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Ausgabe April 2013
Mit Yoga durch die Schwangerschaft. Von Sandra Beck

Von den positiven Wirkungen des Yoga können auch werdende Mütter profitieren - durch speziell auf die Zeit der Schwangerschaft abgestimmte Körper- und Atemübungen in Kombination mit Entspannung und Meditation. Die Berliner Autorin und Yogalehrerin Sandra

Viele wissenschaftliche Studien haben sich mittlerweile der Erforschung des Yoga gewidmet. Dabei wurde mehrfach bewiesen, wie weit reichend die positiven Effekte einer regelmäßigen Yogapraxis auf die körperliche und seelische Gesundheit sind. Yoga kann nicht nur subjektiv gesehen zu mehr Energie und Lebenskraft, einer positiveren Lebenseinstellung und seelischen Ausgeglichenheit führen, sondern auch auf messbarer Ebene eine Verbesserung der Atmung, eine Stärkung des Immun- und des Nervensystems, eine Kräftigung der gesamten Muskulatur sowie eine gesteigerte Organdurchblutung hervorrufen. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass Yoga jeder Lebensphase und jedem Alter individuell angepasst werden kann – und frau somit auch „in anderen Umständen“ auf die eigene Praxis nicht verzichten muss.
Dass Schwangerschaft keine Krankheit ist, ist heute allgemein bekannt. Zwar ist die körperliche Belastbarkeit insgesamt herabgesetzt – bei der einen Frau mehr, bei der anderen weniger – und diese individuellen Grenzen gilt es zu respektieren, um sich und dem Baby keinen Schaden zuzufügen. Doch sollten werdende Mütter weiterhin ihre Muskeln und Gelenke beanspruchen und fordern – wenn auch auf sanfte Art durch speziell für diese Phase konzipierte Übungen.
Denn durch Yoga kann vielen schwangerschaftsbedingten Beschwerden gezielt entgegengesteuert werden, indem z.B. Verspannungen gelöst und stützende Muskulatur aufgebaut wird, die den Körper der Frau trotz des wachsenden Gewichtes des Kindes und der veränderten Statik im Gleichgewicht hält. Außerdem machen spezielle Übungen das Becken und den Beckenboden fit für die Herausforderungen der Geburt. Ein Beispiel für die vielfältige Wirksamkeit von Yoga in der Schwangerschaft ist z.B. die Übung „Das Becken kreisen lassen“. Hierbei lässt die Schwangere im Vierfüßlerstand ihr Becken zuerst kleine, dann immer größer werdende Kreise vollführen und atmet dabei gleichzeitig tief in ihr Becken hinein. Dadurch wird nicht nur die Wirbelsäule mobilisiert und Verspannungen im gesamten Rücken gelöst, sondern auch die Beweglichkeit der Hüftgelenke gefördert. Wird diese Übung während des Geburtsprozesses im Stand oder im Ausfallschritt durchgeführt, kann sie außerdem dem Kind helfen, tiefer in das Becken zu rutschen und sich damit in eine ideale Position für die Geburt zu begeben.
Viele Frauen, die während der Schwangerschaft regelmäßig Yoga praktizieren, entwickeln nicht nur weniger Beschwerden oder können ihre vorhandenen erheblich lindern, sondern bei ihnen setzen durch die Minderung von Stresshormonen auch seltener vorzeitige Wehen ein. Weiterhin wirkt sich ihre Yogapraxis auf die Versorgung und das Wachstum ihres Babys sehr positiv aus: Dank eines verbesserten Blutflusses zur Plazenta werden beispielsweise weniger Babys zu früh geboren oder kommen untergewichtig zur Welt.
Und nicht zuletzt werden durch die Körperübungen auch die Weichen für die Zeit der Rückbildung gestellt – z.B. durch die Anknüpfung an die während der Schwangerschaft praktizierten Beckenbodenübungen.
