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Ausgabe Januar 2013
Zeiten des Aufbruchs. Von Renate Anraths

„Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“

Als Astrologin würze ich das Gespräch natürlich mit Zeitangaben. Da wird das Zimmer gern zum Wartesaal, in dem sich jemand seinen Fahrplan für die rechtzeitige Abfahrt ins Glück abholen möchte. So geht’s natürlich nicht, sagt die aufgeklärte Beraterin, geht aber schon, sagen hungrige Klienten. Diese ungeduldige Wann-Frage bringt mich oft aus dem Konzept, aber wenn ich mich selber beraten lasse, springt auch in mir sofort ein ungeduldiges „Wann“ auf. Hoffend oder ängstlich, denn mit Zeit wird es ja Realität.

Der Lauf der Gestirne
Interessanter ist die Frage, ob der Lauf der Gestirne die Zeit nur angibt oder die Zeit prägt. Wenn es so wäre, was bedeutet das für uns und wie erklärt sich das?
Die moderne Astrologie windet sich mit der Jung‘schen Theorie der Synchronizität: Oben ist wie unten, also passieren scheinbar zufällig Geschehnisse gleichen Charakters zur gleichen Zeit. Das Horoskop vom Beginn eines Krieges ist das gleiche wie das eines neugeborenen Kindes. Nach dieser These hätten Planetenkonstellation und Ereignis nur insofern etwas miteinander zu tun, als dass sie eben synchron stattfinden. Die moderne Astrologie winkt geradezu peinlich berührt ab, dass Planeten Ideen überbringen könnten.
Djwal Kuhl hingegen lehrt in der „Esoterischen Astrologie“, über die Planeten ströme Energie in unsere Welt, von außerhalb unseres Sonnensystems kommend. Diese Energie sei eine Idee. Das erinnert an Plato, der die Götter als Ideen sah. Die Aufgabe der Menschheit sei es, die Idee zu erfassen und zum Wohle der Menschheit umzusetzen – bis sie in „rechten menschlichen Beziehungen“ miteinander leben. Jede Epoche ist Ausdruck einer bestimmten Idee, das kennt man aus der Geschichte. In der Lehre der Sieben Strahlen bringt ein Strahl, dem der Planet angehört, diese Idee in die Welt.
Dieses Weltbild stellt das Oben und Unten in einen aktiven Zusammenhang, in dem die Entwicklung nach der gleichen Gesetzmäßigkeit voranschreitet. Die kleine persönliche Welt ist durch viele Fäden mit der ganzen Welt verbunden, und diese mit dem Kosmos usw. Das versteht heute jeder, die Welt ist global ausgerichtet und streckt ihre Fühler (Interessen) bis in den Weltraum. Da stecken wir noch in den Anfängen. Jeder Hartz4-Empfänger ist wie der Bänker mit den gestaltgebenden Kräften der Gesellschaft verbunden, auch wenn sich Absicht, Rolle und Aktivität in ihrer Reichweite erheblich unterscheiden.
Viele sehen Politik und Esoterik als Gegensätze an. Da fühlen sich Esoteriker dem Kosmos so eng verbunden, dass sie das irdische Geschehen großzügig übersehen. Es stimmt ja, je mehr Menschen glücklich sind, desto glücklicher ist die Welt. Nur bis es so weit ist, dürfte noch viel Zeit vergehen. Es ist die Frage, ob wir uns so viel Zeit lassen können. Man denke an all die Menschen, die unter sklavenähnlichen Bedingungen leben, so formuliert man das dezent. Es ist nicht ähnlich, es ist so. Nur damit wir in den paar Wohlstandsländern uns mit billigen Konsumgütern im Hauch eines Luxuslebens sonnen. Es ist eine offene Frage, wie lang das gut geht.

Der Wandel
Wir stehen an der Schwelle zum Wassermannzeitalter und im kosmischen Rondell von etwa 25.000 Jahren, oder sind es 24 oder 26Tausend?, auch hier am Übergang. Den längst fälligen Polsprung erwartend, oder einen Dimensionswechsel oder gar den Weltuntergang schlechthin. In Anbetracht der menschlichen Lebenszeit macht es natürlich einen Unterschied, ob es sich um tausend Jahre verschiebt. Da wäre ich gern wieder Christin, die, wenn sie sich verabschiedet hat, nicht am Ende das Pech hat, genau dann, in tausend Jahren dabei zu sein. Der Glaube an Reinkarnation ist nicht immer tröstlich.

