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Ausgabe November 2011
Familienbande bis über den Tod hinaus Christiane Knöß

Die Psychotherapeutin Christiane Knöß arbeitet als Coach und nutzt auch die Möglichkeiten der Familienaufstellung. Ein Gespräch mit Haidrun Schäfer


Haidrun Schäfer: Inwieweit können Familienstellungen beim Tod von Familienangehörigen oder Freunden helfen?

Christiane Knöß: Familienstellungen sind immer sinnvoll, wenn man das Gefühl hat, man kann jemanden nicht loslassen oder man hat noch etwas mit diesem Menschen zu erledigen. Manchmal hat man das Gefühl, auf der energetischen oder emotionalen Ebene ein Vermächtnis übernommen zu haben. In all diesen Fällen sind Familienaufstellung hilfreich, um herauszufinden, wo die Ursache für die Themen liegen. Man kann sich das wie eine Linie vorstellen, die sich durch jede Familie zieht – von den Ahnen bis zu unserer Persönlichkeit heute und darüber hinaus zu den Kindern, die wir in die Welt setzen. Wenn es also problematische Familienthemen gibt, die sich durch Generationen ziehen, ist es sinnvoll, mal hinzuschauen und den Bann zu brechen, um das Thema eben nicht an die nächste Generation weiterzugeben. Ich habe viele Menschen gefragt, was von dem, was sie wahrnehmen, eigen oder übernommen ist und die Antwort ist in den meisten Fällen, dass sie glauben 80% übernommen zu haben und nur 20 % Eigenes ist. Dabei frage ich nicht den Intellekt, sondern nach dem Bauchgefühl.

Gibt es konkrete Beispiele?
Bestimmte Herangehensweisen ans Leben, sei es erfolgreich oder als Versager, glücklich in Partnerschaften oder der ewige Scheidungskandidat, chronisch krank oder kerngesund. Manchmal ist es sinnvoll zu gucken, wo kommen meine Überzeugungen überhaupt her? Meiner Meinung nach entwickeln wir Überzeugungen und Glaubenssätze im Familiensystem. Ich gehe davon aus, dass solche Überzeugungen auf die Gene geschrieben werden und in dem Moment, wo sie beschrieben werden können, kann man die Informationen auch wieder löschen. Deshalb ist es sinnvoll, Familienaufstellungen mit EMDR oder Visualisierungstechniken zu kombinieren. Mit diesen Kombinationen kann man sein Erbmaterial quasi umschreiben. Die Familienaufstellung an sich macht in einem ersten Schritt deutlich, was passiert ist und führt die Möglichkeit der Veränderung herbei. Um die negativen Informationen in den Zellen und Genen umzuschreiben, nimmt man andere Systeme zu Hilfe. Werfen wir einen Blick zurück: Vor 100 Jahren war die Psychoanalyse sehr erfolgreich, aber in Kombination mit der Körpertherapie wurden ganz andere Veränderungen möglich. Heute kommen eben neue Komponenten dazu. Im Moment beschäftige ich mich mit dem Thema „Wandel“ und da ist Familienaufstellung eine sehr gute Möglichkeit, um grundlegende Störfaktoren auszuloten. Es geht darum herauszufinden, wo es grundsätzlich hackt. Erst wenn wir die „Altlasten“ bearbeitet haben, können wir uns um unser Potential kümmern und es entfalten.

Wie können Aufstellungen überhaupt funktionieren?
Grundvoraussetzung für die Arbeit des Familienstellens ist die Annahme eines morphogenetischen Feldes, über das wir alle miteinander verknüpft sind. Die Familienbande sind aber noch einmal ganz spezielle Verbindungen. Sie sind wie Linien, die sich alle an einer Schnur festhalten. Die Familienmitglieder sind wie durch ein Band miteinander verbunden. Wie durch eine Leitung fließen alle Informationen durch es hindurch und jeder einzelne nimmt sich das ungelöste Thema, das in sein Lebensschema passt. Wir leben in einem morphogenetischen Feld, empfinden uns aber trotzdem als getrennt lebend – sind wir aber nicht. Wenn wir einen kleinen Baustein aus der Familienstruktur herausnehmen und verändern, dann hat es Auswirkungen auf die ganze Familienstruktur. Manchmal ist es deutlich zu spüren, manchmal aber auch nur ganz subtil.

Und wer entscheidet, wer was nimmt?
Ich glaube, es ist die Seele, die entscheidet und sich einem bestimmten Problem stellt.


Weitere Infos: www.christianeknoess.de


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