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Ausgabe November 2011
Jenseits von Geburt und Tod Sogyal Rinpoche Buchauszug

Die himmelsgleiche Natur des Geistes entdecken
Von Sogyal Rinpoche, dem Autor von: „Das Tibetische Buch vom Leben und vom Sterben“


Die einzige Sicherheit, die wir im Leben haben, ist die Unsicherheit, nicht zu wissen, wann oder wie wir sterben werden. Wir halten das Leben für selbstverständlich. Wann immer wir mit dem Tod konfrontiert sind, erinnert er uns an die Vergänglichkeit und verdeutlicht die Kostbarkeit des Lebens. Wenn uns beinahe ein Auto überfährt, dann begreifen wir, wie zerbrechlich das Leben ist. Wenn wir von einem Autounfall oder Flugzeugabsturz hören, bedenke: diese Menschen haben nicht erwartet zu sterben.
Und häufig erkennen Menschen erst im Angesicht des Todes, dass sie weder etwas Gutes aus ihrem Leben gemacht haben, noch seine Möglichkeiten zu schätzen wussten, als sie noch gesund waren. Das Leben ist kostbar, denn in ihm liegt das Potenzial, das wir nutzen können, um einen letztendlichen Zweck zu erfüllen. Unser Potenzial ist es, zu erkennen, was Leben wirklich ist: die Wahrheit zu finden, die Natur von allem – die auch die Natur unseres Geistes ist.

Die himmelsgleiche Natur des Geistes
Aus buddhistischer Sicht hat der Geist zwei Aspekte: den ‚gewöhnlichen, denkenden Geist’ und das ‚grundlegend reine, ursprüngliche Gewahrsein’, auch die Geistesklarheit genannt. Der gewöhnliche Geist stirbt, wenn wir sterben. Aber jenseits des gewöhnlichen Geistes der Konzepte gibt es unsere wahre Natur, die überlebt. Es ist das wichtigste Anliegen der buddhistischen Lehre, durch Meditation und Praxis diese Natur des Geistes zu enthüllen, die jenseits von Geburt und Tod liegt. Himmelsgleich umfasst die Natur des Geistes beides, Leben und Tod, ohne jede territoriale Begrenzung. Wenn wir unsere Natur verstehen, verstehen wir die Natur von allem – und es eröffnet sich uns das Mysterium des Lebens

Im Tode das Leben vertrauensvoll loslassen
Wir leiden in unserem Leben immer dann, wenn wir unserer Natur nicht treu sind. Gleichzeitig ist Leid unser größter Lehrer – der Fürsprecher der Wahrheit. Vielleicht ist der tatsächliche Grund, warum wir leiden der, herauszufinden, wie wir unsere Selbstsucht überwinden und Gutheit und Mitgefühl freisetzen können, die wir alle in uns tragen. Unser Leben ist nicht sinnlos – es gibt eine natürliche Gerechtigkeit; es findet eine Entwicklung statt von einem Geschehen zum nächsten, von einem Leben zum anderen. Dabei geht es darum, den „Inneren Buddha“ aufzudecken: dies grundlegende, reine Gewahrsein, diese Gutheit, die wir alle haben.

Die Freiheit des Geistes
In der Stille und Präsenz der Meditation entdecken wir ein reines Gewahrsein jenseits des gewöhnlich denkenden Geistes und erhaschen einen Blick, eine Sicht unserer wahren Natur, von etwas, das wir vor langer Zeit im Trubel unserer Leben aus den Augen verloren haben. Der Lebensnerv der Meditation ist es, Herz und Geist in tiefer Ruhe und Entspannung zu lösen, wo alle Spannung aufgelöst ist und wir uns in Verbindung finden mit einer unglaublichen Quelle an Heilkraft, die wir alle in uns haben. Solche Praxis lässt die natürliche Freiheit des Geistes durchscheinen und was dann auch in unserem Alltag erscheint, bringt uns Vertrauen und Geschick der Handlung. Wenn wir mit einer solchen Praxis vertraut sind, werden wir zum Zeitpunkt unseres Todes fähig sein, in der Erkenntnis unserer wahren Natur zu verweilen. Über den Lauf vieler Leben hinweg ist es unser letztendliches Ziel, unsere grundlegende Natur zu entdecken. Langsam wird sie enthüllt – ist sie vollständig verwirklicht, dann ist das Erleuchtung.



(Quelle: Auszüge aus den Belehrungen von Sogyal Rinpoche mit freundlicher Genehmigung des Verlages)
Der Autor Sogyal Rinpoche ist ein weltbekannter buddhistischer Lehrer aus Tibet. Mit seiner bemerkenswerten Gabe, die Essenz des tibetischen Buddhismus auf vollkommen authentische und zugleich für den modernen Geist zutiefst relevante Weise zu vermitteln, zählt Sogyal Rinpoche zu den bekanntesten Lehrern unserer Zeit.


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