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Ausgabe April 2011
KGS Traumkolumne von Klausbernd Vollmar - Geburt und Tod

Der Tod gehört zu den verwirrendsten Traumerlebnissen. Bei jedem Vortrag, den ich halte, kommt mit Sicherheit die Frage, ob der Traum vom eigenen Tod oder dem Tod anderer vorausdeutend zu sehen ist. Keine Angst, ist er nicht.

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Eine Frau träumt, dass ihr Baby stirbt. Verständlicherweise versetzt sie das in Panik. Dabei übersieht sie, dass Träume zu uns symbolisch sprechen. Sie bilden nicht die Wirklichkeit ab, sondern interpretieren die innere Befindlichkeit der Träumerin mit ihren Bildern. Wenn im Traum etwas stirbt, wird man grundsätzlich darauf hingewiesen, dass eine Eigenschaft in einem abstirbt. Diese Eigenschaft muss entweder aufgegeben werden, um einer produktiveren Eigenschaft Platz zu machen oder man läuft Gefahr eine Eigenschaft zu verlieren, was zu einer Verarmung der Persönlichkeit führt. Bei diesem Traum stirbt das Baby, das symbolisch als babyhafte Haltung der Träumerin zu sehen ist. Und schon liegt die Deutung auf der Hand: Das Babyhafte im Verhalten dieser Frau muss sterben, um einer erwachsenen Haltung Platz zu machen.
Hätte die Träumerin geträumt, ihr Kind würde sterben, könnte dies analog heißen, dass sie ihre kindliche Haltung aufgeben muss. Es könnte aber auch bedeuten, dass sie ihre unbeschwerte Kindlichkeit verliert. Mit Worten populärer Ratgeberpsychologie hieße dies: „Achte darauf, dass dein inneres Kind nicht stirbt.“ Was nun in diesem Fall gemeint ist, weiß die Träumerin stets selbst problemlos zu entscheiden.

Wir erinnern häufiger Träume vom Tod, als von der Geburt. Das mag daran liegen, dass uns Träume zu einer Korrektur unseres Verhaltens inspirieren möchten. Träume vom Tod sind weitaus mehr bewegend. Je bewegender ein Traum ist, desto eher wird er erinnert. Diese Erinnerung ist die Vorrausetzung dafür, bewusst etwas zu ändern. Es muss wohl nicht angemerkt werden, dass Geburtsträume höchst selten nur auf eine Schwangerschaft verweisen. Sie inspirieren dazu, etwas Neues in seinem Leben zu schaffen.

Klausbernd Vollmar leitet regelmäßig Traumgruppen in Berlin.
Weitere Information www.kbvollmar.de


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