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Ausgabe März 2011
Sensitivität - Andreas Krüger über sein Verständnis der sensitiven Begabungen und seine Vision einer sensitiven Weltbevölkerung

Ich habe in den letzten 14 Tagen drei Filme gesehen, die mein Leben berührt haben wie schon lange nicht mehr. Der erste Film war „Von Menschen und Göttern“, bei dem mir eine spirituelle Präsenz begegnete, die ich bisher nur bei einem lebenden Menschen wah


Professioneller Umgang im Alltag

Während die ersten beiden Filme für mich noch im visionären Bereich liegen, der für mich im Moment noch nicht zugänglich ist, hatte ich bei dem dritten den Eindruck, dass das schon durchaus Alltag in der Samuel-Hahnemann-Schule und auch Alltag in meiner Praxis ist. Wir gehen mit Sensitivität viel entspannter und professioneller um, als die armen Menschen in diesem Film, die in einer Umwelt leben, wo Sensitivität bestenfalls mit Verständnislosigkeit und Ironie aufgenommen wird anstatt mit professioneller Selbstverständlichkeit. Das hat mich sehr glücklich gemacht, weil ich glaube, dass die letzten 30 Jahre nicht umsonst waren. Zu uns kann jeder in die Schule kommen und sagen: „Andreas, seit Jahren spreche ich mit meinen toten Verwandten, zwei Jahre habe ich in der Psychiatrie verbracht und dann erfahren, dass es vielleicht hier jemanden gibt, der mich nicht für verrückt erklärt.“



Sensitivität nimmt zu

Sensitivität nimmt zu – das hat schon Rudolf Steiner gesagt. Es wird immer mehr Menschen geben, die sensitiv sind, die auch schon in früheren Leben sensitiv waren und es aus irgendwelchen Gründen vergessen mussten (siehe Clemens Kuby, siehe ATA-Geisteshaltungstraining, siehe traumaorientierte Seelenrückholung) und die sich jetzt an bestimmten Orten sammeln, um sich wieder an ihre Sensitivität zu erinnern. Rudolf Steiner war kein Anhänger von 2012, aber er sprach von einer großen Weltenwende, bei der ein metamorphosischer Sprung unseres Menschengeschlechts stattfinden wird. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass immer mehr Menschen die Gabe der Sensitivität mitbringen und dass es diese Menschen braucht, um andere Menschen zu erinnern und sie zu schulen. Das ist ein wichtiger Aspekt: Ein Sensitiver, der ungeschult ist, weiß oft nicht, dass er sensitiv ist, sondern glaubt, dass er einfach nur verrückt ist. Solche Menschen kommen dann eventuell in die Mühlen psychiatrisch-pharmakologischer Gewalt und in vielen Fällen nicht wieder raus. Ich behaupte, dass unsere Psychiatrie voll ist mit Sensitiven, die das Pech hatten, zu einem ganz normalen Psychiater gegangen zu sein, der seinen ganz normalen Job gemacht hat. Wie oft erlebe ich in meiner Praxis, dass mir ein Patient von seinen ganz normalen sensitiven Wahrnehmungen erzählt und ich mache meine wichtigste therapeutische Handbewegung: Ich nicke.



