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Ausgabe Oktober 2012
Mein Sohn Yuzo. Yukei Ishida übermittelt den Bericht einer Mutter


Warum dieser ewige Kampf mit meinem Sohn Yuzo? Wie oft stand ich ratlos in der Buchhandlung und suchte nach Erziehungsratgebern. Die Probleme begannen, als der Junge in die fünfte Klasse kam. Jedes Mal, wenn ich ihn auf einen Fehler aufmerksam machte, den er zum Beispiel beim Lösen der Mathematikaufgaben machte, giftete er mich an: „Lass mich in Ruhe!“
Aus Angst, dass er in der Schule zurückfallen könnte, blieb ich hartnäckig: „Yuzo, sei doch nicht so widerwillig. Du hast da einen Fehler gemacht.“
Er weigerte sich störrisch, etwas zu korrigieren. Je mehr ich sagte, um so unwilliger wurde er. Am Ende schrie er: „Ich will dieses ganze Zeug überhaupt nicht mehr machen!“ Er schleuderte den Stift in die Ecke und schaltete seinen Computer an, um in die Welt der Videospiele abzutauchen. „Ich habe dir doch gesagt: Keine Videospiele, bevor du nicht deine Hausaufgaben erledigt hast.“ Seine Reaktion: „Hau ab!“
In mir stieg jedes Mal Wut auf. Und Ungeduld! Was könnte der Junge für Fortschritte machen, wenn er nur einmal auf seine Mutter hören würde. Überhaupt war ich mit ihm unzufrieden. Sein Zimmer sah immer wie ein Saustall aus. Morgens ließ er Schulsachen zu Hause liegen. Wie oft rief ich ihm nach: „Du hast etwas vergessen!“ Ich kann nicht anders. Als Mutter fühle ich mich für ihn verantwortlich.
Mit unserem zweiten Sohn, der ein Jahr jünger ist, und unserem dritten Sohn, der damals noch den Kindergarten besuchte, hatte ich keine Probleme. Nur Yuzo leistete ständig Widerstand. Auf der Suche nach Antworten las ich zahllose Erziehungsratgeber. Vergebens!
Mich belastete das sehr. Drei Kinder groß zu ziehen, zehrt ohnehin an den Nerven. Kochen, putzen, waschen, einkaufen, den Kleinen zum Kindergarten bringen und wieder abholen, den Großen bei den Hausaufgaben helfen, ihnen vorlesen. Wenn sie dann abends endlich soweit waren, dass sie ins Bett gehen konnten, kam mein Mann nach Hause.
„Papa, Papa“, riefen die Kinder dann und umarmten ihm stürmisch. Sie bettelten: „Können wir noch ein bisschen zusammen spielen.“ - „Klar“, sagte ihr Vater und grinste breit. So ging das jedes Mal. Auf Disziplin und frühe Bettruhe legte mein Mann keinen Wert. Er spielte mit den Kindern bis spät in den Abend hinein. Wenn Yuzo böse Wörter gebrauchte, die ich ihm schon 1000 Mal verboten hatte, lachte mein Mann nur.
„Und ich bin dann diejenige, die morgen die übermüdeten Kinder wecken muss“, grummelte ich, während ich hörte, wie viel Spaß sie gerade im Zimmer nebenan miteinander hatten. In solchen Augenblicken fühlte ich mich schrecklich allein.
Als Yuzo in die siebte Klasse kam, schloss er sich einer Baseball-Mannschaft an. Nun war er, wenn er nicht fern sah oder seine Zeit mit Videospielen verbrachte, auf dem Sportplatz. Ich machte mir mittlerweile ernsthaft Sorgen über seine Zukunft. Die Wende kam, als mir eines Tages eine Freundin das Buch „Wie man glücklich wird“ von Ryuho Okawa auslieh. Je mehr ich las, um so mehr Antworten fand ich auf die Fragen. Meister Okawa, wie ihn seine Anhänger nennen, schreibt: „Ihr Kind ist eine voll entwickelte Seele. Sie ist deshalb in ihrer Familie zur Welt gekommen, weil sie eine spirituelle Verbindung mit ihnen hat. Ich möchte, dass Sie verstehen, dass jedes Kind mit seinem eigenen Lebensplan auf die Welt kommt.“ Und: „Kinder mögen wie ihre Eltern aussehen, aber ihre Seelen sind anders. Deshalb dürfen Eltern ihr Kind niemals als ihr Eigentum betrachten.“
