aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Oktober 2011
KGS Traumkolumne von Klausbernd Vollmar - Ein Traum vom Zuhören

Zuhören - eine Tugend, die im Medienzeitalter mehr und mehr verkommt, da wenig Zuhörenswertes kommuniziert wird. Aber trainiert nicht jeder Traum unser Zuhören? Oder andersherum: Weil uns das Zuhören schwer fällt, vergessen wir so schnell unsere Träume. I

Wer kennt nicht Fesseln und Mundverkleben aus den Krimis, das klassische Bild des Opfers. Und ein Opfer ist ausgeliefert. Der Träumer ist seiner Frau ausgeliefert, was das verbreitete Problem der Hingabe anspricht. Er muss zuhören. Das ist eine Hingabe an die Gedankenwelt des anderen. Zeitgenössische Psychologen behaupten, der Kern von Beziehungsproblemen liegt im fehlenden Zuhören, d.h. in der Unfähigkeit, den anderen wirklich verstehen zu wollen. In diesem Traum wird das Zuhören erzwungen, was in den nächtlichen Bildern immer dann der Fall ist, wenn der Träumer unbedingt auf andere hören sollte. Unser innerer Regisseur inszeniert nach der Methode „bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt“. Solche Traumbilder sind typisch in Situationen von bedrückenden Beziehungskonflikten. Sie führen am Beispiel des Zuhörens an, dass Hingabe gefordert ist, die in diesem Traum auch durch die Fesselung angesprochen wird. Auf der Subjektstufe heißt das, dass der Träumer auf seine weibliche Seite hören soll, der nach C.G. Jung das Zuhören zugeordnet ist. Dass der Träumer jedoch noch weit davon entfernt ist Zuhören zu können, zeigt sich daran, dass er den Inhalt dessen, was seine Frau sagt, nicht erinnert. Er weiß, dass sie redet, aber nicht, was sie redet, und so gibt es keine Verbindung zwischen ihnen. Seine Frau ist auf die Rolle des „Talking Head“ reduziert und wie von der gleichnamigen Band besungen, beherrscht Entfremdung die Szene. Genau das analysiert der Traum als kostenloser und zugleich genialer Therapeut.

Weitere Information zum Autor unter www.kbvollmar.de oder http://kbvollmarblog.wordpress.com


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.