sie mehr über dieses Thema erfahren möchten, sollten Sie Colin Campbells Buch „China Study“ lesen; siehe Seite 30). Milchprodukte erhöhen das Risiko für chronische Erkrankungen, und vor allem Kuhmilch wurde mit einem erhöhten Risiko für Krebs sowie für juvenilen Diabetes, Multiple Sklerose und viele andere Beschwerden in Verbindung gebracht.
Für Menschen besteht keine ernährungsbedingte Notwendigkeit, Kuhmilch zu trinken. Kuhmilch ist dazu gedacht, ein neugeborenes Kalb mit allen notwendigen Nährstoffen zu versorgen, so dass es in einem Jahr von etwa 30 auf 500 Kilo wachsen kann. Die Behauptung, dass die Extraportion Kalzium aus der Milch einen starken Knochenbau fördert, entbehrt einfach jeder Grundlage, weil bei Populationen, die mehr tierisches Eiweiß einschließlich Milchprodukte konsumieren, die Knochendegeneration deutlich stärker ist.

Machen Sie sich keine Gedanken über Kohlenhydrate.
Fast jeder von uns hat schon einmal etwas von kohlenhydratarmen Low-carb-Diäten gehört – sie sind seit Jahren in Mode. Aber sie sind nicht unbedingt gesund. Kohlenhydrate sind sogar die bevorzugte Energiequelle des Körpers.
Es ist also wichtig, kohlenhydratreiche Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Genauso wichtig ist es, die richtigen Kohlenhydrate auszuwählen.
Ein Viertel dessen, was du isst, erhält dich am Leben. Die anderen drei Viertel halten deinen Arzt am Leben. (Ägyptisches Sprichwort)
Mangos, Brokkoli und Gebäck sind allesamt kohlenhydratreiche Lebensmittel, aber Mangos und Brokkoli sind offenkundig sehr viel besser für Sie. Wenn Sie Kuchen und Kekse aus Weißmehl und Zucker essen, werden Sie einen schnellen Anstieg Ihres Blutzuckerspiegels erleben, eine stärkere Insulinausschüttung und eine Gewichtszunahme. Wenn Sie dagegen vollwertige vegane Nahrungsmittel wie Obst, Vollkornprodukte und Gemüse essen, werden Sie mit einer kohlenhydratreichen Ernährung gut zurechtkommen.
Ein zusätzlicher Bonus ist, dass diese Nahrungsmittel reich an Ballaststoffen sind und damit schnell sättigen. Ballaststoffreiche Nahrungsmittel senken fast immer auch die Gesamtkalorienmenge, was zu einem Gewichtsverlust beiträgt.

Keine Sorge, dass Sie nicht genügend Eiweiß bekommen
Einer der gängigsten Mythen über vegane Ernährung besagt, dass man nicht genügend Eiweiß aufnimmt. Das ist schlicht falsch. Pflanzliche Nahrungsmittel enthalten jede Menge Eiweiß und eine vollwertige vegane Ernährung bietet ausreichend Nahrungseiweiß – etwa zehn Prozent der Gesamtkalorien. Das übertrifft den Bedarf der meisten Menschen. Einen wichtigen Grundsatz sollte man sich merken: Es ist unmöglich, eine Kost zusammenzustellen, die ausreichend Kalorien, aber nicht genügend Eiweiß bietet. Die Bezeichnung für eine Mangelernährung, die durch zu wenig Eiweiß hervorgerufen wird (Protein-Energie-Mangelernährung), ist den meisten Amerikanern überhaupt nicht bekannt. (Sie lautet Kwashiorkor!)

Denken Sie über eine Vitamin B12-Zufuhr nach.
Vitamin B12 ist ein sehr wichtiges Vitamin, notwendig für das reibungslose Funktionieren von Gehirn und Nervensystem. Die meisten Menschen bekommen ihr Vitamin B12 über Fleisch oder andere tierische Lebensmittel. Aber das Fleisch ist nicht die ursprüngliche Vitamin-B12-Quelle. Das Vitamin kommt eigentlich von Bakterien aus der Erde, in der Pflanzen wachsen, die später von den Tieren nur gefressen werden.
Erde ist oft reich an Vitamin B12 und Pflanzenfresser haben den größten Teil ihres Vitamins B12 schon immer so aufgenommen: über Erdpartikel, die an dem Grünzeug kleben, das direkt auf dem Boden wächst. Heutzutage sind die Nahrungsmittel allerdings so stark gereinigt, dass zu dem Zeitpunkt, zu dem wir sie essen, auch noch die letzte Verschmutzung verschwunden ist.
Menschen brauchen sehr wenig Vitamin B12. Die empfohlene Tageszufuhr liegt zwischen 0,4 und 2,8 Mikrogramm. Der Körper eines Erwachsenen kann zwischen 2 und 5 Milligramm speichern – drei Größenordnungen mehr, als täglich gebraucht werden. Und diese Vorräte halten mehrere Jahre.
Die Lösung? Ergänzen Sie Ihre Nahrung zur Sicherheit mit Vitamin B12. Klären Sie mit einem erfahrenen Gesundheitsberater oder Arzt ab, welche Dosierung angemessen ist.

Aus: Gene Stone (Hg.), Gabel statt Skalpell, mit freundlicher Erlaubnis des Scorpio Verlags


Der Autor Prof. Dr. T. Colin Campbell ist Autor von „The China Study“, dem Bestseller über die in der Volksrepublik China durchgeführte, größte jemals unternommene Langzeitstudie über Krebs und andere Volkskrankheiten. Sie führte den empirischen Beweis, dass Krebs, Diabetes und Herzkrankheiten überall dort explosionsartig zunehmen, wo der Verzehr von tierischem Eiweiß zur Norm wird.

Der Autor Dr. Caldwell B. Esselstyn war Mitglied des Chirurgenteams, das in den sechziger Jahren die koronare Bypassoperation als standardisiertes Verfahren zur Behandlung der koronaren Herzerkrankung an der Cleveland Clinic in den USA entwickelte. Er rettete mit Hilfe des Skalpells vielen Menschen das Leben. Geleitet von den Ergebnissen seiner Forschungen über die Ursachen von Herzkrankheiten verlagerte er jedoch den Schwerpunkt seiner ärztlichen Tätigkeit in Richtung Ernährungswissenschaft und -beratung. Dr. Esselstyn ist Autor mehrerer medizinischer Standardwerke

Weitere Infos zur veganen Ernährung: auf www.vegane-gesellschaft.org - www.vegan.de - www.vegan-wonderland.de - www.vegan-total.de

Buchtipp
Gene Stone (Hg.), Gabel statt Skalpell, Gesund durch Ernährung auf pflanzlicher Grundlage - inkl. veganer Rezepte, zweifarbig, mit zahlreichen Abbildungen, 224 Seiten, Klappenbroschur, 17,99 €, Scorpio Verlag


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