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Ausgabe Februar 2013
Beitragsreihe 2013 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Calcium carbonicum

Calcium carbonicum - der Glaube an sich selbst, Andreas Krüger mit dem zweiten Teil seiner Beitragsreihe über wichtige homöopathische Heilmittel, erläutert anhand seiner eigenen biografischen Erfahrungen

H. Schäfer: Unser erstes Interview zum Thema homöopathische Heilmittel endete mit der Heilung Ihrer jahrelangen Migräne Dank dem homöopathischen Mittel Glonoinum. Aber damit war noch nicht der ganze Mensch Andreas Krüger geheilt. Wie ging es weiter?
A. Krüger: Die Migräne war weg, ich hatte mein homöopathisches Damaskuserlebnis, begann meine psychotherapeutische Karriere, machte meine Heilpraktikerprüfung und eröffnete meine Praxis. Aber ich hatte ein großes Problem: Ich glaubte nicht an mich und meine Fähigkeiten. Außerdem hatte ich damals enorme Ängste vor der Welt und den Menschen. Was mich rettete waren die Menschen, die davon überzeugt waren, dass ich etwas konnte und die an mich glaubten – so wie mein damaliger Lehrer Volker Rohleder, der mich an die Hand nahm und zum Direktor meiner damaligen Heilpraktiker-Schule machte. Obwohl ich nicht an mich glaubte, so war ich zum Glück mit der Fähigkeit ausgestattet, denjenigen zu glauben, die an mich glaubten – und diesem Glauben wollte ich gerecht werden. Ähnlich war es an der Samuel-Hahnemann-Schule, als der damalige Bundespräsident des Fachverband Deutscher Heilpraktiker e.V. an mich glaubte und mir vorschlug, im zweiten Jahr meiner Heilpraktikerpraxis auf dem Heilpraktikertag in Karlsruhe eine Vortrag zu halten. Dieser Vortrag war der Beginn meiner Vortragskarriere. Zum Glück haben immer wieder Menschen an mich geglaubt – aber ich, ich habe nicht an mich geglaubt.

Gab es dafür irgendwelche Gründe?
Ja. Ich schämte mich, dass ich nicht studiert hatte, dass ich kein Intellektueller geworden und nicht dem Bildungsanspruch meiner Familie gerecht geworden war, sondern nach der 10. Klasse die Schule geschmissen hatte. Ich war also letztendlich ein Bildungsversager. Diese Minderwertigkeitsgefühle waren tief in mir verankert und es war sehr anstrengend, mich an dem Glauben anderer an mich durch mein Leben zu hangeln, um die Dinge zu tun, die getan werden mussten: Ich musste eine Praxis aufmachen und mein erstes Geld verdienen und ich musste mit 29 eine Schule leiten. Und trotzdem hatte ich immer das Gefühl, eigentlich dafür zu doof zu sein.

Wie kann man mit solch einer Überzeugung Vorträge halten?
Das frage ich mich heute auch. Eines Tages war ich Mitglied eines großen Homöopathie-Kongresses in Würzburg und hatte die ganze Zeit diese schon beschriebene Angst, dass die anderen herausfinden, dass ich nur ein „dummer Britzer-Bauer“ war und mich nach Hause schickten. Doch obwohl um mich herum lauter Ärzte und Studierte saßen, stieß mein Vortrag auf große Resonanz. Während dieses Kongresses sprach mich Jürgen Becker an und schlug einen gemeinsamen Spaziergang vor. Wir sprachen über Homöopathie und auch über Persönliches und auf einmal sagte er: „Ich möchte mich ja nicht in deine homöopathische Therapie einmischen, aber bestell doch mal deiner Homöopathin einen schönen Gruß: Ich würde dir Calcium carbonicum geben.“ Calcium carbonicum wird aus der mittleren Schicht einer Austernschale hergestellt. Es ist ein Mittel, das dem Mond und damit dem Sternzeichen Krebs zugeordnet wird – passt für mich als Doppelkrebs natürlich hervorragend. Der Calcium carbonicum-Typus ist häuslich und hat gerne viele Menschen um sich herum, er mag auch körperlichen Kontakt und sinnliche Essvergnügen. Außerdem ist er ein fleißiger Arbeiter, der aber bei seiner Arbeit nicht nervös gemacht werden darf. Damals hatte ich ein sehr negatives Bild von Calcium carbonicum, weil ich ja eigentlich ein großer, schlanker, schöner Held sein wollte – also eher phosphorisch – und nicht klein, dick und doof wie Calcium carbonicum. Das sagte ich Jürgen und fragte ihn nach dem Grund seiner Einschätzung. Er erwiderte: „Calcium ist nicht doof. Calcium ist herzlich, treu, sorgt für Harmonie und familiäres Miteinander. Und du machst immer so runde Bewegungen, so Mondbewegungen. Außerdem tippe ich auf Calcium, weil du während des Vortrages aussahst wie ein aufgeschlagenes Ei.“ Eier gehören zu den Leibspeisen von Calcium. Ich war beleidigt, konnte ihm aber folgen. Damals trug ich gerne weiße Hemden und legte mir über die Schulter einen Pullover. Meine Frau hatte mir gerade einen gelben Kashmirpullover geschenkt und so hielt ich den Vortrag in einem weißen Hemd mit einem gelben Pullover. Damals nahm ich mir übrigens vor, Homöopathie nicht so zu praktizieren, indem ich Menschen Mittel verschreibe, weil sie aussehen wie aufgeschlagene Eier.