Im Yoga gilt die Atmung als essentielles „Werkzeug“ – auch während der Schwangerschaft. Spezielle Atemübungen können hierbei Beschwerden wie Kurzatmigkeit lindern oder die Schmerzbewältigung während der Geburt erleichtern. Doch nicht nur die körperlichen Veränderungen und Herausforderungen erfordern die Aufmerksamkeit der werdenden Mutter, sondern auch die psychischen und emotionalen Turbulenzen in dieser Zeit. Ein Kind zu bekommen, ist selbst heutzutage immer noch eine der größten Herausforderungen, denen sich eine Frau stellen kann – nicht zuletzt, weil sie bis zu diesem Zeitpunkt häufig beruflich stark eingebunden und durch die bevorstehende Mutterschaft aufgefordert ist, in einen völlig anderen Modus zu schalten. Der einen mag diese Umstellung leichter fallen als der anderen, doch die meisten Mütter sind trotz aller „Warnungen“ auf die komplette Umwälzung ihres bisherigen Lebens nur schlecht vorbereitet.
Dann kann es eine große Hilfe sein, sich bereits in der Schwangerschaft regelmäßig Auszeiten genommen und geübt zu haben, die Wahrnehmung auf die eigene Atmung zu lenken und zu sich zu finden. Durch die stets bewusst geführte tiefe Atmung und die Koordination von Atmung und Bewegung in den Yogaübungen verankert sich der Geist nämlich mehr in der Gegenwart, ohne permanente Ausflüge in Vergangenheit und Zukunft zu unternehmen, und eventuelle emotionale Turbulenzen kommen wieder zur Ruhe.
Diesem Zweck dient auch die Meditation, die ebenfalls eine unverzichtbare Rolle im Schwangerenyoga spielt. Auch hier ist das Ziel, vollständig in der Gegenwart anzukommen und dadurch mehr innere Freiheit zu erlangen. Auf diese Weise kann es der Schwangeren leichter fallen, sich selbst jenseits der Aktivitäten ihres Geistes wahrzunehmen und stattdessen mit ihren inneren Ressourcen in Kontakt zu treten - von denen während Schwangerschaft und Mutterschaft die Intuition eine der wichtigsten ist.
Zwar sind Schwangerschaft und Geburt zutiefst natürliche Vorgänge, die in den meisten Fällen reibungslos verlaufen, weil der weibliche Körper das nötige Wissen dafür besitzt. Schon Abermillionen Frauen haben schließlich Kinder ausgetragen, geboren und aufgezogen. Doch leider geht in unserer überkontrollierten, technisierten Welt das Vertrauen in diese Fähigkeiten immer mehr verloren, und Schwangerschaft wird zunehmend zu einem Zustand, der ständig überwacht und vermessen werden muss. Da ist es hilfreich zu lernen, nicht nur den permanenten Befürchtungen und Einflüsterungen der Umwelt Aufmerksamkeit zu schenken, sondern auch den eigenen Gefühlen Raum zu geben und sich von ihnen leiten zu lassen. Auf diese Weise wird das Vertrauen in den eigenen Körper und den Prozess der Schwangerschaft gefördert – und auch der Geburt kann gelassener entgegengesehen werden.
Yoga in der Schwangerschaft wirkt somit auf allen Ebenen: körperlich, emotional und geistig. Und nicht zuletzt gibt die regelmäßige Praxis der werdenden Mutter die Möglichkeit, sich intensiv mit dem in ihrem Bauch wachsenden Kind zu verbinden und sich dadurch des Wunders, das gerade in ihr vor sich geht, noch bewusster zu werden.


Sandra Beck ist Autorin und Mutter zweier Kinder. Seit ihrer Ausbildung zur Yogalehrerin (BDY/EYU) leitet sie seit einigen Jahren Yogakurse, die sich schwerpunktmäßig an Frauen während und nach der Schwangerschaft richten.

Kontakt: www.der-innere-raum.de

Buchtipp:
Sandra Beck, Yoga in der Schwangerschaft - mit 50 Übungskarten für den täglichen Einsatz, 38-seitiges Begleitbuch, Mankau Verlag

Weitere Informationen rund um die Schwangerschaft auch bei www.bambiona.de


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