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Ausgabe Dezember 2012
Die spirituelle Macht der Frau. Von Christina Gehse


Spirituelle Macht umfasst eine Vielfalt von Fähigkeiten. Sie bedeutet im positiven Sinn, das eigene schöpferische Potenzial zu entfalten, sich der eigenen geistigen Stärke bewusst zu sein und sie einzusetzen, um das Leben auf dieser Erde mitzugestalten. Sie entsteht aus der Verbindung zum eigenen Wesenskern und dem Bewusstsein, dass es eine göttliche Dimension gibt, von der wir Teil sind.

Spirituelle Macht liegt in der Kraft, Vorstellungen und Bilder von der göttlichen Urkraft zu erschaffen, um sie hier auf der Erde sichtbar und erfahrbar zu machen.

Vorstellungen, die auf eigenen Erfahrungen beruhen, die im Kontakt mit dem Göttlichen entstanden sind und die möglicherweise anderen die Türen zu diesen Erfahrungen öffnen können. Spirituelle Macht bedeutet, Entscheidungen zu treffen, auf welche Bilder des Göttlichen wir uns beziehen wollen. Das können zum Beispiel kraftvolle Bilder und Vorstellungen sein, die unsere Ahninnen erschaffen haben und von denen wir spüren, dass sie eine Resonanz in uns haben.
Zum Bewusstsein der eigenen Macht zurückzufinden und vor allem zu der Lust, sie einzusetzen, bedeutet, sich auf den Weg zu begeben, das ganze eigene Potenzial kennenzulernen, zu entfalten und mit (einer bestimmten) Absicht für sich selbst und andere einzusetzen; denn Macht bedeutet auch, Veränderung bewirken zu können.
In der heutigen Gesellschaft sind wir es gewohnt, spirituelle Macht an die Vertreter einer Religion, einer Kirche, abzugeben, an eine Priesterschaft, die den Kontakt zum Göttlichen herstellt und die dazu da ist, Fragen nach dem Sinn des Lebens zu beantworten. Wenn wir uns selbst jedoch als spirituelle Wesen begreifen, als Teil des Göttlichen, sind wir es, die dem Geschehen Sinn geben – auch dadurch holen wir uns unsere spirituelle Macht und Freiheit zurück.
Auch die Entfaltung unserer geistigen Macht hat sehr viel damit zu tun, wie bewusst wir uns unserer schöpferischen Kräfte sind. Was immer wir denken und fühlen, hat eine Wirkung: nach innen auf uns selbst und nach außen auf andere, auf die Welt. Diese Wirkung können wir bewusst verstärken. Dafür ist es wichtig zu verstehen, was wirkt und wie es wirkt.

Es ist wichtig, dass wir ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass unsere inneren Vorstellungen, Überzeugungen, Gedanken und Gefühle einen Einfluss auf das Leben auf dieser Erde haben, nicht nur in unserem persönlichen Umfeld.

Auf dem Wege der Entwicklung der Eigenmacht gibt es einige Stationen, die zurückzulegen sind, und es gibt helfende Kräfte und Wesen. Zu diesen Stationen gehören die Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit und das Wissen, welche Bedürfnisse und Wünsche uns bewegen, welche Ziele und Sehnsüchte uns antreiben. Wir müssen darüber hinaus wissen, wie wir einen Zugang zu unserer geistigen Kraft finden und wie wir sie stärken und lenken können. Letztlich führt der Weg zum eigenen Wesenskern, der die Quelle der spirituellen Kraft ist.
Zur Entwicklung spiritueller Macht gehört zudem das Wissen, welche Kräfte und Wesen in unserem Kosmos wirken und wie wir uns mit ihnen verbinden können. Wir können Macht aus der Verbindung zu unseren spirituellen Wurzeln, dem Wissen unserer Ahninnen und aus unserer persönlichen und kollektiven Geschichte beziehen. Wir können unsere Kräfte miteinander verbinden und auf diese Weise potenzieren. Wir können die Verbindung zu anderen Wesen auf dieser Erde suchen, zu Pflanzen, Steinen, Tieren, Kraftorten, und aus dieser Verbundenheit heraus wirken. Das Wissen darum, wie unsere Kräfte miteinander wirken, gehört ebenso dazu, wie das Wissen, wie wir den Kontakt zu anderen schöpferischen Kräften, etwa denen der vier Elemente, herstellen können. Wenn Macht mit der Freude verbunden wird, die aus diesem Kontakt entsteht, nähern wir uns der göttlichen schöpferischen Urkraft, von der alle Lebewesen Teil sind, die in jeder von uns lebt, und geben ihr so die Möglichkeit, durch uns zu wirken.