Und haben Sie Calcium carbonicum genommen?
Ja. Zurück von dem Kongress bekam ich einen heftigen Schnupfen und ging zu einer homöopathischen Ärztin, die ich mir gesucht hatte, nachdem Dr. Sigmund gestorben war. Ich erzählte ihr von Jürgen Becker und seiner Idee von Calcium carbonicum. Sie sagte nichts, ging an ihren Schrank und gab mir zwei Kügelchen. Und dann passierte etwas Besonderes. Als ich auf die Straße trat, hatte ich das Gefühl, als wenn meine Brust ganz weit werden würde und ich spürte einen Zugang zu meiner Mitte, zu dem Hara, diesem Raum zwischen Schambein und Bauchnabel. Ich hatte das Gefühl, gesammelt in dieser Mitte weit und frei zu sein. Dazu kam die völlig neue Erfahrung von absoluter Angstfreiheit. Ängste hatte ich ja in meinem Leben genug und mit einem Mal war das alles weg. Statt dessen hatte ich das Gefühl, dass ich absolut in Ordnung bin, so, wie ich jetzt bin.

Gab es weitere„Nachwirkungen“?
Ja. In der darauffolgenden Nacht träumte ich, dass ich gegen den Teufel kämpfen musste. Dieser Teufel war ein Ninja, ein japanischer Superkiller mit lauter beeindruckenden Schwertern. Meine Ausrüstung bestand lediglich aus einem ganz kleinen Schwert, das mir die Königinnen meiner Stadt gegeben hatten. Als ich diesem Super-Teufel-Killer gegenüber stand, war klar, dass er mich massakrieren wird. Ich hatte totale Angst und schämte mich, nicht die Stadt und ihre Bewohner verteidigen zu können. In meiner Angst hielt ich mein Schwert nach oben und fing an, das Reformationslied, das Martin Luther dichtete, zu singen: „Ein feste Burg ist unser Gott“ – ein typisches Calcium-carbonicum-Lied. Genützt hat es nichts, denn der Ninja stürzte sich auf mich und stach zu, so dass ich tot auf den Boden fiel. Als der Ninja gerade ansetzen wollte, um meinen Körper zu zerhacken, merkte ich, wie er zurückschreckte. Noch während ich mich fragte, warum er zögerte, sah ich rechts und links neben mir zwei Wesen – riesige, gigantische Wesen – und ich wusste im Traum, dass es Engel waren. Als ich an den Wesen hinunterguckte, erkannte ich, dass sie Wollsocken trugen und Birkenstocklatschen anhatten. Calcium-carbonicum-Engel tragen in der prozessorientierten Homöopathie Birkenstocklatschen und Wollsocken. Diese Engel hoben mich auf und nahmen mich mit, so dass mir der Teufel nichts mehr antun konnte.

Fazit?
Calcium carbonicum hat den ersten Impuls gesetzt, dass alles so richtig ist, wie es ist und wie ich bin. Calcium war also das zweite wichtige Mittel in meiner homöopathischen Karriere. Wenn mir damals jemand erzählt hätte, dass der „dumme Britzer-Bauer“ 30 Jahre später eine der größten deutschen Heilpraktikerschulen leitet, 30 Seminare im Jahr macht und eine recht erfolgreiche Praxis hat, dann hätte ich ihn ausgelacht. Aber diese Urerfahrung hat mir natürlich geholfen, das Problem von 98 Prozent meiner Patienten zu verstehen, nämlich die eigene Größe nicht zu erkennen. All denen kann ich sagen: Ich hielt mich für den Dümmsten und trotzdem habe ich vor einiger Zeit den deutschen Preis der Heilpraktiker für Redekunst erhalten. Ich bin also ein hoffnungsvolles Vorbild, denn wenn jemand, der so wenig an sich geglaubt hat wie ich und so viel Angst hatte, heute relativ überzeugt von sich ist und so gut wie keine Angst mehr hat, dann kann es jeder schaffen. (Aber bitte nicht alleine herumexperimentieren! Adressen von Homöopathen gibt es beim Fachverband.)

Merci und bis zum nächsten Mal.

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanische Heilkunst, weitere Infos: www.Samuel-Hahnemann-Schule.de


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