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Ausgabe April 2013
KGS Traumkolumne von Klausbernd Vollmar - Yoga und Achtsamkeit


Träume setzen ins Bild, was wir im Alltagsleben (aus uns unbewussten Gründen) übersehen. Von daher erklärt es sich, dass wir häufig nach dem Erwachen etwas erinnern, was zuvor vergessen worden war. Sigmund Freud hat für dieses Vergessen den Begriff der Verdrängung geprägt. Er sah die Aufgabe der Psychoanalyse darin, das Verdrängte wieder bewusst zu machen, was er mit seinem vielzitierten Ausspruch „Wo Es war, soll Ich werden“ ausgedrückt hat. In diesem Sinn stärkt jegliche analytische Betrachtung eines Traums die Achtsamkeit des Träumers.
Betrachten wir nun die häufig auftretenden chaotischen Träume, in denen sich die Personen und Situationen, die Zeit oder der Ort ständig wandeln. Solche Träume sind in einer „Gesellschaft der Beschleunigung“ (Jacques Derrida) üblich. Sie spiegeln wider, wie unsere Aufmerksamkeit ständig von etwas Neuem angezogen wird. Der chaotische Traum macht uns klar, dass wir ohne das Verweilen keine Fokussierung erreichen können, dass wir also ohne Entschleunigung unachtsam werden. Und mehr noch, wenn wir unachtsam werden, erscheint uns unsere Wirklichkeit chaotisch. Freilich drücken solche Träume diese sprunghafte Unaufmerksamkeit überspitzt aus, so dass der Träumer sich nach dem Aufwachen gedrängt fühlt zu überlegen, warum seine nächtlichen Filme so sinnlos, ja geradezu dadaistisch erscheinen.
Eine hohe Stufe der Achtsamkeit stellt das bewusste oder luzide Träumen dar. Hierbei lernt der Träumer in seinem Traum bewusst zu bleiben. Eine der wichtigsten Übungen bei dieser Praxis besteht darin, seine Aufmerksamkeit auf einem Traumbild zu halten, also den Traumablauf zu stoppen, um das Bild mit all seiner Konzentration erfassen zu können. Im tibetischen Traum-Yoga wendet man diese und eine leicht abgewandelte Übung an, bei der man sich auf einen farbigen Kreis (meist rot) vom Einschlafen über das Träumen bis hin zum Aufwachen konzentriert. Solche Übungen, die nicht leicht zu erlernen sind, stärken die Achtsamkeit im Alltagsleben enorm. Sie zeigen zugleich, dass Achtsamkeit kein Selbstzweck ist, denn auffallend viele luzide Träumer sind ihrem Alltagsleben erstaunlich erfolgreich.


Klausbernd Vollmar führt einen vielbeachteten Blog http://kbvollmarblog.wordpress.com. Auf seiner Website www.kbvollmar.de finden Sie seine Buchveröffentlichungen und Veranstaltungstermine


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