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Ausgabe Juni 2011
Vegetarische Ernährung im Bhakti-Yoga, Meister Swami Srila B.A. Paramadvaiti über den Vegetarismus

Die Hindu-Gemeinde e.V. Berlin bietet viele Möglichkeiten Bhakti-Yoga, das Yoga der Hingabe und Liebe, zu praktizieren. Der angeschlossene Tempel und die Akademie der Inbound School of Yoga sind ein für alle offenes Angebot.
Wir sprachen mit dem charisma

KGS: Spoon Revolution, was heißt das? Kämpft ihr mit Löffeln?
Die Spoon Revolution ist unser Versuch, Vegetarismus humorvoll an die Menschen zu bringen. Denn heutzutage wissen ja alle, dass derjenige, der Fleisch isst, sich mitschuldig macht, dass die ganze Biosphäre des Planeten vor die Hunde geht. Das wusste man ja vorher nicht. Vorher war es eher eine Frage von Mitleid mit Tieren oder einem besseren Gesundheitsgrad. Nun gibt es die Fleischindustrie, das ist relativ neu. Doch die Spoon Revolution will nicht anklagend an die Menschen herantreten, sondern eher das Bewusstsein erwecken, und das eben humorvoll. Wir versuchen dabei eine Herz-zu-Herz-Beziehung herzustellen, denn wir alle müssen gemeinsam etwas tun, damit das Bewusstsein wächst. Wir alle haben eine Sehnsucht nach einer besseren Welt und diese lässt sich wohl kaum mit Schlachthäusern verbinden.

Das Thema „Tiere töten“ ist eigentlich ein recht ernstes. Wie sieht es da mit dem Humor genau aus?
Wir haben zum Beispiel das ursprüngliche Königreich, The Original Kingdom, aufgemacht. Das ist das Königreich von Vegetariern ohne Grenzen, das heißt, jeder kann mitmachen. Wer aktiv in der Löffel Revolution ist, wird ein Minister. Wer Vegetarier ist, wird Botschafter. Diejenigen, die sich besonders intensiv einsetzen, werden die Kommandanten von der Revolution. Und die Bewohner sind alle jene, die den Pass der Revolution erhalten haben (Anm. Red.: Er holt seinen eigenen, sehr echt aussehenden Pass aus Pappe hervor, lacht und zeigt echte Stempel von südamerikanischen Grenzübergängen). Mit dem Pass gehen für jeden Bürger auch Rechte einher. So gibt es Golden Pages, die goldenen Seiten, wo Geschäfte sich eintragen und dadurch untereinander Discount geben können. Es ist aber ein Netzwerk, wo insbesondere die Ideale verbreitet werden sollen. So tauschen wir auch künstlerische Arbeiten untereinander aus, ohne Künstlerrechte zu beanspruchen.

Ihr geht aber auch an ein größeres Umfeld heran. Wie zum Beispiel durch eure Kochkurse, den vegetarischen Club oder das Catering. Was macht euer Essen besonders?
Vegetarisches Essen beweist sich zunächst durch den Geschmack und die gesundheitlichen Vorteile. Wir wollen dabei nicht ausschließlich sein, sondern einschließlich. Darum kochen wir nicht nur für uns, sondern für jeden, der es möchte. Unser Essen ist dabei von Karma befreit, sozusagen karmafreie Nahrung. Der Grund: Jede Handlung von uns bedingt weitere. Und wir können diese Art der Aktivität nur dadurch beenden, wenn wir das, was wir machen, als eine Opferung zu Gott darbringen. So kann die Danksagung der Nahrung uns reinigen. Schließlich müssen wir etwas essen, doch sollten das Essen mit einer sinnvollen Handlung verbinden. Unser Essen ist deswegen Gott geweiht und dadurch zugleich heilig gesprochen. Und das ist in spiritueller Hinsicht etwas ganz Wertvolles.

Gibt es Textstellen in der für Hindus heiligen Bhagavad-Gita, die das empfehlen?
Ja, Krishna sagt: Opfere mir mit Liebe eine Frucht, Wasser, eine Blume und wenn du es mir mit Liebe opferst, werde ich es akzeptieren. Dann sagt er im nächsten Vers: Grundsätzlich sollen wir alles, was wir in dieser Welt benutzen, zuerst ihm opfern und es dann verantwortlich benutzen. Die vedische Kultur ist aber zugleich keine Kultur, die einseitig streng vegetarisch ist. Sie idealisiert den Vegetarismus vielmehr dahin, dass das Leben wirklich ohne jegliche Gewalt gehen sollte. Einige Stellen in den Veden besagen so zum Beispiel ganz deutlich: Das Erste, was man tun sollte, ist nicht die Kuh zu töten. Denn eine Kultur, die die Kuh tötet, ist eine Kultur, die die eigene Mutter tötet.
Andere Stellen besagen aber auch, dass wenn jemand unbedingt Ziegen essen muss, diese dann für Kali geopfert werden müssen. Dadurch werden die Menschen geläutert und verstehen besser, was sie tun. Deutlich wird es in der betreffenden Zeremonie, denn bevor die Ziege getötet wird, muss der Mensch der Ziege ins Ohr flüstern: Du hast das Recht im nächsten Leben mit mir dasselbe zu machen, denn ich kann meine Sinne nicht kontrollieren.
Der ganze Vorgang ist dadurch entmutigend, aber nicht verbietend. Viele Menschen sind einfach in ihrer Entwicklung noch nicht so weit und ihnen soll nicht die Tür vor der Nase zugeschlagen werden. Ihnen muss einfach noch weiter bewusst gemacht werden, keinen anderen Lebewesen Leid zuzufügen.


Vielen Dank für das Gespräch und möge die Revolution gelingen!


Stichwort Fleischindustrie
Die industrielle Fleischproduktion ist eine der wichtigsten Quellen für Schadstoffe. Rückstände aus der Fleischindustrie wie Ammoniak, Methan und Kohlendioxid verschmutzen Flüsse, die Atmosphäre und zerstören die Ozonschicht. Um 1 kg Fleisch zu produzieren benötigt man mehr als 20.000 Liter Wasser (1 kg Weizen nur 227 Liter). Die Produktion von Fleisch ist die Ursache der massiven Abholzung der Tropenwälder und ihrer Umwandlung in Wüsten. Zur Herstellung von 1 kg tierisches Eiweiß wird 25-mal mehr Energie als bei pflanzlichem Protein benötigt. Die Produktion eines einzigen Hamburgers nutzt fossile Brennstoffe in Höhe eines kleinen Autos, dass 32 km fährt und das Wasser für über 17 Duschen.



weitere Infos: www.hindu-gemeinde.de, www.vegetarisch-in-berlin.de


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