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Ausgabe Februar 2011
Was ist Hypnose? Beitrag von Marcus Donath


Die allgemeinen Vorstellungen zum Thema Hypnose sind irgendwo zwischen Wissenschaft und esoterischem Unsinn, zwischen Rationalität und Magie angesiedelt. Sprechen wir über Hypnose, so sprechen wir in den allermeisten Fällen über ein Filmklischee oder über Showhypnose. Diese Bilder der Hypnose sind amüsant, aber viel mehr auch nicht. Die Hypnose hat genau so viel Magie, Kraft, Macht und Potential in sich, wie viele denken und doch ist sie viel profaner und alltäglicher als wir vermuten.
Zuerst einmal ist Hypnose ein absolut alltäglicher Zustand. Wir alle befinden uns im ganz normalen Alltag ständig in Hypnose bzw. Trance. Manche behaupten sogar, es gäbe überhaupt keine „Nicht-Trance“. Die Frage ist nur, in welcher Trance, also welcher Hypnose wir uns gerade befinden.
Eine allgemeingültige Definition für Hypnose gibt es bis heute nicht. Würde man allerdings behaupten, dass sich eine Trance bzw. Hypnose durch den fokussierten Zustand beschreiben ließe, in welchem man sich dabei befindet, läge man sowohl im Alltag wie auch in der Praxis nahe an der Wahrheit. Die Konzentration auf ausschließlich eine Sache, wobei alle anderen Sachen quasi komplett ausgeblendet werden, umreißt den Zustand der Hypnose bereits ziemlich gut.
Sie hatten schon einmal blaue Flecke oder andere kleinere Verletzungen und konnten sich nicht mehr erinnern, woher diese kamen? Offensichtlich waren Sie in einem Zustand so tiefer Trance, dass Ihr Schmerzempfinden ausgeschaltet war. Sie waren so auf eine Sache konzentriert, dass Ihr Schmerzempfinden keine relevante Information mehr dargestellt hat. Genau dieser Zustand ist es, der bei der Hypnose z. B. beim Zahnarzt oder heutzutage auch immer öfter bei Operationen erzeugt werden soll, um eine schmerzlose Behandlung ohne Betäubungsmittel zu ermöglichen.
Sie lesen gebannt diesen Artikel? Dann sind Sie bereits in Hypnose! Vergewissern Sie sich doch genau jetzt einen Moment lang, was Sie alles während des Lesens nicht mehr wahrgenommen haben? Sind da Hintergrundgeräusche, die Sie gerade vergessen hatten? Andere Menschen, deren Sie sich gerade nicht mehr bewusst waren, oder andere Reize, die Sie zum Lesen ausgeblendet hatten? Sie waren sozusagen in einer Lesetrance!
Sie haben im Kino schon einmal geweint? Weshalb? Rein rational betrachtet ist im Kino zu weinen völliger Unsinn. Wir alle wissen rational, dass es den entsprechenden Schauspielern gut geht. Wir alle wissen, dass es sich um einen vor einiger Zeit abgedrehten Film handelt, bei welchem weder Menschen verletzt wurden noch Menschen leiden mussten oder Ähnliches. Trotzdem reagieren wir irrational emotional mit Anspannung, Trauer, Wut oder Freude, wenn wir Filme sehen. Tatsache dabei ist, dass in der Konzentration auf den Film auch der kritische Teil unseres Verstandes, welcher über die Durchlässigkeit zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein entscheidet, ausgeschaltet ist. Genau darum geht es auch bei der modernen Hypnose. Sie sind nur noch darauf konzentriert, was der Hypnotiseur sagt, und der kritische Teil Ihres Verstandes beschließt die Durchlässigkeit zum Unterbewusstsein.
Bleiben wir beim Beispiel des Kinos. Sie sind auf den Film konzentriert, Sie nehmen Ihre reale Umwelt kaum noch wahr und der kritische Teil Ihres Verstandes ist abgeschaltet. Dazu nötig ist, dass Sie sich sicher fühlen und keine Angst vor einer etwaigen negativen Beeinflussung durch den Film haben.
Wir Männer beispielsweise sind nicht unbedingt dafür bekannt, im Kino in Tränen zu zerfließen. Aber was passiert, wenn der Film mich nun doch zu Tränen rührt? Ich würde mich sofort aus der entsprechenden Trance herausreißen, den kritischen Teil meines Verstandes wieder einschalten und in die Haltung gehen: „Ist doch bloß ein kitschiger Film“. Ich würde mich kurz im Sitz aufrichten und darauf achten, dass ich nicht wieder so tief in den Film einsteige, um nicht erneut zu Tränen gerührt zu werden. Was bedeutet dies? Warum sind Sicherheit und keine Angst zu haben wichtig und warum kann ich mich einfach so aus einer Trance herausreißen? Wie oben beschrieben, sind Sie in der Hypnose weder bewusstlos noch schlafen Sie. Sie sind auch absolut nicht willenlos, sondern Sie lassen genau das zu, was Sie zulassen möchten.
Beispiel Hypnosepraxis: Sie fühlen sich bei dem entsprechenden Hypnotiseur wohl und gut aufgehoben, Sie fühlen sich sicher. Der Hypnotiseur geleitet Sie in einen entspannten Zustand, in welchem sich alles ausschließlich auf die Lösung Ihres Problems konzentriert. Der kritische Faktor ist ausgeschaltet und alles was der Hypnotiseur sagt, kann - solange es Ihrem eigenen Willen entspricht - ungefiltert in Ihr Unterbewusstes gelangen.
Sagen wir der Einfachheit halber, Sie wollen das Rauchen aufgeben und Sie wollen dies auch wirklich und selbst aus freien Stücken. Der Hypnotiseur suggeriert Ihrem Unterbewusstsein, wie gut Sie sich fühlen dürfen und wie leicht es sein wird, nie wieder zu rauchen. Sie nehmen diese Suggestionen an und voilá: Sie sind Nichtraucher! Aber warum braucht es dafür eine Hypnose? Tja, fragen Sie sich doch einfach einmal selbst, unabhängig davon, ob Sie Raucher oder Nichtraucher sind: Ist mit dem Rauchen aufzuhören schwer oder leicht? Ich vermute mal, dass auch Sie diese Sätze schon mal gehört haben: „Mit dem Rauchen aufzuhören ist nicht so einfach!“ - „Ich habe schon oft versucht aufzuhören, habe es aber nicht geschafft.“ - „Die Rückfallquote bei denen, die einfach so aufhören, liegt bei 95%.“ usw. Im Unterbewusstsein sind bereits diverse Programme gespeichert von Eltern, Freunden, Bekannten oder den Medien, die alle folgenden Inhalt haben: Mit dem Rauchen aufzuhören ist schwer! Diese Programme müssen zuerst einmal verändert oder gelöscht werden, bevor ein neues Programm laufen kann, und da die schon laufenden Programme im Unterbewusstsein gespeichert sind, setzt der Hypnotiseur genau dort an.
Es gäbe noch viele Dinge zur Hypnose zu sagen und ob es sich nun dabei um ein wissenschaftliches Fach oder um esoterischen Zauber handelt, lässt sich in dieser Kürze nicht klären.
Fakt ist, dass die Hypnose nach wie vor und völlig zu Recht eine große Faszination auf viele Menschen ausübt und dass sie ein Werkzeug darstellt, welches zu Unrecht lange im Verborgenen lag.


Der Autor Marcus Donath ist Magister der Soziologe
und Hypnosecoach im Institut für Körper, Geist und Seele „Ganzheitlich Ich“,
weitere Infos unter www.hypnose-coaching-berlin.de


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