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Ausgabe November 2012
Dimensionen der Wahrnehmung, Dr. Katja Held


„Es ist absolut möglich, dass jenseits der Wahrnehmung unserer Sinne ungeahnte Welten verborgen sind“, so spekulierte einst Albert Einsteins.
Für viele Menschen ist es jedoch kaum vorstellbar, dass es neben den ihnen bekannten Dimensionen noch weitere für uns nicht wahrnehmbare Dimensionen existieren könnten, welche so real sind wie die Objekte, die sie umgeben. So gilt es einerseits als eine gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis, dass die menschliche Selbst- und Umweltwahrnehmung zu großen Teilen selbsttrügerisch ist und uns nur das Ergebnis unserer unterbewussten konditionierenden Programme widerspiegelt. Wir sehen quasi, was wir sehen wollen auf der Basis dessen, was wir einst erlebt und in unserem Gehirn abgespeichert haben. Anderseits ist es auch eine Tatsache, dass viele Menschen, auch Wissenschaftler, Grenzerfahrungen der Wahrnehmung erleben, die maßgeblich ihr Leben veränderten wie z.B. bei den sogenannten Nah-Tod-Erfahrungen, im Vorrausahnen von Wirklichkeiten oder in der subjektiven Kommunikation mit anderen Welten oder „Wesen“.

Ich selbst sehe mich als Neurowissenschafterin und Psychiaterin einerseits und anderseits als jemand, der mit einer erweiterten Wahrnehmung schon geboren wurde und einige Blicke hinter den Vorhang unserer alltäglichen Realität werfen durfte - als ein Wanderer zwischen den Welten.

Die schönste Beschreibung dieser anderen Dimensionen, die ich für mich finden konnte und die meine eigene Erfahrung am meisten widerspiegelt, kommt von dem buddhistischen, europäischen Meister Han Shan, der einst als Geschäftmann in Thailand anfing zu meditieren. Nachdem er damals Stunden meditiert hatte, kam er in Kontakt mit sogenannten anderen Existenzen. Er konnte plötzlich „mit unsichtbaren Wesenheiten unterschiedlicher Dimensionen und Reinheitsgraden kommunizieren“ und spürte, „dass da tatsächlich etwas existierte, das wir im normalen Alltag nur sehr schwer wahrnehmen können“. So beschreibt er im Buch „Die wahren Visionäre unserer Zeit“: „Es gibt Leben in anderen Energiebereichen. Die einen sagen Engel dazu, ich nenne es energetische Existenzen“. Seine Zweifel verschwinden, er hält sich mit dieser Erfahrung nicht auf und setzt seine Meditationsbemühungen unbeirrt fort, um als Ziel immer mehr inneren Frieden zu erlangen.
Doch was machen die Menschen, wenn sie sich zu Wahrsagern, Hellsehern, Auralesern etc. begeben oder selbst in realem oder konstruiertem Kontakt mit solchen Wesenheiten kommen? Sie verheddern sich, sie begeben sich in Abhängigkeit zu einer belehrenden Autorität, ohne in der Lage zu sein, den Reinheitsgrad der Informationen selbst wahrzunehmen, den Wahrheitsgehalt selbst prüfen zu können oder wie man auch sagte „ohne die Geister unterscheiden zu können“. Sie sind meist nicht in der Lage, sich der Anziehung solcher Phänomene zu entziehen, sich selbstkritisch zu hinterfragen. Sie vertrauen quasi den Phänomenen den Lauf ihres Lebens an. Froh, nicht selbst die Verantwortung zu tragen, geben sie leider unreflektiert jegliche eigene Autorität ab. Sie sehen diese Phänomen nicht als eine Erfahrung auf dem Selbstentwicklungsweg, sondern definieren sie als Ziel. Zu allen Zeiten wiesen die traditionellen spirituellen Weisheitssysteme auf diese Gefahr hin.
Selbst der 1925 damals schon bekannte, geistliche Lehrer Jiddu Krishnamurti musste die schmerzhafte Erfahrung machen, dass sein geliebter Bruder an einer schwere Krankheit verstarb, obwohl die ihn begleitenden „Energiewesen“ ihm versicherten, dass sein Bruder überleben würde. Dass sie nicht Recht behielten, hat sein Vertrauen maßgeblich erschüttert und seinen weiteren Lebensweg in dem Sinne geprägt, dass er von da an jeglicher äußerer Autorität, als Weg zur Wahrheit, entsagte.
Ich habe eine Vielzahl von Menschen erlebt, die sich auf diesem Weg partiell verloren haben und die bis heute darauf warten, dass das, was man ihnen prophezeit hat, eintrifft oder die ihr Leben nur noch in Abstimmung von selbst ernannten medialen Menschen oder Gurus leben. Besonders in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit wächst die Versuchung, nicht in seinem eigenen Grund Sicherheit zu finden, sondern im Außen, sei es nun ein Engel, eine Energie oder ein anderer Mensch, der vermeintlich weiß, was richtig ist.
Auf dem heutigen Esoterikmarkt können sie in kurzer Zeit lernen, mit „Engeln zu reden“, die „Aura zu lesen“ oder ein „Kanal für Energien“ zu werden, doch niemand klärt die Menschen darüber auf, dass diese Art zu reisen ebenso wie eine Reise in unsere bekannten Realität nicht immer ohne Gefahren verläuft. Doch was sind diese anderen Welten überhaupt? Einbildung oder Realität?
Weder kann die Wissenschaft sie derzeit vollständig erklären noch verneinen. Der umstrittene Biochemiker und Zellbiologe Rupert Sheldrake kommt mit seinem Erklärungsansatz von morphogenetischen Bewusstseinsfeldern meiner Sicht am nächsten. Permanent werden wir von Feldern unterschiedlicher Reinheitsgrade überlagert und beeinflusst. Wie Schatten und Licht. Meiner erlebten Erfahrung nach: Je reiner das Feld, desto stärker ist die Verbindung zu dem, was wir im allgemeinen Gott oder Liebe nennen. In der höchsten Instanz, in der höchsten Reinheit liegt vielleicht die Freiheit und die Liebe selbst, der Urgrund des Seins. Das sichtbare und unsichtbare Universum kann vielleicht als eine unzählbare Abstufung von Bewusstseinfeldern gesehen werden, die nach dem Prinzip agieren: je dichter, je weniger Licht, desto weniger Bewusstsein und umgekehrt.