Das machte mich neugierig. Von nun an besuchte ich regelmäßig Vortragsveranstaltungen der Organisation Happy Science, die Meister Okawa 1986 in Japan gegründet hat. Ich begann, über mein eigenes Verhalten nachzudenken. Immer wenn Yuzo rebellisch reagierte, rief ich mir die Worte in Erinnerung, die ich zuletzt gesagt hatte. Hatte ich ihn irgendwie verletzt?
Eindrucksvoll war mein erster Besuch im Tempel von Happy Science. Die Atmosphäre, die im Gebetsraum herrschte, berührte mich. Frieden stieg in mir auf, als ich dort mit den anderen meditierte. Ich hatte die Augen geschlossen und spürte, wie Wärme und Licht mich einhüllten. Erinnerungen an die Zeit, als Yuzo geboren wurde und aufwuchs, stiegen in mir auf. Plötzlich sah ich vor meinem inneren Auge einen kräftigen Mann, den eine reine Aura umgab. Er sagte zu mir: „Ich beschütze Yuzo, der eine großartige Persönlichkeit ist.“
Das muss Yuzos Schutzengel sein, schoss es mir durch den Kopf. Tränen flossen meine Wangen herab. Mit einem Mal wusste ich, dass Yuzo tatsächlich eine in vielen Leben gereifte Seele voller Weisheit ist. Und ich bin mit ihr seit vielen Erdenleben verbunden. Diesmal sind wir als Mutter und Sohn auf die Welt gekommen. Yuzo war kein „Problemkind“. Er folgte seinem eigenen Lebensplan. In diesen Minuten verwandelte sich etwas in mir.
Nach der Meditation sagte der Leiter zu uns: „Die Fehler einer Person sind in Wirklichkeit die andere Seite ihrer Stärken.“ Wie richtig! In meinem Eifer, Yuzo zu erziehen, hatte ich in all den Jahren immer nur seine Fehler wahr genommen. Der Junge fühlte sich deshalb bei seinem Vater so wohl, weil dieser seine Stärken anerkannte. Ich schwor mir, nun meinen Blick ganz auf das zu richten, was mein Sohn gut macht. Darin will ich ihn fördern.
Meine Beziehung zu Yuzo hat sich seit diesem Tag völlig verändert. Wenn ich sehe, mit welcher Leidenschaft er seinen Baseball-Schläger schwingt, freue ich mich, wie hart er trainiert. Wenn ich die Unordnung in seinem Zimmer sehe, denke ich an seine Großzügigkeit und seinen großen Freundeskreis. Es freut mich sehr, wenn er mir hilft, ohne dass ich ihn bitten muss.
Das Aufregendste aber ist, dass sich Yuzo mir gegenüber seither nicht mehr rebellisch verhält. Es ist wie Meister Okawa sagt: „Eltern und Kinder spiegeln einander.“ Yuzo Rebellion hatte damit zu tun, dass ich ihn als mein Eigentum betrachtete. Heute bin ich ihm dafür dankbar, dass er mir die Erfahrung schenkt, ein Kind aufzuziehen.
Die Leidenschaft für Baseball begleitete Yuzo die ganze Schulzeit hindurch. Er hat auf dem Sportplatz große Erfolge errungen. Das ging auf Kosten des Lernens. So war es für mich keine Überraschung, dass der Junge die Aufnahmeprüfung an der Universität nicht schaffte.
Doch was danach passierte, hat mich völlig verblüfft. Plötzlich hatte ihn der Ehrgeiz gepackt. Das ganze kommende Jahr bereitete er sich mit einer Hingabe auf die Wiederholung der Prüfung vor, die er bisher nur im Sport gezeigt hatte. Da merkte ich auf einmal die Hand der Schutzengels. Zudem verschlang Yuzo Bücher von Happy Science. Er sagte auf einmal Sachen zu mir wie: „Es tut mir leid, dass ich so ein rebellischer Junge gewesen bin.“ Oder: „Ich bin dankbar für all die vielen Dinge, die du für mich getan hast.“
Diese Veränderung miterleben zu dürfen, erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit. Yuzo schaffte die Aufnahmeprüfung im zweiten Anlauf. Das Studium hat er mit anständigen Noten abgeschlossen und gleich eine gut bezahlte Arbeit gefunden. Alle meine Sorgen haben sich im nach hinein als unbegründet erwiesen.


Yukei Ishida (37), Spiritueller Lebensberater der japanischen Glaubensgemeinschaft Happy Science, hat in Tokio und Halle/Saale Rechtswissenschaften studiert.
Seit 2009 vertritt er Happy Science in Deutschland. www.happy-science.eu


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