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Ausgabe Oktober 2012
KGS Traumkolumne von Klausbernd Vollmar - Verbundenheit

Träumerin: „Ich sehe die gesamte Welt von oben wie in einem großen Netz hängen.“

Dieser Ausschnitt aus einem surrealen Traum weist eines der klassischen Symbole der Verbundenheit auf, nämlich das Netz. In jeglichem Netz sind viele Verknüpfungspunkte miteinander verbunden. Bei Netzen geht es zudem um das Fangen oder das Erfassen von etwas. So verweisen Netze unter anderem auf eine systematische Vernetzung von Informationen und damit wird heutzutage im Sinne des Internets immer auch die Vernetzung auf der Ebene der Kommunikation angesprochen. Auf diese Weise möchte der Traum vom Netz die Träumerin inspirieren, ihre Wahrnehmungen und ihr Denken besser zu verknüpfen, was eine Voraussetzung für eine gute Erinnerung und eine erfolgreiche Lebensführung ist.
Auf der anderen Seite wird in unserer Kultur das Netz mit dem Tier- und besonders dem Fischfang assoziiert. Schon in der Bibel wird von wunderbaren Fischzügen berichtet (Lukas 5.1-11), eine Symbolik, die in 1001-Nacht und im Volksmärchen weitergesponnen wird. Da die Träumerin das Netz von außen sieht, steht in diesem Fall die Bedeutung des Gefangenseins nur im Hintergrund. Die Träumerin sieht sich eher in der Rolle der Fischerin, deren Erfolg davon abhängt, wie gut das Netz geknüpft ist. Dass sie gleich die ganze Welt gefangen hat, ist eine der üblichen Übertreibungen des Unbewussten, hinter der wohl der Wunsch steht, „die Welt“ in den Griff zu bekommen, das bedeutet, die Welt der Träumerin droht auseinanderzufallen und braucht dieses Netz, das sie zusammenhält.
Dieser Traum wurde von einer schizophrenen Klientin geträumt, die ihre unterschiedlichen Seinsweisen nicht verbunden bekam. Aber „Irren ist menschlich“: Psychotiker verdeutlichen nur, worunter „der Normale“ auch häufig leidet, nämlich eine fehlende Integration von Wissen, Wahrnehmungen und Erfahrungen. Der Esoteriker käme spätestens hier mit der Platitude, dass alles mit allem verbunden sei, eine Banalität, für die das Netz eine treffende Metapher darstellt.

Klausbernd Vollmar (web: www.kbvollmar.de) leitet regelmäßig Traumgruppen in Berlin. Info: C. Ackermann, 03364/415826 oder 0172/3162491 oder praxis@ener-chi-med.de


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