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Ausgabe Februar 2013
KGS Traumkolumne von Klausbernd Vollmar - Identität


In meiner letzten Traumkolumne schrieb ich über die Relativität der Zeit. Identität ist genauso relativ. So beklagt schon Faust „zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“ und wenn es nur zwei wären. Dass wir stets viele sind, zeigt uns jeder Traum, in dem Personen auftreten wie in den meisten Träumen. Jede Person, die in einem Traum auftritt, symbolisiert einen Anteil von uns selbst. Viele Träume handeln von der Mutter oder dem Vater, was die mütterlichen und väterlichen Anteile des Träumers ausdrückt, genauso wie der Traum von Kindern sich auf unsere kindliche Seite bezieht. Unsere Träume zeigen uns, dass wir viele Identitäten besitzen, die sich in Form von Traumpersonen darstellen. Würde wir nur eine Identität besitzen, wären wir nicht nur erstarrt eindimensional, sondern uns fehlte auch jede Anpassungsfähigkeit. Die Frage „Wer bin ich?“ kann nur mit „viele“ beantwortet werden, zumindest wenn man psychisch einigermaßen gesund ist. Im Sinne der Ganzheitlichkeit würde ich behaupten, je mehr wir sind, desto kreativer sind wir. Das zeigt sich deutlich an unseren Träumen: Treffen wir in Träumen immer wieder unterschiedliche Personen, deutet das auf eine soziale Beweglichkeit hin. Tritt jedoch stets die gleiche Person in unseren Träumen auf, scheint ein Defizit vorzuliegen. Es handelt sich um eine undifferenzierte Persönlichkeit. Das sieht man deutlich am Kindertraum. Die noch undifferenzierte kindliche Seele produziert häufig das wiederkehrende Bild des Monsters. Erst in der Auseinandersetzung mit diesem Bild differenziert sich die kindliche Persönlichkeit und ihre Träume werden zunehmend mit unterschiedlichen Personen – oder bei Kindern häufig Tieren – bevölkert.
Für Erwachsene empfehle ich, darauf zu achten, wie viele männliche und wie viele weibliche Personen in ihren Träumen auftreten. Daran zeigt sich unsere männliche (Animus) und unsere weibliche Identität (Anima). Nach Jung werden jene als psychisch gesund angesehen, die in der Lage sind, beide Identitäten ausleben zu können.


Der Autor Klausbernd Vollmar führt einen vielbeachteten Blog http://kbvollmarblog.wordpress.com.
Auf seiner Website www.kbvollmar.de finden Sie weitere Veröffentlichungen und Veranstaltungstermine.


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