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Ausgabe Oktober 2012
Die verbindende und befreiende Kraft der Musik. Über die tibetische Sängerin Soname Yangchen

Ein Portrait der tibetischen Sängerin Soname Yangchen anlässlich ihres neuen Albums und Konzerts in Berlin.

Die tibetische Sängerin, Songwriterin und Buchautorin Soname Yangchen wurdet mit ihrer Musik als die „Stimme Tibets“ bekannt. Sie sang mit ihrer Band für den Dalai Lama und füllt renommierte Konzertsäle und ist Autorin des Buches „Wolkenkind“, das ihre Flucht aus China und ihre Suche nach Freiheit beschreibt.
Als Kind aus adligem Elternhaus kam Soname in Yarlung, tief im Inneren Tibets, zur Welt. Bedingt durch die chinesische Besetzung ihrer Heimatstadt Lhasa wurde sie von ihren Eltern getrennt. Aus Not gab man Soname, damit sie wenigstens zu Essen hatte, im zarten Alter von sechs Jahren in gutem Glauben in eine Familie nach Lhasa. Diese versprach Unterhalt und Schulbildung, hielt das Mädchen indes jedoch als Haushaltssklavin. Soname begann verzweifelt von eine Flucht über die Berge nach Indien zu träumen. Als diese zehn Jahre später nach mehreren Versuchen endlich gelang, hörten die erlebten Grausamkeiten jedoch nicht auf: Hunger, Vergewaltigung, unfreiwillige Schwangerschaft, wieder Hunger… – nichts wurde besser. Das Leben schien für Soname, gleich den Kindern in „Slumdog Millionaire“, nur die schlimmsten Erfahrungen und Grausamkeiten bereitzuhalten.
Endlich, in Delhi, erschien Licht am Ende des Tunnels. Soname, die langsam mit der Denk- und Lebensweise „des Westens“ Erfahrungen sammelte, knüpfte Kontakte. Über einen befreundeten Franzosen gelang ihr der Sprung nach Europa, schließlich nach England, wo sie Arbeit als Pflegekraft in einem Altersheim fand
Die Musik war für Soname seit früher Jugend so etwas wie ein innerer Fluchtweg aus ihrem traurigen Dasein. Schon als Kind war sie ein echter “Windfang“ und von starkem Charakter, der sich in der Musik und im Rollenspiel versuchte. Sie sog all die reichen Volkslieder ihrer tibetischen Heimat in sich auf, liebte es bei Familienfesten Theaterrollen zur allgemeinen Erheiterung nachzuspielen. Sie konnte schon als Zehnjährige ihr Publikum mit Liebesliedern zu Tränen rühren. Auch später im Exil wurde sie immer wieder auf Festen gebeten zu singen. So kam es, dass Soname 1998 bei einer Hochzeit von einem Ex-Mitglied der Sex Pistols entdeckt wurde, als sie dem Brautpaar spontan ein „Ständchen“ sang. Anfänglich veranstaltete sie ihre eigenen Konzerte mit dem Geld, dass sie tagsüber als Putzfrau verdiente. Dann tourte sie mit der Band von Björk und hatte Auftritte in Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Auch ihr Debütalbum, Unforgettable Land, finanzierte sie noch aus eigener Tasche.
2003 feierte Soname ihr Konzertdebut im ausverkauften “Royal Opera House“ in London. Ein Jahr später wurde ihr die Ehre zuteil, für den Dalai Lama in der ”Usher Hall” in Edinburgh singen zu dürfen. Dann eroberte Soname das Vereinigte Königreich im Sturm. Weitere Konzerte führten sie 2008 zum ”Woodford Folk Festival“ nach Australien, nach Venezuela und auch immer wieder zurück nach Europa.
Sonames Gesang trägt die alte Kultur Tibets in die moderne Welt. Ihre Lieder harmonisieren das Alte mit dem Neuen, die östliche mit der westlichen Musiktradition. Sie setzt die Pentatonik und freie schamanische Rhythmik der Tibeter in den Kontext westlicher wohltemperierter Stimmung von Klassik, Pop, Jazz und Neuer Musik. Mit ihren temperamentvollen, frei fließenden Texten und reinen Klängen singt Soname das Gefühl ihrer verloren gegangenen Heimat heraus, deren Kultur und Spiritualität von der chinesischen Besatzung existenziell bedroht ist. Dieses reiche bis heute noch lebendige Kulturerbe droht der Menschheit für immer verloren zu gehen. Auch deshalb gilt neben ihrer Gesangskarriere ihr Einsatz dem Freiheitskampf der Tibeter.
Heute lebt die als „kulturelle Botschafterin“ und „Stimme Tibets“ international anerkannte Künstlerin in London, tritt regelmäßig in großen Konzerthäusern auf und spielt mit Musikern aus der ganzen Welt.
Jedes ihrer Konzerte ist ein beeindruckender Lobgesang auf ihre Heimat und ein Erlebnis voller Tiefe und Schönheit. Ihre Stimme, die in jedem Register voll und warm zu klingen vermag, steht in ihren Konzerten im Mittelpunkt, getragen und umspielt von fein abgestimmten Saiteninstrumenten und den sanften Rhythmen der Tabla. Ihre Lieder entstehen aus der ganzen musikalischen Vielfalt tibetischer Tradition. Sie singt von der Schönheit der Tiere und Pflanzen, von reißenden Flüssen, von den gewaltigen Bergen, von ihrer Liebe zu Tibet, von ihren spirituellen Erfahrungen und der Einsamkeit als Exilantin. Sonames Performance entführt in die Schönheit der tibetischen Landschaft und bezaubert den Zuhörer in jedem Winkel seiner Seele.
Soname Yangchen wird bei ihrer kommenden Tour von den international bekannten Musikern Charlson Ximenes (Brasilien) an der Gitarre, Ravi Srinivasan (Indien) an den Tablas und dem Weltklasse Cellisten Sonny Thet (Kambotscha) begleitet.

„Wir alle haben denselben Traum vom Weltfrieden, von Freiheit und Menschlichkeit in dieser einen immer globaler werdenden materiellen Welt. Um einander zu verstehen und unterstützen zu können leben wir ebenso in einer geistigen Welt zusammen. Egal ob wir an Buddha, Jesus, Allah oder Jehova glauben. Als Künstlerin bin ich dieser einen spirituellen Welt und den Menschen verpflichtet, die aus ihrem persönlichen Glauben Erfahrungen gewinnen und daraus ihre Werke schaffen.“ - Soname Yangchen

Hörtipp: Soname Yangchen: Natural Mind, Enja Records


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