aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe September 2011
Kinesiologie; Die Sprache des Körpers. Interview mit Mandiro Ordyniak

Jeder Körper reagiert auf innere und äußere Reize, reguliert sich selbst und sichert damit sein Überleben. Übersteigen die Reize seine Selbstregulation, entstehen Imbalance und Krankheit. Die Kinesiologie ist eine Methode, um solche Imbalancen im Körper a

KGS: Was kann ich aus kinesiologischer Sicht spüren?
Mandiro Ordyniak: Wir unterliegen heute komplexen Einflüssen. Das sind Umwelteinflüsse wie Lärm, Gerüche, Elektrosmog, Wärme, Kälte, Nahrung, die Medien und auch menschliche Kontakte. Daraus resultieren Emotionen (Angst, Freude, etc.). Diese Einflüsse verändern messbar unseren Herzschlag, Blutdruck, Hormonspiegel, Muskelfunktionen (Nackenspannungen, weiche Knie) und unsere Sinneswahrnehmungen. Diese Veränderungen können bewusst wahrgenommen werden. Über den Muskeltest lassen sich auch subtile Einflüsse spürbar machen.

Mit welchen kinesiologischen Techniken kann man seine Fähigkeiten erweitern?
In der kinesiologischen Balance werden Imbalancen abgebaut, sodass Körper und Seele besser kooperieren und die Eigenwahrnehmung verbessert wird. Dabei wird meistens zielorientiert gearbeitet. Als Techniken dienen unter anderem Reflexpunkte, um Muskeln zu stärken (Touch for Health), gezielte Bewegungen, um frühe Bewegungsmuster zu integrieren (Brain Gym), Meridianbalance (Akupressur) und die Auflösung von emotionalem Stress (Psycho-Kinesiologie). Diese Techniken können im Einzelcoaching oder auch in der Selbsthilfe angewendet werden.

Wie funktionieren kinesiologische Sondierung und Muskeltest?
Muskeln reagieren sehr schnell auf Gedanken, Gefühle und Umwelteinflüsse (Licht, Elektrosmog, Lärm etc). Mit der kinesiologischen Sondierung wird daher die Wahrnehmung auf subtil störende und stärkende Einflüsse erweitert. Durch den Muskeltest werden mehr Neuronen aktiviert als durch reines Denken. Dies fördert individuelles Lernen. Zum Beispiel führt ein eingeschaltetes Handy oder eine Sparlampe regelmäßig ab circa 20 cm Körperabstand zu einem schwachen Muskel.
Dazu ein Praxisbeispiel: Eine Mutter kommt mit ihrem Sohn in die Praxis, weil er schlecht schläft und die schulischen Leistungen schlechter geworden sind. Der Kinesiologe testet, welche Bereiche den Sohn negativ beeinflussen: Schule, Elternhaus, eventuell Nahrungsmittel.
Danach werden passende Maßnahmen besprochen und erprobt. In der Balance werden physiologische Funktionen getestet (Augenbewegungen, Hörfunktionen, Bewegungsmuster), die für leichtes Lernen Voraussetzung sind. Nicht „eingeschaltete“ Funktionen werden kinesiologisch balanciert. Oft werden bestimmte Übungen als Hausaufgabe gegeben. Der Sohn lernt, stressfreier durch den Tag zu gehen und leichter zu lernen. Der Schlaf wird deutlich besser.

Es heißt „Kinesiologie ist eine wissenschaftliche Anwendung der Subjektivät zum Zwecke der persönlichen Weiterentwicklung und Selbstheilung“. Was bedeutet Subjektivität?
Die Kinesiologie geht davon aus, dass jeder Klient einmalig ist, einzigartige Erfahrungen und Ressourcen mitbringt und seinen Weg gehen möchte. Für den Praktiker ist in der üblichen Balance nicht der einzelne Muskeltest entscheidend, sondern der Prozess, über Muskeln mit dem Unterbewusstsein sowie der inneren Heilkraft in einen Dialog einzutreten. Der Dialog zwischen zwei Subjekten ist ein wichtiger Heilfaktor.
Wir versuchen diese subjektive Wechselwirkung positiv zu nutzen. Durch Wachsamkeit und eine gute Ausbildung, insbesondere auch Klärungsarbeit an der eigenen Person, können wir störende Einflüsse minimieren. Der Muskeltest ist ein subjektiver Test, auch wenn erfahrene Anwender oft zu ähnlichen Ergebnissen kommen.

Immer mehr Kinder leiden unter Aufmerksamkeits- und Lernstörungen. Wie kann Kinesiologie hier helfen?
Diese Störungen können vielfältige Ursachen haben. Oft finden wir emotionale Konflikte im Eltern- oder Familiensystem, Störungen in der Schule (Mobbing, mangelnde Unterstützung durch Lehrer), zu viel Medienkonsum, Nahrungsunverträglichkeiten (Glutamat und Süßstoffe, schlechte Ernährung), Entwicklungsverzögerungen (motorische Entwicklung und unreife frühkindliche Reflexe). Kinesiologie kann helfen, die Störfaktoren zu finden. Konfliktthemen sollten angegangen werden. Beteiligte können durch kinesiologische Balancen unterstützt werden, mit Herausforderungen kompetenter umzugehen. Die motorische Integration und das Selbstvertrauen kann gestärkt werden.
Manchmal wird dies in zwei bis drei Sitzungen erreicht, manchmal ist eine Prozessbegleitung über mehrere Monate erforderlich.

Ab welchen Zeitpunkt kann man aus Ihrer Sicht zu viel fühlen und wann wird man hypersensibel?
Der Körper schützt sich normalerweise selbst vor zuviel Eindrücken und signalisiert dies auch, dass „es jetzt reicht“. Dieser Schutz kann manchmal versagen, insbesondere bei/nach schweren traumatischen Erlebnissen wie Folter, bei bestimmten Krankheiten oder auch bei bestimmten provokativen Therapien durch ungenügend geschulte Therapeuten. Kinesiologie, wie ich sie lehre und vom Berufsverband DGAK.de (Deutsche Gesellschaft für Angewandte Kinesiologie) vertreten wird, arbeitet sehr sanft und achtet die Integrität und Schutzmechanismen des Klienten. „Always use your common sense“, wie Dr. Thie, der Begründer vom Touch for Health betonte.

Wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch.


Weitere Information: www.kinesiologieschule.de


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.