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Ausgabe Januar 2012
Achtsames Miteinander - Starke Beziehungen entwickeln: von Jochen Meyer

Warum ist Achtsamkeit die Basis für ein gelingendes Miteinander in Beziehungen? Aus welchem Grund sind die Partnerschaften erfolgreicher, in denen die Partner mitfühlend aufeinander eingehen und sich gegenseitig unterstützen? Die Antwort ist ganz einfach:

Entscheidend für gute Beziehungen ist das Betriebsklima. Also die emotionale Atmosphäre, die zwei Partner durch ihr Umgehen miteinander erschaffen. Und ein achtsames und mitfühlendes Umgehen fühlt sich ganz einfach besser an als ein unachtsames oder gleichgültiges.

Wie sehr achtsam sein uns stärkt
Noch lieber als von Achtsamkeit spreche ich von achtsam sein, weil das etwas Aktives ist. Achtsam sein ist ein Tun, für das ich mich entscheiden kann. Achtsam bin ich, wenn ich auf mich und auf meine Partnerin oder meinen Partner achte. Das bedeutet nicht nur Rücksicht nehmen, sondern vor allem, dass ich mich selbst und den anderen achte, respektiere und annehme. Das wiederum verlangt, dass ich ihn wertschätze und würdige. Ich bin erst dann wirklich achtsam in Beziehung, wenn ich meine Partnerin/meinen Partner in ihrer/seiner Würde achte. Gleichzeitig heißt achtsam sein aber auch soviel wie behutsam sein, einfühlsam und mitfühlend. Einfühlsam und mitfühlend sein sind Verhaltensweisen, deren Wirkung jeder sofort spürt und deren Kraft sich in Beziehungen unmittelbar auswirkt. Um so einfühlsamer Sie werden, desto bewusster werden Sie. Je mehr Bewusstheit Sie und Ihre Partnerin/Ihr Partner entwickeln, desto mehr erfühlen, erkennen und verstehen Sie einander. Achtsam sein verbindet uns mit unserem Inneren genauso wie mit den Menschen in unserer Nähe. Um so achtsamer wir sind, desto mehr entfalten wir unser natürliches Potential zu lieben. Wenn Sie und Ihre Partnerin oder Ihr Partner sich konstant achtsam und mitfühlend begegnen, schaffen Sie gemeinsam eine Atmosphäre des Vertrauens, in der Sie sich beide auf Anhieb gut fühlen.

Können Sie Ihren Partner erfühlen?
Was Beziehungen stark macht, sind Räume achtsamen Miteinanders. Räume, in denen wir uns geborgen fühlen; aufgehoben, vom Partner erfühlt und verstanden. Räume, in denen wir uns trauen, uns fallen zu lassen; so zu sein wie wir sind, in Liebe zu schmelzen und vor Lust zu vergehen. Aber auch Räume, in denen wir etwas von unseren Schwächen und Ängsten preisgeben können, ohne zu befürchten, von unseren Partnern schlecht behandelt zu werden. Solche Räume achtsamen Miteinanders sind Räume des Wachsens. Indem Sie mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner fühlen und ihr/ihm achtsam begegnen, unterstützen und stärken Sie sie/ihn. Sie eröffnen ihnen einen Raum, zu erblühen – sie fühlen sich angenommen und geliebt. In Räumen achtsamen Miteinanders gedeihen wir und werden stärker. Auch als Paar. Ahnen Sie, wie Ihre Beziehung sein könnte, wenn Sie dies noch mehr beherzigen, wenn Sie gemeinsam noch achtsamer würden?

Wie Sie einander durch Achtsamkeit stärken
Starke Beziehungen entwickeln wir in Achtsamkeit. Unachtsamkeit und fehlendes Mitgefühl sind kein Nährboden für die Liebe. Sie schwächen uns und entziehen der Liebe Energie. Wie aber schaffen wir Räume der Achtsamkeit? Wie achtsam sind Sie als Partner, wie bewusst und wie mitfühlend begegnen Sie einander? Wie achtsam ist Ihr gemeinsames Betriebsklima als Paar? Die entscheidende Frage heißt also: Wie stärken wir einander durch Achtsamkeit? Und worin könnten wir noch achtsamer werden? Denn in jeder Beziehung gibt es eine Kultur des gemeinsamen Unachtsamseins: Blinde Stellen, ausgeblendete Themen, „einfach so“ dahingeworfene Worte und andere Nachlässigkeiten. Und in jeder Beziehung, das heißt bei jedem Partner gibt es ein Potential, Unachtsames in Achtsames zu verwandeln. Am besten fangen wir damit bei uns selber an: Achtsam werden für die eigenen Lieblosigkeiten oder mitfühlend sein genau dort, wo wir grausam zu uns selbst sind – mit solchen Schritten verändern wir unser inneres Betriebsklima und nachwirkend auch das unserer Partnerschaft.

Anregungen zum Weiterdenken: Wie wir einander als Paar stärken können
Wir stärken einander, indem wir uns und unsere(n) Partner(in)

  • akzeptieren - statt verändern wollen

  • vertrauen - statt misstrauen

  • ermutigen - statt kritisieren

  • loben - statt beschimpfen

  • inspirieren - statt anöden



Indem wir

  • einander als Lernpartner ansehen - statt als Gegner

  • liebevolle Worte wählen - statt gedankenlos zu reden

  • unsere Zuneigung zeigen - statt dies zu vergessen

  • uns öffnen - statt uns zurückziehen

  • bei uns schauen - statt Vorwürfe machen

  • von unseren Bedürfnissen sprechen - statt grollen und mauern

  • fair verhandeln - statt einander ausnutzen

  • bewusst Grenzen setzen - statt faule Kompromisse eingehen

  • auch mal nachgeben - statt recht haben wollen

  • einander vergeben - statt hartherzig sein

  • selber den ersten Schritt machen - statt abwarten

  • unseren Partner fördern - statt ihn klein halten

  • ihn an seine guten Seiten erinnern - statt ihn schlecht machen



Wie muss ich sein, damit es meinem Partner und meiner Beziehung gut geht?
Sie können sich selbst darin üben, als Partnerin oder Partner achtsamer und mitfühlender zu werden, indem Sie sich immer wieder fragen: Tue ich meiner Partnerin/meinem Partner gut? Wodurch bewirke ich dies? Wie verhalte ich mich dann? Wie spreche ich dann zu ihr/zu ihm? Wie bewusst bin ich dabei? Welches Verhalten von mir ist für unsere Beziehung gut? Mit der Zeit entdecken Sie, was Sie alles selbst bewirken und was Sie noch tun können, damit es Ihrer Partnerin/Ihrem Partner gut geht. Was glauben Sie: Wie fühlen Sie sich, wenn Sie entdecken, dass Sie ein unterstützender Partner sind - eine Frau, die ihrem Mann Kraft gibt, ein Mann, an dessen Seite sich seine Frau sicher fühlt? Wenn Sie feststellen, dass Sie gemeinsam Räume achtsamen Miteinanders erschaffen, in denen Sie beide aufblühen und über sich hinauswachsen?


Der Autor Dr. phil. Jochen Meyer ist CoreDynamik-Trainer und –Therapeut und arbeitet als Paarberater und Single-Coach in Berlin.
Infos auf: www.jochen-meyer-coaching.de


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