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Ausgabe März 2013
Die Kraft der Sehnsucht, Von Sebastian Lützig


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Der Mensch ist von einer materiellen, lebendigen Welt umgeben. Wenn er das Materielle betrachtet, sagen wir, seinen eigenen Körper, und dabei sich selbst, sein Selbst, außer Betracht lässt, so findet er seinen Körper träge. Dieser Körper kann nicht laufen, nicht handeln, nur liegen oder angelehnt sitzen.
Wenn der Mensch das Lebendige betrachtet, so findet er dies in einen Kampf mit der Trägheit verwickelt. Er findet, dass die Materie trotz ihrer ihr eigenen Trägheit bewegt und verändert wird. Ein Baum wächst nach oben, obwohl seine Materie nach unten strebt. Dieses Bewegen der Materie entgegen der Trägheit wird vom Leben erzeugt, vom Lebendigen innerhalb der Materie. Wenn der Mensch sich fragt, was er ist, so entdeckt er sich selbst als "Beweger" träger Materie, er findet sich als etwas Lebendiges, das Materie bewegt. Aber was treibt ihn an?

Die Polaritä
Das was dieser Mensch erkennen kann, ist die Polarität des manifestierten Seins. Das Lebendige muss etwas zum Bewegen haben, damit es sich lebendig fühlen kann. Es muss etwas Bewegungsloses, etwas Träges geben, damit sich etwas Anderes (Geist) als Leben fühlen kann.
Der Mensch besitzt machtvolle Fähigkeiten, welche er, wenn er sie ausbildet, zum Wohle von Allem-was-ist verwenden kann.
Wenn der Mensch sich als lebendiges Wesen entdeckt und sich damit identifiziert, wird er glücklich. Wenn er sich mit dem Bewegungslosen, mit Materiellem identifiziert, wird er unglücklich.

Fühlen, Denken, Handeln
Das Fühlen, also die Gefühle des Menschen, sind sein Lebensführungs-Messgerät. Fühlt er sich dauerhaft gut, weiß er, dass er sein Leben gut führt. Fühlt er sich dauerhaft schlecht, weiß er, dass er etwas falsch macht. Wenn er Leid fühlt, möchte er es vermeiden, wenn er Glück fühlt, möchte er es vermehren. Um Erlebnisse zu meiden die Leid verursachen oder Erlebnisse zu erfahren, bestenfalls zu erzeugen, die Glück verursachen, verwendet der Mensch sein Denken. Schließlich erzeugt dieser Mensch durch Wollen einen Handlungsvorgang, welcher anhand des Denkergebnisses Materie-Bewegungsvorgänge auslöst. Die Trägheit wird überwunden, Materie in Bewegung gebracht und Leben erlebt.

Versklavtes Denken
Wenn in diesem gerade dargestellten Prozess nun das Denken übergangen, ausgelassen wird, dann erzeugen die Gefühle direkt die Handlung, verwenden schlimmstenfalls das Denken für ihre Zwecke. Gefühle wollen immer sofort befriedigt werden, sie kennen kein Warten, keine Geduld, weder sinnvolles noch sinnloses handeln. Gefühle können nicht denken. Wenn die Gefühle die Kontrolle übernehmen, dann beginnen wir jetzt, sofort alles für ihre Befriedigung zu tun. Die Gefühle kennen keine Zukunft. Sie verlangen nach sofortiger Befriedigung oder Beruhigung. So entstehen Hektik, Wut, Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt, brennende Eifersucht, Euphorie ... Glücksgefühle wie die Euphorie erzeugen Formen von Sucht.
Sehnsucht heißt Hingabe an das Sehnen. Wer sich nur sehnt, anstatt auch dem Gesehnten sinnvoll, durchdacht, entgegen zu gehen, empfindet bald Leid.

Ein Beispiel
Betrachten wir ein extremes Beispiel der Unterlassung des bewussten Denkens: einen Trunksüchtigen. Wir werden schnell finden, dass sein Vorgehen nur auf die Befriedigung bestimmter Gefühle ausgelegt ist. Wenn wir ein Denken an ihm feststellen, dann nur ein solches, welches unter der Herrschaft der Begierde versklavt ist und nichts anderes kann, als nach schnellstmöglicher Lösung zur Befriedigung der Begierde zu suchen. Nicht das bewusste Denken ist Herr über die Gefühle, die Gefühle sind Herr über das Denken. Leid folgt.
Nur mittels unseres bewussten Denkens können wir dauerhaftes Leid verhindern. Nur das bewusste Denken kann langfristiges Glück erzeugen, wenn es die Gefühle und deren Zulassung hinterfragt und steuert. Solch geartetes Denken öffnet ein Tor nach oben, durch welches sich echte Intuition in den diesseitigen Menschen ergießen kann. Der Mensch erhält Kontakt zu seinem höheren Selbst.

Den Bogen spannen
Fühlen, das ist der Pfeil des Lebens. Fühlen, das ist durch die Luft fliegen, den Wind im Gesicht spüren, die Landschaft genießen, die Farben und die Formen. Fühlen, das ist das Leben erleben. Denken, das ist der Bogen, der nach bestem Wissen und Gewissen ausgerichtet werden muss um Unglück zu vermeiden und Glück zu erzeugen. Handeln, das ist der Abschuss.
Aber dieser Bogen könnte keinen Pfeil schießen, kein Erlebnis erzeugen, dieser Pfeil würde nicht fliegen, es gäb keine Handlung, wenn es nicht eine mächtige Kraft gäbe, die die Ursache all dessen ist: Das Sehnen.
Das Sehnen nach Erlebnissen, nach Farben, nach Formen, nach Spiegelung, nach Selbsterkenntnis, nach Vereinigung, nach Schönheit, nach Atmen. Dies ist der Antrieb, den es braucht, die Kraft, die den Bogen spannt, damit der Kampf mit der Trägheit überhaupt aufgenommen werden kann.


Der Autor Sebastian Lützig ist freier Schriftsteller und veröffentlicht täglich eine Inspiration auf Facebook. Er hält Vorträge und Workshops und arbeitet im Zuge seiner Unternehmensberatung auch als dauerhafter Glücklichkeitsbeauftragter für einen großen Demeter Bauernhof. Weitere Informationen unter: www.sebastianluetzig.de


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