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Ausgabe Juni 2011
Rohe Kraft; Daniel Wendt über die Bedeutung einer rohen Pflanzennahrung in Bezug auf die Yogapraxis

Yoga bedeutet Einheit, das Ziel der Yogapraxis ist es Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Bereits vor tausenden von Jahren haben sich die Yogis in Indien mit dem Thema Ernährung befasst und herausgefunden, dass bestimmte Nahrungsmittel nicht

Die wissenschaftliche Grundlage erscheint denkbar einfach und plausibel. Bei einer Temperatur von 42 ° Celsius beginnen sich die organischen Moleküle der Nahrung zu verändern, Eiweiße werden denaturiert, ein Großteil der lebenswichtigen Enzyme und Mineralstoffe wird zerstört. Auch der menschliche Körper kann bekanntermaßen eine Temperatur von 42 ° oder mehr nicht lange überleben (auch hier verändern sich die körpereigenen Enzyme und Eiweiße und sind somit nicht mehr funktionstchtig). Ein Enzym- und Mineralstoffmangel führt über kurz oder lang zu körperlichen Beschwerden, da sich der Körper die fehlenden Stoffe aus seinen eigenen Vorräten in den Organen und Drüsen, den Knochen und Zähnen ziehen muss. So genannte Zivilisationskrankheiten sind die Folge. Um das volle Potenzial der Nahrung auszuschöpfen, ist also naheliegend die Lebensmittel keiner weiteren Verarbeitung (Kochen, Braten, etc.) zu unterziehen.
Durch den Verzicht auf Erhitztes fallen alle unnatürlichen, mit Geschmacksverstärkern und Konservierungsmitteln versetzten Lebensmittel weg. Auch erhitztes Getreide, dem in den letzten Jahren immer mehr schädliche Eigenschaften nachgewiesen werden, fliegt aus der Ernährung.
Tatsächlich zeigt die Praxis, dass der Verzicht auf so genannte Grundnahrungsmittel wie Brot, Nudeln und Reis einhergehend mit einer Verschiebung der Prioritäten auf frisches, reifes Obst, grüne Salate und Kräuter sowie rohes Gemüse, schon bald für eine körperliche Leichtigkeit und Beschwingtheit sorgen, die sich mit gekochter Nahrung nicht erreichen lässt. Nüsse und Samen, Sprossen und Keimlinge, sowie Fettfrüchte wie Avocados, Oliven und Kokosnüsse ergänzen den grundlegenden Speiseplan.

„Etwas, das man in seiner ursprünglichen Form nicht essen kann, soll man nicht essen.“ - Mahatma Gandhi

Zu Beginn der Ernährungsumstellung kommt es meist zu körperlichen Entgiftungserscheinungen wie Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen und allgemeinem Unwohlsein. Diese Zustände sind nur von vorübergehender Natur und ein Zeichen dafür, dass der Körper vereinfacht gesagt innerlich aufräumt. Mit fortschreitender körperlicher Entgiftung verlagern sich die, auf grobstofflicher Ebene schnell erfahrbaren Effekte auch auf tiefere Ebenen des Seins. Der Geist wird klarer, die Sinne werden spürbar geschärft. Die feinstofflichen Energiebahnen des Körper (Nadis) öffnen sich und werden durchlässiger. Auch tief sitzende emotionale Blockaden und Ängste beginnen sich zu lösen. Der Zusammenhang zwischen körperlichen und geistigen Vorgängen wird nach und nach immer deutlicher, das gesamte System schwingt sich auf ein nie gekanntes Gleichgewicht ein. Somit befördert sich der Organismus praktisch automatisch in einen Zustand des Yoga.
Yogis erklären sich diese enorme Wirkung der Rohkost vor allem mit der energetischen Ladung der Nahrung. Sie gehen davon aus, dass rohe Pflanzennahrung mit großen Mengen an Prana, dem Sanskritbegriff für Lebensenergie, angereichert ist, und sich diese Energie durch den Verzehr auf den Menschen überträgt. Interessanterweise liefert uns die Wissenschaft tatsächlich eine Erklärung für dieses Modell.

Stichwort Chlorophyll
Chlorophyll ist das grüne Pflanzenpigment, das die Fotosynthese ermöglicht. Es absorbiert das Sonnenlicht, wandelt dieses in Pflanzenenergie um und löst somit Wachstum aus. Die gesamte Pflanze speichert die Energie in Form von so genannten Biophotonen, die, biophysisch messbar in die Zellen des Menschen übergehen, sobald dieser die Pflanze zu sich nimmt. Interessanterweise unterscheidet sich Chlorophyll in der Zusammensetzung nur durch ein Atom vom roten Blutfarbstoff Hämoglobin: Chlorophyll ist an Magnesium gebunden, Hämoglobin an Eisen. Diese Tatsache hat eine große Bedeutung für die Gesundheit. Es gibt keinen besseren Nährstoff für das Blut als Chlorophyll. Im Ayurveda ist es von zentraler Bedeutung, dass das Blut stark, vital, sauber, kräftig und mineralhaltig ist, Chlorophyll sorgt für diesen Zustand. Den größten Gehalt an Chlorophyll und Biophotonen (die gleichzusetzen sind mit Prana) besitzt grünes Blattgemüse, vor allem Wildkräuter und die Rohkostpraxis sendet den Impuls aus, sich diese wilde, kraftvolle Nahrung aus der Natur selbst zu beschaffen. Selbst in Großstädten wie Berlin lassen sich gerade im Frühling und Sommer ohne weiteres einheimische Wildpflanzen wie Löwenzahn, Brennnessel, Spitzwegerich und Giersch in großen Mengen finden.
Die symbolische und anderweitig energetische Wirkung einer reinen Rohkost ist somit enorm: sie signalisiert „zurück zur Natur“ und die Psyche, das Unterbewusstsein nimmt dieses Signal auf und strebt Richtung körperlicher und geistiger Heilung, zwei der Hauptaspekte des „modernen“ Yoga. Aber auch auf philosophischer Ebene stimmt Rohkost wie kaum eine andere Ernährungsform mit einem der wichtigsten yogischen Prinzipien überein: Ahimsa (Gewaltlosigkeit). Rohkost eröffnet ein Dasein in tiefer Harmonie mit der Umwelt und allen anderen Lebewesen. Sie führt in den Fluss des Lebens und erweckt die natürliche Intuition, den inneren Guru.

Probleme in der Praxis
So deutlich spürbar die positiven Effekte der Rohkost auch sind, so wichtig ist es sich ausgiebig mit den Prinzipien dieser Ernährungsform und der menschlichen Physiologie auseinanderzusetzen. Denn eine unausgewogene Rohkostpraxis kann auf lange Sicht gesehen zu starken körperlichen Mangelerscheinungen führen. Wichtig sind hier vor allem die richtigen Nährstoffkombinationen und das Einbeziehen einheimischer Wildkräuter, sowie gelegentlich roher Milchprodukte zur Unterstützung der Proteinversorgung. Mit ein wenig Initiative und der Berücksichtigung individueller Bedürfnisse, stellt eine dauerhaft aus mindestens 80 % roher Pflanzennahrung bestehende Ernährungsweise jedoch eine außerordentlich kraftvolle Unterstützung sowohl zur körperlichen Heilung als auch für jede spirituellen Praxis dar.

Der Autor Daniel Wendt ist Yogalehrer im Yoga Shala Berlin.
Er beschäftigt sich seit einiger Zeit mit den Wirkweisen verschiedener Ernährungsformen auf die spirituelle Entwicklung.


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