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Ausgabe Januar 2012
KGS Traumkolumne von Klausbernd Vollmar - Weltuntergang

Heute möchte ich den allseits beliebten Traum vom Weltuntergang betrachten. Er tritt sowohl als individueller Traum, den fast jeder schon gehabt hat, als auch als kollektiver Traum auf.

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Kollektiv konzentriert er sich zur Zeit auf den 21.12.2012, ein Datum von dem Nostradamus in Trance geträumt haben soll, dass die Erde sich durch kosmische Katastrophen reinigen wird. Andere führen den Maya-Kalender an, der zum gleichen Datum endet. Im Sinne Jungs ist dieser Traum vom Weltuntergang ein archetypischer Traum, der zu allen Zeiten und in allen Kulturen eine Rolle spielte.

Solch archetypischen Träume werden (wie alle Träume) von Ängsten genährt, was man deutlich an der Apokalypse des Johannes mit ihrer surrealen horrorhaften Geschichte sieht. Welche große Kraft apokalyptische Träume nährt, zeigt ferner, dass wenn die Welt auch nicht unterging, man dennoch diesen Traum weiterträumt und sich auf ein neues Datum konzentriert, wie es spätestens seit dem Mittelalter ständig vorkommt. Dass der Mensch entgegen seiner Erfahrung nichts lernt, weist auf eine Neurose hin, einen irrationalen Wiederholungszwang. Diese Neurose wird von der Angst vor dem eigenen Tod genährt. Im aggressiven Widerstand wird der unvermeidliche persönliche Untergang aufs Kollektive projiziert nach der tröstlichen Devise, wenn ich untergehe, dann sollen doch auch bitte alle anderen mit mir untergehen. Aniela Jaffé, die Sekretärin Jungs, nannte diesen Vorgang Exteritorialiserung, d. h. (meist Angst-) Gefühle werden auf die Außenwelt projiziert, in diesem Fall auf eine kosmische Katastrophe.

So träumt der depressiv Veranlagte, der Ehrgeizige sieht das anders. Im Leben wie in seinen Träumen spielt die Leistung eine wesentliche Rolle. Deswegen gibt es in seinem Traum vom Weltuntergang die Rettung der Auswählten, zu denen er sich rationalisierend selbstverständlich zählt. Welch Glück für die Zwanghaften, die gerettet werden, da sie alles richtig gemacht haben. Hier freut sich doch das disziplinierende Über-Ich.




weitere Infos auf www.kbvollmar.de


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