Um bewusster zu werden sollten wir also darauf achten, welche Felder uns umgeben und wie viel Einfluss wir ihnen schenken wollen.

Wenn wir still werden, können wir diese Felder um uns herum vielleicht wahrnehmen, so wie wir eine Stimmung in einem Raum wahrnehmen, wenn wir sensibel sind. Vielleicht sind wir auch in der Lage, mit diesen Feldern bewusst zu kommunizieren und wir erhalten Informationen. Wir sollten aber auch nie vergessen, wie leicht manipulierbar wir sind, sei es von unserem eigenen Gehirn, das uns die gewünschte Realität vorspielt, oder sei es von einem sogenannten Bewusstseinsfeld.
Auf dem Weg der persönlichen Entwicklung geht es primär um das Zurückgewinnen der eignen Autorität, die Auflösung von Abhängigkeiten, seien sie auch im feinstofflichen Bereich. Wir sollten immer selbstkritisch mit uns und unserer Wahrnehmung sein. Denn wenn immer wir persönlich involviert sind, d.h. wenn wir etwas wollen oder ablehnen, ist unsere Wahrnehmung durch unsere abgespeicherten Erfahrungen schon getrübt. Unsere Neigung, unsere Wahrnehmungen - unabhängig davon, ob real oder konstruiert - zu interpretieren und diese Interpretationen für die Wahrheit zu halten, ist ein Aspekt, den wir im Augen behalten sollten. Lernen wir jedoch, uns selbst zu vertrauen und die Weisheit in uns und im Höchsten wiederzufinden und den Phänomen auf dem Weg unbewegt gegenüberzustehen, werden sich Türen öffnen, die viel bereichender sind als der Kontakt zu den sogenannten anderen Welten. Wir selbst sind gleichzeitig die Begrenzung, die Herausforderung und die Erweiterung unserer Wahrnehmung, unabhängig davon, ob wir uns auf die sogenannte Realität oder die anderen Dimensionen beziehen.
Als Wegweiser kann vielleicht gelten: Werden wir auf unserem Weg liebevoller, mitfühlender und freier von begrenzenden Gedanken und Gefühlsstrukturen, haben wir einen persönlich guten Weg eingeschlagen.


Die Autorin Dr. Katja Held ist Ärztin, Psychiaterin, Coach, langjährige Neurowissenschaftlerin, Autorin internationaler Publikationen am Max Planck Institut Sie hat sich dem Thema Bewusstseinentwicklung mit dem Fokus einer spirituellen Persönlichkeitsentwicklung verschrieben und hat den Trend geprägt, Spiritualität mit moderner Wissenschaft zu verbinden. www.drkatjaheld.de


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