Sensitivität braucht Schulung

Ich glaube, die Welt braucht die Sensitiven. Die Welten rücken immer näher zusammen – ob es nun Engelwesen sind oder Verstorbene – und sie drängen, um uns zu helfen. Es liegt an uns, ob als Lehrer oder Therapeuten oder Eltern, uns kompetent begleitend in sicheren Nestern gut schulen zu lassen. Und das ist unter anderem die Aufgabe der SHS: Wir bilden Sensitive aus und ein Schüler, der drei Jahre bei uns war, ist in der Lage, mit der Anderswelt in Kontakt zu treten – ob es das Krafttier, die Gartendeva oder der Opa ist, das spielt keine Rolle. Wichtig in einer Sensitivschulung ist auch die Supervision, um festzustellen, ob jemand doch seinen eigenen Film dreht oder einen psychischen Aussetzer hat. Und nicht zu vergessen: der demokratische Ansatz. Auch mit den sensitiven Wahrnehmungen muss demokratisch umgegangen werden. Egal ob ich sage „Aura lila“ oder „Krafttier Tiger“ oder „Opa steht hinter dir“ – es geht darum, so wenig wie möglich doktrinär und so informativ und anbietend wie möglich zu arbeiten. Der Sensitive stellt einen Kontakt her und bietet etwas an, aber sein endgültiges Ziel ist es, sich überflüssig zu machen. Mir schwebt da eine Volkssensitivität vor. Wir schaffen es alle, irgendwann einmal in dieser Hecke zu sitzen, so dass die Hecke irgendwann wieder überflüssig wird (siehe auch: Magie in Heilberufen, KGS Berlin, Februar 2011).



Unterschied von ausgebildetem und nicht-ausgebildetem Medium

Der große Unterschied von einem ausgebildetem und -einem nicht-ausgebildeten Sensitiven ist, dass ein ausgebildeter Mensch bestimmt, wann er sieht oder hört oder die Geister kommen lässt. Der unausgebildet Sensitive ist diesen Kräften ausgesetzt und damit allen Kräften – nicht nur den lustigen. In der Ausbildung wird u.a. gelehrt, wie man den Solarplexus öffnet oder schließt, wie man seine Aura entrollt oder reinigt und wie man Seelenverluste zurückholt. Im Grunde muss ein jedes Medium nicht lernen, wie es hellsieht – das können die meisten – sondern lernen, wie es frei wird. Ein guter Lehrer schafft nichts als Freiheit. Er gibt dem Medium die Möglichkeit, unfühlig zu sein, wenn er es will – und dann kann er auch mit vier Currywürsten im Magen über das Oktoberfest marschieren. Wer das nicht kann, ist nicht frei. Wer nur im Kloster sein muss, ist unfrei. Geschulte Sensibilität heißt, selbst zu bestimmen, wann diese Fähigkeit ihren Einsatz hat. Ich will doch nicht ständig meinen Krafttierzoo um mich herum haben, geschweige denn, wenn ich auf dem Klo sitze: Da will ich alleine sein! Die haben zu kommen, wenn ich rufe und das machen die auch und nur dann – das ist Freiheit.



Sensitive schulen Sensitive

Ich behaupte, dass wir eine hellfühlige Spezies sind. Wir haben alle diesen sechsten Sinn. Er ist genauso angeboren wie die anderen fünf Sinne. Anscheinend ist er bei manchen ausgeprägter als bei anderen, bzw. wird er bei einigen mehr und bei anderen mehr verleugnet. Ich persönlich habe – ganz abgesehen von meinen ganzen schamanistischen Erfahrungen – einen Hellsinn: Ich kann relativ deutlich und inzwischen auch verifizierbar wahrnehmen, was bei Menschen sein könnte – zumindest im heilerischen Bereich. Ich sehe Begabungen und auch Medialität bei Menschen. Wie ich das sehe, weiß ich nicht – vielleicht war ich mal bei der esoterischen Berufsberatung in Neu-Avalon tätig. In unseren Kursen sitzen oft Menschen, die lange Zeit brauchen, bis sie ihre Begabungen und Fähigkeiten annehmen und schulen können. Es gibt auch viele Sensitive, die in einem Workshop wie „Tantra-Jet-Erleuchtung in 24 Stunden“ in ihre volle Medialität geschossen werden, dann aber nicht mehr U-Bahn fahren können, weil sie die physische Realität nicht mehr von der nicht-alltäglichen Wirklichkeit unterscheiden können. Aus diesem Grunde brauchen Sensitive eine Schulung von Sensitiven!


Der Autor Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst


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