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Ausgabe November 2012
KGS Traumkolumne von Klausbernd Vollmar - Reinkarnation


Viele haben schon davon geträumt, dass sie sich an fremden Orten bestens auskennen und sich zu Hause fühlen. Der Denkfaule benutzt in diesem Fall das Erklärungsmodell der Reinkarnation, kurzum, er behauptet, der Träumende erinnere sich im Traum an Erlebnisse aus seinem vorigen Leben.
Gibt es nun die Wiedergeburt oder nicht? Es ist klar, dass es sie gibt, aber die wesentlichere Frage ist „wo gibt es sie?“ Gibt es sie real im Außen oder als Produkt unserer Vorstellung im Inneren? Ich finde die Vorstellung beruhigend, dass dieses unser Leben einmalig ist und mit dem Tod ist Schluss mit mir. Dennoch bin ich umgeben, von Menschen die an die Reinkarnation fest glauben und manche lassen sich in schwachen Momenten dazu hinreißen, geradezu missionarisch für diese Idee einzutreten. Es ist, so meine ich, die Angst vor dem Tod, gegen die die Wiedergeburts-idee als Heilmittel eingesetzt wird.
In dem oben angesprochenen Traumschema richtet sich der Träumende an einem Ort so ein wie zu Hause, das bedeutet doch nichts anderes, als dass er sich eine Welt vor oder nach seinem Leben so einrichtet, wie er es gewohnt ist. Welch eine Wohltat für den Gewohnheitsmenschen! Diese Projektion wirkt wie eine angenehme Wiederkehr des Gleichen oder anders ausgedrückt, sie spricht von Unsterblichkeit. Und da sind wir beim Kern solcher Wach- und Schlaf-Träume angelangt: dem Narzissmus. Unsterblichkeit ist das Ideal des Narzissten, der sich so wichtig für die Welt erachtet, dass er unsere Erde mit ständiger Wiederkehr nervt. In der Massengesellschaft, die einem täglich verdeutlicht, wie unwesentlich man ist, ist der Traum von der Reinkarnation ein Kampfmittel des Individuums gegen seine Marginalisierung und deswegen weit verbreitet.
Natürlich zeigt der Traum von der mühelosen Orientierung in einer fremden Stadt auch die Sehnsucht nach Ordnung. Alles, auch das Fremde, sollte so geordnet sein, dass man sich sogleich zurechtfindet. So träumt nur derjenige, der sich von der Gegenwart überfordert fühlt.

Klausbernd Vollmar (web: www.kbvollmar.de) leitet regelmäßig Traumgruppen in Berlin. Info: C. Ackermann, 03364/415826 oder 0172/3162491 oder praxis@ener-chi-med.de


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