Wie leben wir in dieser Zeit - für diese Zeit?
Auch wer mit den Begriffen Wassermannzeitalter etc. nichts anfangen kann, kann nicht übersehen, wie sich die Zeiten ändern. Neue Themen, das Wort Internet gab es 1970 gar nicht, neue Erkenntnisse und Bedürfnisse, neue soziale Spannungen. Interessant, aber auch beunruhigend, weil das Gefühl der Sicherheit zunehmend verloren geht. Um das zu erkennen, braucht man keine Esoterik und Astrologie. Aber die Esoterik zeigt das Geschehen in einem anderen Zusammenhang:
Uranus ist der Herrscher des Wassermanns, er verkörpert den VII. Strahles der „Zeremonie (und Magie)“. Uranus, so der Tibeter „...bewirkt und unterstützt das Erscheinen einer neuen Weltordnung, die auf einem geistigen Antrieb und auf geistigem Streben beruht, auf gedanklicher Freiheit, liebevollem Verständnis und einem Rhythmus auf der physischen Ebene, der Gelegenheit zu voller schöpferischer Wesensäußerung bietet. Der Siebente Strahl bringt das wichtigste Gegensatzpaar – Geist und Materie – auf der physischen Ebene zum Ausdruck und verbindet beide miteinander, so dass schließlich ein einziges, wirkendes Ganzes entsteht.“ Dafür haben wir 2000 Jahre Zeit.

Uranus-Perioden sind Zeiten des Aufbruchs
Sie bringen Unruhe, Reformen, Erfindungen und wenn es gar nicht anders geht, Aufstand und Revolution. Es geht um Freiheit und Demokratie, begleitet von Chaos und Anarchie. Bis die Menschen sich als Brüder und gleichberechtigt begreifen – dass jeder Recht auf Freiheit hat. Dass wir alle miteinander verbunden sind. Nun versteht man besser, warum gerade jetzt das „Netz“ den Zeitgeist präsentiert: Internet, soziale Netzwerke und interaktive Medien. Eine rasante Entwicklung auf allen Ebenen. Die Macht der Banken, die Abstriche in der Sozialpolitik – sie schärfen die Konflikte und rufen das Bedürfnis nach sozialer Gerechtigkeit hervor. Weil Entwicklung immer von unten beginnt, zeigen sich die Ideen zunächst von ihrer schlechten Seite. Bedürfnisse werden oft erst durch Mangel bewusst, das wird logischerweise Gegenbewegung hervorrufen. Wenn keine echte Reform erfolgt, löst das nach der Phase der Resignation den Aufstand aus. Das zeigen die beiden ersten Uranus-Phasen, die Französische Revolution und die Sozialistische Revolution. Die damals nicht erfolgten Veränderungen werden jetzt neu aufgegriffen.
Im spirituellen Umgang mit den Fragen der Zeit orientieren wir uns daran, dass Uranus Bewusstseinserweiterung will, „in der Geist und Materie zusammengeführt werden“. Das erfordert auch ein neues Verständnis von Meditation, denn „Uranus beherrscht den okkulten Weg“. Ziel ist nicht der persönliche Rückzug in die Stille, sondern das aktive Erfassen und Erbauen einer Idee, welche die Welt braucht – um sie aktiv in das Netz zu speisen. Die Baustoffe sind Bedürfnis und guter Wille. Das ist eine spirituelle Netzwerkarbeit, die sich als Dienst an der Menschheit versteht.

Dem Gedanken folgt Energie
Diese aktive Form der Meditation ist eine spirituelle Form, die Welt mitzugestalten. Immer mehr Menschen beteiligen sich daran, unabhängig von sozialer Herkunft, von Nation oder Glauben. Die „Gruppe der Neuen Weltdiener“ bietet Unterstützung an, andere machen es für sich oder in anderen Gruppierungen. Wer davon überzeugt ist, dass wir alle miteinander auf vielen Wegen verbunden sind, der kann auf diese Weise täglich dazu beitragen, dass sich das „Netzwerk des guten Willens“ verstärkt. Auch wenn es ein Ideal ist, es stimmt, es braucht nur genügend Menschen, denn „Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“.



Die Autorin Renate Anraths arbeitet auf der Grundlage der Sieben Strahlen als Autorin, Tarotberaterin und Astrologin in München.
Buchtipp: Renate Anraths: Tarot – dem Leben in die Karten schauen, Simon+ Leutner Verlag


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