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Ausgabe Februar 2011
Magie in Heilberufen - von Andreas Krüger

Meine offizielle Berufsbezeichnung in Deutschland ist „Heilpraktiker“. Aber zu diesem Wort habe ich keine große Affinität. Ich praktiziere Heil, ja, aber diese Worte drücken für mich nicht das aus, was ich tue. Irgendwann bin ich zu dem Wort Hexer gekomme

Als ich dann an der Samuel-Hahnemann-Schule und während meiner unzähligen Seminaren viele Frauen getroffen hatte, die mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit von sich behaupteten, dass sie Hexen sind, da bestätigte sich meine Vermutung, dass Hexen nichts Böses, sondern etwas Besonderes sind. Und dann habe ich mich etymologisch mit dem Wort beschäftigt: Hexer bedeutet nichts anderes, als „derjenige, der in der Hecke sitzt“.
Als wir anfingen vom mangoessenden Nomadentum zu einer Hirtengesellschaft überzugehen, haben wir um unsere Lager Hecken gebaut, um uns zu schützen und abzugrenzen. Gleichzeitig sind wir durch diese Abgrenzung aus der Einheit heraus gegangen. Ab diesem Moment gab es Menschen, die für die weitere Verbindung zur Einheit verantwortlich waren. Und da die Hecke uns von der anderen Welt abgrenzte, haben wir diejenigen als „die-in-den-Hecken-Sitzende“ genannt. Sie sitzen da, wo sich die Wirklichkeiten berühren. Und aus Hecke wurde irgendwann das Wort „Hexe“. Und hier finde ich mich wieder, denn genau das mache ich: Ich sitze in der Hecke, die Klienten kommen zu mir und ich vermittle zwischen den Welten. Ich bin ein Vermittler, Erinnerer oder Navigator. Auf meiner nächsten Visitenkarte schreibe ich zu den vielen Bezeichnungen wie Homöopathie oder Leibtherapie auch Hexerei. Für viele heilpraktizierenden Menschen ist Hexer mit schwarzer Magie und warzenbehafteten, buckeligen, bösen alten Frauen verbunden. Aber es macht deutlich, dass auch die, die das negative Bild haben, sich der Magie bewusst sind.
Kann man ohne Magie heilen? Ich behaupte: Nein. Denn es gibt keine Krankheit, die nur von dieser Welt ist, die nur aus dieser Dimension stammt, nur materiell ist. Jeder Heiler muss in der Hecke sitzen und Kontakt zur überweltlichen Wirklichkeit haben. Jeder Heiler muss magisch sein. Das kann er aber nur, wenn er es nicht - aus welchen Weltbildern auch immer - verleugnet. Heilung ohne Magie gibt es nicht. Das Problem ist: Den Sinn von Krankheit kann ich nur herausfinden, wenn ich in dieser Hecke sitze. Die Krankheit, die sich mir einfach zeigt, ist nur auf der einen Seite der Hecke die Abbildung des Problems. Die andere Seite – die auslösende Seite – ist auf der anderen Seite der Hecke. Da gibt es dann durchaus den Test, um das Energiesystems des Klienten zu befragen, aber um dann die Ursachen auf der anderen Seite der Hecke behandeln zu können – wie auch immer – muss ich schon ein Mensch sein, der Magie nicht verleugnet, sondern bejaht und auch gelernt hat, sie schamanisch, alchemistisch oder hexisch anzuwenden.
Magie ist die Fähigkeit, die beiden Seiten zu verbinden: Das nicht Sichtbare in unserer sichtbaren Welt wirken zu lassen. Ein großer Religionsphilosoph hat einmal gesagt: „Der Mensch der Zukunft wird ein mystischer sein oder er wird nichts sein.“ Ich würde sagen: „Der Heiler der Zukunft muss, wie der Heiler der Vergangenheit, ein magischer sein oder er wird nichts sein.“ Dazu müssen wir in diesem Leben als Heiler herausfinden, warum wir uns so sehr mit dem Begriff der Magie schwer tun. Radionische Testungen haben übrigens gezeigt: Die Menschen kommen zur Samuel-Hahnemann-Schule, weil wir uns zu unserer Magie bekennen.


Der Autor Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin.
weitere Infos: www.Samuel-Hahnemann-Schule.de


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