aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Februar 2013
Zufriedenheit - Ein Weg zu innerem Frieden, der durch den Bauch geht. Von Hasso Wittboldt-Müller


Die Suche nach Zufriedenheit
Die Suche nach einer tiefen Zufriedenheit mit unserem eigenen Leben führt unvermeidlich zu einer Auseinandersetzung mit uns selbst, besonders mit den von uns angehäuften Glaubenssystemen und Verhaltensmustern, mit denen wir tagtäglich konfrontiert werden.
Wir können nur erahnen, wie groß und komplex die inneren Dimensionen unseres Seins tatsächlich sind. Hinter dieser Komplexität versteckt sich jedoch eine Einfachheit: die Kraft unseres Seins. Zufriedenheit und Glück liegen in uns. Unsere eigene innere Intelligenz, unser Herz, erinnert uns daran, dass wir eigentlich bereits glücklich sind. Unser Kopf ist jedoch oft anderer Meinung; er handelt entsprechend innerer Konditionierungen und setzt die Erfüllung von äußeren Wünschen mit dem Erlangen von Zufriedenheit gleich. Kopf und Herz argumentieren meist fortwährend miteinander. Was oberflächlich gesehen wie ein Widerspruch erscheint, ist in Wirklichkeit keiner. Beide Daseins-Empfindungen existieren zu gleicher Zeit. Es geht also darum, ein tieferes Verstehen für die Vorgänge in uns zu entwickeln.
Genau darüber waren sich schon vor langer Zeit die Daoisten bewusst. Nach der Jahrtausende alten chinesischen Lebensphilosophie des Daoismus (oder Taoismus) gab es zunächst nur das Dao, die Einheit, die Wahrheit, das formlose Bewusstsein. Daraus entstanden Yin und Yang, die Dualität. Dann wurde aus zwei drei und aus drei die Vielfalt aller Dinge, die Komplexität der Welt in unserer Wahrnehmung.
Wir leben heute in einer Zeit, in der der fortwährende Zuwachs an immer komplexeren Informationen droht, uns zu überwältigen. Gleichzeitig entsteht in einer ständig wachsenden Zahl von Menschen der Wunsch nach Stille, Einfachheit und Zufriedenheit.
Angesichts der Tatsache, dass wir dazu tendieren, uns in der Komplexität der Welt zu verlieren, lautet die Kernfrage: Wie komme ich zurück zu mir, nach Hause? Unser Leben bringt uns immer wieder genau an diesen Punkt der Auseinandersetzung mit uns selbst: Wie können wir dieses „Zuhause“ wieder finden oder besser gesagt: Wie können wir es überhaupt erst einmal entdecken? Denn das Bewusstsein für diesen Ort ist uns nicht angeboren.

Wo finden wir dieses „Zuhause“?
Es ist ein Ort in uns, an dem wir das Gefühl haben, bei uns selbst „angekommen“ zu sein. Ein Ort, wo wir hingehören, wo wir uns ausruhen können, uns unterstützt fühlen und andere unterstützen können, wo Harmonie und Vertrauen existieren und Liebe erfahrbar ist. Jeder spürt, wie wichtig dieser ortlose Ort in uns ist. Durch äußerliche Veränderungen in unserem Leben werden wir das Gefühl des „Angekommenseins“ nur sehr begrenzt erreichen können.
Die Vollkommenheit, nach der wir uns sehnen, ist nicht an äußere Objekte gebunden. Alles hängt allein von uns ab, es ist eine Frage des Bewusstseins und des tiefen Verstehens. Die Einladung ist die, uns mit unseren inneren Konditionierungen und Gefühlen auf tieferen Ebenen auseinanderzusetzen, um mehr in Berührung zu kommen mit dem, was IST.
Es ist interessant zu bemerken, dass die Suche nach diesem “Zuhause” auf physischer, geistiger, emotionaler und spiritueller Ebene gleichzeitig stattfindet. Wir sind offensichtlich Wesen komplexer Natur, die auf verschiedenen Ebenen versuchen, sich mit dem Leben zu verbinden. In Wirklichkeit ist jedoch auch die Trennung dieser Ebenen rein theoretisch.
Worum geht es wirklich bei diesem Thema des „Nach-Hause-Kommens“? Wenn eine tiefere Zufriedenheit langfristig in äußeren Dingen nicht zu finden ist, wo finden wir sie dann? Vielleicht tatsächlich in den inneren Dimensionen unseres Seins! Wer nur einmal einen Geschmack von diesen inneren wunschlosen Welten bekommen hat, weiß, welch große Geschenke wirklich auf uns warten.

