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Ausgabe Juni 2012
Glaube nicht alles, was du denkst; von Byron Katie

In ihrem neuen Buch „Ich brauche deine Liebe - stimmt das?“ wendet die bekannte Autorin Byron Katie ihre vier einfachen Fragen auf den Bereich der Partnerschaft an.

Es sind unsere Gedanken, die uns davon abhalten, in Frieden und Liebe zu leben. „Wir leiden nur dann, wenn wir einen Gedanken glauben, der mit der Wirklichkeit im Widerspruch ist. Wenn unser Geist klar ist, dann ist das, was ist, das, was wir wollen. Wenn du möchtest, dass die Wirklichkeit anders ist, als sie ist, kannst du genauso gut versuchen, einer Katze das Bellen beizubringen. Du kannst es versuchen und versuchen und zum Schluss wird die Katze zu dir aufschauen und sagen „Miau“. Die Wirklichkeit anders haben zu wollen als sie ist, das ist hoffnungslos. Hören wir auf, uns der Wirklichkeit zu widersetzen, dann wird unser Handeln einfach, fließend, freundlich und angstlos.“

Liebe und Anerkennung finden, ohne danach zu suchen
Wer wären Sie ohne den Gedanken, dass Sie nach Anerkennung suchen müssen? Sie könnten ein Mensch sein, der einfach sein Leben lebt und anderen zugesteht, dass sie beliebige Eindrücke gewinnen - von Ihnen und jedem anderen. Das ist es, was die Leute sowieso tun. Und wenn Ihnen dieser Sprung zu groß erscheint oder wenn Sie denken, Sie hätten dann keinen Grund mehr, morgens aufzustehen, dann versuchen Sie es mit folgender Übung. Sie erlaubt Ihnen, einen kleinen Schritt in Ihrer Vorstellung zu unternehmen, der einen großen Unterschied in Ihrem Leben herbeiführen kann.

Gedankenexperiment: Eine Tasse Tee
Denken Sie an jemanden, den Sie beeindrucken wollen oder dessen Liebe Sie erringen wollen oder den Sie nicht verärgern wollen oder von dem Sie meinen, er habe Macht über Sie.
Stellen Sie sich vor, dass Sie mit dieser Person eine Tasse Tee trinken. Stellen Sie sich vor, dass Sie während dieser Zeit nicht den geringsten Versuch unternehmen, die Gedanken dieser Person zu beeinflussen. Stellen Sie sich vor, Sie wollten nichts weiter, als dieser Person ihre Gedanken, ihren Tee und ihre Erfahrung zu gönnen.
Versetzen Sie sich intensiv in sich selbst hinein. Wie fühlt es sich an, auf diese Weise mit dieser Person zusammen zu sein? Nehmen Sie genau wahr, wie es sich anfühlt, wenn Sie einfach Sie selbst sind. Was stellen Sie dabei im Hinblick auf die andere Person fest?
Hier die Geschichte einer Freundin, die das Tee-Experiment nutzte, um sich eine berufliche Beziehung genauer anzusehen:
Bevor ich mit einem neuen Artikel beginne, muss ich gewöhnlich nach New York fahren und der Redakteurin des Magazins, für das ich schreibe, meine Idee verkaufen. Ich habe mir vorgestellt, wie ich mit ihr eine Tasse Tee trinke.
Als Erstes ist mir aufgefallen, dass sich die Situation sehr friedlich anfühlte. Mir wurde klar, wie viel mehr ich über diese Person herausfinden konnte, die seit mehreren Jahren meine Redakteurin ist. Ich erkannte, dass ich sie gewöhnlich nur flüchtig aus den Augenwinkeln wahrnehme, weil meine ganze Aufmerksamkeit darauf gerichtet ist, einen neuen Auftrag zu bekommen - indem ich versuche, so brillant zu wirken, dass sie zu der Überzeugung gelangt, meine Idee sei Erfolg versprechend. Sogar, wenn ich das geschafft habe, verlasse ich sie völlig erschöpft und bin selbst gar nicht mehr so begeistert von meinem Projekt.
Ich habe entdeckt, dass es interessant wäre, mehr über sie herauszufinden, und dass ich gerne mehr Zeit mit ihr verbringen würde. Als ich mir ausmalte, wie ich ihr ohne den Versuch, ihre Gedanken zu beeinflussen, meine Geschichte vorstellen würde, wurde mir klar, dass ich diese Geschichte eigentlich mir selbst beschrieb, nur konnte ich sie in ihrer Gegenwart besser hören. Die Idee wuchs und veränderte sich, während ich sie vortrug: Sie gefiel mir jetzt besser, und ich überließ es meiner Redakteurin zu entscheiden, ob sie ihr ebenfalls gefiel. Ich war offen für ihre Vorschläge und erkannte, wenn wir beide auf diese Weise Tee miteinander trinken konnten, ohne dass ich versuchte, ihre Gedanken zu beeinflussen, dann würden gute Ideen vielleicht ganz von selbst aufkommen, und es könnte uns eine Menge Spaß machen, sie weiterzuentwickeln.
Ich habe mich gefragt, warum ich im wirklichen Leben nie eine Tasse Tee mit meiner Redakteurin trinke. Nach der Übung fiel mir ein, dass sie mich schon einmal in ihren Garten eingeladen hatte. Ich hatte abgelehnt, weil ich meine eigenen Motive fürchtete. Wenn ich ja sage, so hatte ich gedacht, würde ich vielleicht so tun, als sei ich an ihr und ihrem Garten interessiert, um weitere Aufträge zu bekommen. Weil ich mir darüber so viele Sorgen machte, wagte ich mich nicht einmal zu fragen, ob ich sie überhaupt mochte. Wie töricht!
Bei meinem Tee-Experiment erkannte ich, dass ich sie wirklich mochte und für ihre Einladung offen war. Wir haben zwar noch nicht miteinander Tee getrunken, aber jetzt gehen wir manchmal gemeinsam essen. Ich habe eine Freundin gefunden, und meine Artikel für das Magazin sind besser geworden.

Aus: Byron Katie, Michael Katz, Ich brauche deine Liebe - stimmt das?, mit freundlicher Erlaubnis des Verlags

Die Autorin Byron Katie ist 1942 in Südkalifornien geborene und aufgewachsen. Von Mitte der siebziger Jahre an litt sie unter schweren psychischen Problemen, von denen sie 1986 durch ein Erleuchtungserlebnis spontan befreit wurde. Daraus entwickelte sie „The Work“, ein System der Selbsterkenntnis, das seitdem unzähligen Menschen geholfen hat.

Buchtipp: Byron Katie, Michael Katz: Ich brauche deine Liebe - stimmt das? Liebe finden, ohne danach zu suchen,
Goldmann Verlag, 320 Seiten, € 9,99


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