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Ausgabe Juni 2012
KGS Traumkolumne von Klausbernd Vollmar - Was uns gut tut


Wenn wir wüssten, was uns gut tut und dies sogar noch befolgen würden, bräuchten wir keine Träume. Freud sah den Traum als eine Wunscherfüllung an und langläufig meint man ja, es täte einem gut, wenn man sich seine Wünsche erfüllt. Aber wie verhielt es sich denn mit König Midas, einer Person aus einem sagenhaften kollektiven Traum der Antike, dem von den Göttern gewährt wurde, dass alles, was er berühre zu Gold würde – was ihm offensichtlich ganz und gar nicht gut tat. Wie Midas wünschen sich viele Menschen, häufig verführt durch die Medien, das Falsche, etwas, dass ihren Untergang bedeuten würde, wenn sie nicht so gute Verbindungen nach oben wie Midas besitzen, dessen zum Fluch gewordene Wunscherfüllung von den Götter gnädig zurückgezogen wurde.

Eine Frau träumt, dass sie in einer weißen Märchenvilla am azurblauen Meer lebt. Es ist ihr Haus. Sie sitzt mit Drink auf der Terrasse am Pool, als sich plötzlich rumpelnd Risse bilden, die erschreckend sich vergrößern, Putz rieselt und dann bricht alles zusammen.

Der Traum vom Leben a la Hollywood-Film ist ausgeträumt, er war nicht passend für diese Träumerin, er tat ihr nicht gut. Traumdeutung ist im Grunde gar nicht so schwer, hätte diese Frau zum Beispiel geträumt, dass sie im Pool geschwommen wäre oder Freunde vorbeigekommen wären, also mit glücklichem Ausgang, dann wäre das Leben wie im Film genau das Richtige für sie. Es täte ihr sogar gut, denn sonst würde Traum zumindest zweideutige Anmerkungen machen.
Viele Träume sagen es uns ganz deutlich, was uns gut tut, wir müssen nur auf ihren Ausgang achten. Der Traum von der wie das Haus Usher (E.A. Poe) zusammenbrechenden Märchenvilla zeigt der Träumerin also ihre Illusion auf und zugleich die Gefahr ihres eigenen Untergangs, falls sie ihrer Illusion weiter nachläuft. Wie fast immer im Traum, verweist das Haus auf die Träumende und ihren Zustand.


Der Autor Klausbernd Vollmar (web: www.kbvollmar.de) leitet regelmäßig Traumgruppen in Berlin.


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