Ist es ein Problem, Wünsche zu haben?
Nein, das ist es nicht. Eine Verengung in unserer Psyche findet nur dann statt, wenn wir und die Wünsche sich miteinander „verkleben“, wenn wir uns mit ihnen identifizieren. Dann kommt es zu einer Verhaftung, und wir verlieren die Übersicht über unser Leben und seinen Sinn. Dann richten wir unsere Aufmerksamkeit mehr auf äußere Dinge statt auf unseren Bewusstseinszustand. So sind wir uns nicht bewusst darüber, wie sich unser Leben entfaltet.
In diesem Prozess der Verhaftung kommt es zur Anhäufung von unbewussten und unausgelebten Gefühlen. Seelische Schmerzen und Leiden aller Art, wie zum Beispiel auch zwischenmenschliche Konflikte, inszenieren oft Gefühle von Wut, Hoffnungslosigkeit, Angst und Trauer. Dies sind Faktoren, die zu starken Veränderungen im Fluss der Lebensenergie führen. Je mehr unser Lebensfluss gestaut ist, desto mehr werden dadurch auch unsere Körperfunktionen beeinträchtigt. Um an den wirklichen Ursachen dieser körperlichen Reaktionen zu arbeiten, müssen wir uns zuerst mit unseren eigenen Bewusstseinsbegrenzungen und Lebensmustern auseinandersetzen.
Gleichzeitig ist es sinnvoll, den Energiefluss im gesamten Körper zu optimieren und dadurch negativen Gefühlen die Möglichkeit zu geben, sich aufzulösen.
Gefühle müssen erst einmal gefühlt werden, bevor sie sich auflösen können. In jedem Gefühl (gleich ob negativer oder positiver Natur) verbirgt sich ein Geschenk für uns – es möchte etwas erlebt werden in uns, das wir bis zu diesem Zeitpunkt in unserem Leben noch nicht konfrontieren und anschauen konnten.

Wie können wir uns in diesem Prozess unterstützen?
Ich möchte an dieser Stelle eine Körpertherapie erwähnen, die sich in meiner Praxis sehr bewährt hat, um Menschen mit sich und ihrer „Mitte“, ihrem „Zuhause“, neu zu verbinden. Wenn dieses Gefühl von „Zuhause“ im Körper tatsächlich erlebt wird, erzeugt es einen Welleneffekt auf emotionaler, geistiger und spiritueller Ebene.
Das Wesentliche ist, dass es zu einer Begegnung mit uns selbst kommt und dazu kommt es im Chi Nei Tsang (CNT). CNT ist eine angewandte Form des Chi Kung (Qigong) und bedeutet wörtlich aus dem Chinesischen übersetzt „Kultivierung von Qi (Lebensenergie) im Bauch“. In dieser Jahrtausende alten daoistischen Körpertherapie geht es um die Auflösung von Blockaden im Lebensfluss und die Transformation von negativem und positivem Qi. CNT gibt uns optimale Voraussetzungen, um uns mit unseren eigenen Gefühlen viszeral - auf der Ebene der inneren Organe und Gewebe - auseinanderzusetzen.
Durch eine Zurückführung zur „authentischen“ Atmung finden wir einen direkteren Zugang zu unseren Gefühlen, können diese durch unser Enterisches Nervensystem, das so genannte „Bauchhirn“, neu erleben und sie durch ihre Annahme und Wahrnehmung authentisch auflösen. Durch diesen Prozess wird dann auch der Fluss der Lebensenergie in den Organen und Geweben optimiert. So kann eine aufrichtigere Wahrnehmung stattfinden, wo wir wirklich mit uns und der Welt stehen, und dies wiederum ist eine Voraussetzung für ein gesünderes und erfülltes Leben.
In dem hier beschriebenen Prozess des bewussten „Hineinatmens in unsere Gefühle“ erfahren diese eine „Erlösung“ durch die ihnen zugewandte Aufmerksamkeit. Wir „erlösen“ uns praktisch selbst, und so kann wirklich Heilung stattfinden. Diese “Erlösung” findet auf viszeraler Ebene statt, und das macht diese Arbeit so kraftvoll. Denn körperliche, geistige, emotionale und spirituelle Prozesse kommunizieren miteinander durch das gemeinsame Feld der Lebensenergie im Körper. Eine Auflösung von Blockaden im Feld der Lebensenergie führt zu einer Transformation, wo immer sich diese auch ausdrücken mögen. Dann und wann fließt auch einmal eine Träne, die zum Vorschein kommt, wenn wir alte Konditionierungen mit unserer Atmung und unserem Bewusstsein „durchschmelzen“. Das Loslassen unser emotionalen Verteidigungssysteme schafft die Voraussetzung für einen Quantensprung auf allen Ebenen unseres Seins, und es kann zu einer Weiterentwicklung kommen.
Diese Arbeit ermöglicht uns, bei uns selbst „anzukommen“, den uns innewohnenden Ort des Glücks und der Zufriedenheit zu erleben. Sie ermöglicht uns außerdem, unsere eigene Kraft voller zu entfalten, sie mit anderen zu leben und somit der Welt zu dienen.


Der Autor Hasso Wittboldt-Müller ist Heilpraktiker in San Rafael, Kalifornien, in eigener Naturheilpraxis. Schwerpunkte: Chi Nei Tsang, Qigong, Fünf Elemente Lehre, Pflanzenheilkunde, Aromatherapie, Ernährung, Ayurveda. Seit vielen Jahren internationale Dozententätigkeit.


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.