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Ausgabe April 2011
Programme gegen die Angst. Ein Gespräch mit Hans Hermann Baertz

Was hilft bei und gegen übermäßige Ängste? Leiden wir, so ist es immer gut, sich professionell beraten zu lassen. Noch besser ist es, wenn wir zusätzlich Hilfe zur Selbsthilfe erhalten. Ein Gespräch mit dem Leiter des Baertz-Instituts für Angst- und Stres

KGS: Angst ist bis zu einem gewissen Grad gesund. Ab welchen Zeitpunkt werden Ängste krankhaft?

Hans-Hermann Baertz: Angst ist ein überlebenswichtiges Gefühl; sie warnt uns vor Gefahren und schützt uns. „Angst ist der Beginn des Intellekts“, sagt Reinhold Messner. Entstehen aber andauernde Kontrollverluste oder Lähmungen, wird sie zur Angststörung oder Phobie. Es gibt Menschen, die vor lauter Angst nicht mehr ihr Haus verlassen können. Eine meiner Patientinnen, Regina (Name von Red. geändert), hatte zum Beispiel Angst vor Einbrechern, vorm Autofahren und vor gefährlich aussehenden Menschen. Angefangen hatte es vor 20 Jahren auf einem Flug nach Schottland. Auf diesem Flug gab es Turbulenzen, die selbst andere Fluggäste zum Schreien brachten. Sie hatte abgeschlossen – abgeschlossen mit ihrem Leben. Das war es, dachte sie. Seit diesem grauenvollen Tag war sie nie wieder geflogen. Die Zunahme ihrer unbestimmten Ängste war eine Spätfolge der progressiven Angstentwicklung. Jahre später begann sie, manchmal sogar einfach so mit Angst im Bauch aufzuwachen. Manchmal verschwand dann die Angst wieder und manchmal litt sie tagelang.


Wie helfen Sie solchen Patienten?

Eine Methode, die sehr hilfreich sein kann, ist die Phobietechnik des NLP. Damit lassen sich Ängste sehr oft ganz einfach auflösen. Die wissenschaftliche Studie „Active Ingriedients Projekt“ (J. Carbonnell, & C. Figley, 1995) hat das eindrucksvoll gezeigt. NLP steht für Neurolinguistic Programming. „Neuro“ bezieht sich auf das Nervensystem und dementsprechend auch auf das Denken und Fühlen des Menschen. Die Linguistik ist die Sprachwissenschaft, mit Hilfe derer die Grundlagen des NLP gelegt wurden. Programmieren meint hier ein Konzept zum Erreichen bestimmter Ziele. Also ist NLP ein Konzept, um das Denken und Fühlen durch Sprache im Positiven zu verändern. Auch die Klopftechniken EFT (Emotional Freedom Techniques), bei denen Akupunkturpunkte gegen belastende Emotionen stimuliert werden, können Ängste sehr wirksam lindern oder sogar völlig verschwinden lassen. Bekannt sind auch Techniken wie EMDR, eine Traumatherapie, die Augenbewegungsmuster nutzt, oder Reiki.
Bleiben wir ganz konkret beim Fallbeispiel der Patientin. Was genau hat Regina aus der Krise geholfen?
Regina hat Selbsthypnose gelernt und kann sich heute in einen Zustand tiefster Ruhe versetzen. Seit sie regelmäßig Selbsthypnose macht, sind vor allem ihre unbestimmten Ängste nach und nach verschwunden. Sie benutzt verschiedene Techniken zum Einleiten des Entspannungszustandes und kann weiterführend sehr hilfreiche Übungen in diesem Zustand machen. Ihr Bewusstsein erweitert sich zunehmend und Regina gelangt zu einer positiveren Lebenseinstellung. Selbsthypnose kann aber noch viel mehr: Sie kann sämtliche Selbstheilungskräfte aktivieren. In unserem Fall hat Regina geistige, die ins Unterbewusstsein ging, und schließlich körperliche Heilung erfahren. Inzwischen denkt Regina sogar schon darüber nach, durch freiwillige Fahrstunden wieder das Autofahren zu erlernen. Das war für sie zuvor undenkbar.


Das klingt ja geradezu magisch.

Ja und nein. Schon in der Frühzeit des Menschen hat man den Zustand der Trance, der ein schlafähnlicher Bewusstseinszustand ist, durch verschiedene Hypnose-Techniken eingeleitet. Schamanen waren unter anderem dazu ausgebildet. Sie brauchen aber nicht unbedingt einen Hypnotiseur, um in Trance zu gehen. Bei der Selbsthypnose ist kein Fremder beteiligt. Man selbst gibt sich Suggestionen, nachdem man sich in den Zustand tiefer Entspannung gebracht hat. Dadurch kann Heilung geschehen und diese muss nicht mal teuer und langwierig sein.

Vielen Dank für diesen Einblick in unsere eigenen Kräfte



mehr Informationen finden Sie auf www.baertz-institut.de


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