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Ausgabe November 2011
KGS Traumkolumne von Klausbernd Vollmar - Leben und Tod

Mich verblüfft es immer wieder, wie häufig der Tod in unseren Träumen angesprochen wird. Da sterben Freunde, Bekannte, Eltern und Kinder und bisweilen auch man selbst. Im Traum herrscht das große Sterben. Betrachten wir Sterben symbolisch, macht das einen


Im Grunde ist die Deutung kinderleicht: Das Mütterliche, was die Identität dieser Frau ausmacht, muss aufgegeben werden, damit sie sich weiterentwickeln kann. Den Naiven stirbt das Kind, da sie erwachsen werden müssen, statt jenem Gerede von der Pflege des inneren Kinds zu folgen. Stirbt einer in Ihrem Traum, ist es höchste Zeit, eine Eigenschaft aufzugeben, denn der Traum kommuniziert nach dem Prinzip „je drastischer etwas dargestellt wird, desto dringender muss man sich ihm zuwenden“. Und wie so häufig im Leben finden wir hier das Paradox, dass das Sterben nötig ist, um dem Leben Raum zu geben – dieses von den Esoterikern bis zum Klischee degradierte „Stirb und Werde“ aus Goethes Gedicht „Selige Sehnsucht“.
Aber Träume sind nicht so simpel. Wenn einer im Traum stirbt, kann dies ebenso bedeuten, dass dessen Eigenschaft im Träumer Gefahr läuft, abzusterben. Bei einer Frau, deren Mutter stirbt, könnte der Traum darauf verweisen, dass ihre mütterliche Seite Gefahr läuft abzusterben. Produktiv ist es, sich grundsätzlich bei jeder Deutung zu fragen, ob nicht auch deren Gegenteil zutrifft. Manchmal trifft beides zu, öfters nur das Eine oder Andere. Was gemeint ist, weiß im jedem Fall der Träumer selbst.
Dass wir mehr Träume vom Sterben erinnern als von der Geburt, liegt einfach daran, dass uns Sterben innerlich mehr bewegt. Ängste besitzen die Eigenschaft, dass wir mit ihnen zusammenhängende Situationen besser behalten.


Klausbernd Vollmar leitet regelmäßig Traumgruppen in Berlin. www.kbvollmar.de


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