Für die weiblich-spirituellen Wege ist das Bewusstsein der Verbundenheit wesentlich Verbundenheit mit der göttlichen Kraft, mit der Schöpfung und allen ihren Wesen auf der Erde wie im Kosmos. Zu dem Prinzip der Verbundenheit kommt die Vorstellung von Ganzheit, das heißt, das Göttliche umfasst Licht und Dunkel, Energie und Materie, weiblich und männlich, es ist beides und mehr als das. Ganzheit bedeutet auch, das Prinzip der Polarisierung, das patriarchalen Religionen eigen ist, zu überwinden. Auch Tod und Zerstörung gehören zu den Kräften der Göttin. Licht und Dunkel sind keine sich gegenüberstehende Kräfte, sondern beide sind Ausdruck einer Kraft, die sich in gewissen Rhythmen unterschiedlich gestaltet. Dazu gehört die Vorstellung der zyklischen Natur der Schöpfung. Das bedeutet, dass Entwicklung nicht linear von A nach B geschieht, sondern in Kreisen und Spiralen, dass Prozesse sich wiederholen und die Entwicklung dabei auf einer anderen Ebene geschieht.
Ein weiteres Prinzip weiblicher Spiritualität ist, dass alle Wesen Teil der Göttin sind. Daher haben alle einen direkten Zugang zu ihr. Das bedeutet, dass es keine Religion oder Priester braucht, um zum Göttlichen zu finden, sondern dass jede ihren Weg dahin selbst für sich finden kann. Die Göttin ist in allem wahrnehmbar, was existiert, wir finden sie in uns selbst wie auch außerhalb unserer Selbst. Anders ausgedrückt: Alles ist beseelt. Wir haben also ein immanentes wie auch transzendentes Verständnis des Göttlichen. Damit unterscheiden sich die Wege weiblicher Spiritualität von den patriarchal geprägten Religionssystemen, die in der Regel Tod und Zerstörung vom Göttlichen abspalten und alles Feststoffliche, Materie und Körper abwerten.
Eine große Schwierigkeit auf dem spirituellen Weg liegt oft darin, die Erfahrungen des Göttlichen, die wir in Meditationen oder Trancen machen, in Sprache zu fassen und zu vermitteln. Manche erleben die göttliche Urkraft auf eine Weise, die ihnen die Vorstellung einer Urgöttin als zu begrenzt erscheinen lässt. Tatsächlich reicht unsere Sprache auch nicht aus, um die göttliche Urkraft zu beschreiben, und auch unsere bildlichen Vorstellungen sind begrenzt. Wie können wir eine Wesenheit beschreiben, die unendlich ist? Wenn wir ihre Kraft direkt erfahren, liegt dieses Erleben oft in einem Bereich jenseits von Sprache und Bildern.
Was wir allerdings beschreiben können, ist der vielfältige Ausdruck und das Wirken der göttlichen Urkraft, so wie es die Schöpfungsmythen, Legenden und Sagen seit alters her versuchen. Dafür haben wir unendlich viele Bilder zur Verfügung, da Unendlichkeit und Vielfalt Teile ihres Wesens sind. Wichtig dabei ist, dass wir uns bewusst machen, welche Wirkung die Bilder und Worte haben, die wir für sie wählen: Ob sie Verbundenheit und Freude zum Ausdruck bringen, ob sie uns als Frauen schwächen oder stärken, ob sie ausgrenzen oder öffnen.
Es ist ohne Frage Zeit für neue spirituelle Bilder, die Frauen stärken und frei machen. Um sie zu finden, können wir an die machtvollen Bilder spiritueller weiblicher Kraft anknüpfen, die die alten Kulturen geschaffen haben und die noch im Gedächtnis der Menschheit ruhen.


Die Autorin Christina Gehse ist Diplom-Pädagogin und Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Psychotherapie, arbeitet als Therapeutin und spirituelle Lehrerin in eigener Praxis in Hamburg. Sie wurde in der magischen Arbeit des „Pfad des Nordens“ ausgebildet und leitet seit mehr als 25 Jahren spirituelle Frauengruppen. Darüber hinaus bietet sie regelmäßig Frauenreisen zu Orten der Kraft nach Irland und in ihre Heimat Angeln an.
Buchtipp: Christina Gehse, Die spirituelle Macht der Frau, Irdana Verlag 2012


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