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Ausgabe Oktober 2011
Manfred Reher: Innerer Weg und Geistige Heilung

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich durch das Annehmen meiner Krebserkrankung im Jahr 1998 dazu geführt wurde, das geistige Heilen in meine spirituelle Praxis einzubeziehen. Nach jahrzehntelangem diszipliniertem Üben meiner täglichen Meditation lernte ic

Der Benediktinerpater und Mystiker Pater Anselm Grün hat einmal sinngemäß gesagt:
„Es gibt einen heiligen Raum in dir, über den niemand Macht hat und dieser heilige Raum ist dein göttlicher Wesenskern, der immer heil und gesund ist.“ Was hier mit „göttlichem Wesenskern“ bezeichnet wird, entspricht meinem Verständnis des Begriffs Geist. Der schöne Gruß aus dem Sanskrit, Namasté, (ich verneige mich vor dem von Gott in dir), hat hier seinen Ursprung.
Mystiker sind Menschen, die das Göttliche in sich selbst erfahren und finden. Bei vielen Mystikern wird die Ansicht vertreten, dass der Geist eines Menschen immer göttlichen Ursprungs ist - so auch bei Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie, die auch „Geisteswissenschaft“ genannt wird.

Alle spirituellen Wege versuchen bei ihren Methoden, das Denken zur Stille zu bringen, damit die Essenz des Geistigen erfahrbar werden kann. So üben wir auch in der Kontemplation, Gedanken zum Schweigen zu bringen, indem wir die Aufmerksamkeit auf den Atem oder auf ein Wort zu lenken. Die Essenz des Geistes kann so erfahrbar werden (Stille, Frieden, Liebe, Einheit). Wenn wir dem Phänomen des Geistigen Heilens näher kommen wollen, müssen wir zu dieser reinen Quelle des Geistes im Menschen einen Zugang finden. Aus diesem Grund sind spirituelle Wege für jede Form des geistigen Heilens hilfreich und unterstützend.
Das Handauflegen, das es in allen Kulturen und zu allen Zeiten gegeben hat, zählt für mich zu einer bedeutenden Art des Geistigen Heilens. Die meisten Handaufleger sehen sich lediglich als Kanal für heilende Energien, die sie aus einer göttlich-schöpferischen Quelle weiterleiten in den physischen und/oder fein-stofflichen Körper des Kranken. Für diese Form des Handauflegens muss der Heiler keine komplizierte Ausbildung absolvieren. Es genügt, wenn er sich liebevoll und mit Mitgefühl mit dem Kranken verbindet, um die Heilungsenergie bittet und sie dann, ohne eigenes Wünschen und Wollen, durch die Hände fließen lässt. Es erfordert für die meisten Menschen viel Übung, diesen Zustand der inneren Leere herzustellen, aus dem heraus die Heilungsenergie ganz rein fließen kann.

In dem Buch „Open Hands“ von Anne Höfler schreibt der bekannte Kontemplationslehrer Willigis Jäger im Vorwort: „Alle spirituellen Wege kennen heilende Kräfte. Das universale Bewusstsein ist kreativ. Es ist auch heilend, eine transformierende Energie, die jedem Wesen innewohnt…. In der Tiefe unseres Wesens liegen ordnende und heilende Kräfte. Wenn wir uns ihnen öffnen, dann fördern wir Heilung. Wo unser Verstand mit seinen Vorstellungen und Erwartungen nicht mehr hinreicht, sind heilende Energien im Menschen beheimatet, die im Menschen wirksam werden können, wenn ihm die Hände aufgelegt werden. Heilung bewirkt nicht die handauflegende Person. Sie weckt vielmehr durch ihre Zuwendung und die Anrufung des göttlichen Beistandes im Menschen diese heilenden Kräfte.“

In meinem Buch: „Offene Herzen“ habe ich versucht, die Wechselwirkungen und Gemeinsamkeiten zwischen meditativen Wegen und Wegen der geistigen Heilung herauszuarbeiten. Dabei komme ich zu folgenden Schlussfolgerungen: Jeder spirituelle Weg, der regelmäßig geübt wird, trägt zur Heilung (innere Reinigung) bei.
Kontemplation erleichtert das Handauflegen, indem das eigene Wünschen und Wollen, die Gedanken, die uns sonst permanent beschäftigen, zur Ruhe gebracht werden. Handauflegen wiederum vertieft die Kontemplation, indem die heilenden Kräfte, die in unseren Händen fließen, uns leichter in unsere eigene Mitte kommen lassen.
Das, was ich hier an Wechselwirkungen zwischen der Kontemplation und dem Handauflegen beispielhaft beschrieben habe, findet sich bei vielen anderen spirituellen und Heilungswegen in ähnlicher Weise wieder. Inzwischen verbinde ich auch in meinen Kursen das Handauflegen mit der Kontemplation, weil ich darin eine der besten Möglichkeiten sehe, die Themen Macht und Ego, die auch mit dem Geistigen Heilen verbunden sein können, möglichst klein zu halten.
Eine Gemeinsamkeit zwischen den spirituellen und den Heilungswegen liegt in der Ausrichtung auf das Göttliche in uns. Dabei hilft uns die Konzentration auf den Atem, der uns in unsere innere Mitte, in den göttlichen Raum in uns und auch zu unserem inneren Arzt und Heiler führt.

Eine weitere Gemeinsamkeit liegt darin, einen offenen geistigen Raum zu schaffen, damit Antworten aus dem Herzen aufsteigen können. Das geschieht gelegentlich während des Handauflegens und ist mir auch in der Kontemplation geschenkt worden. Die Antwort kommt dann aus der Ebene des Geistes, nicht aus dem Nachdenken. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass auch die Angst vor dem Tod sterben muss. Viele Heiler haben das persönlich durch das Überwinden einer eigenen lebensbedrohlichen Krankheit persönlich erfahren.



Manfred-Johannes Reher ist Lehrer der Würzburger Schule der Kontemplation und Lehrer für Handauflegung (gegründet von Willigis Jäger); Ausbildung in Integrativer Körperpsychotherapie, Humanistischer Psychologie und transpersonaler Psychologie. Er bietet seit mehr als 10 Jahren Kurse und Einzelbehandlungen an.

Literatur: Manfred-Johannes Reher, Offene Herzen, Innere Wege und Heilungswege in der Welt am Beispiel von Kontemplation und Handauflegen (als E-Book bei www.neobooks.com)

weitere Information auf www.kontemplatives-handauflegen.de


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