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Ausgabe Januar 2011
KGS Traumkolumne von Klausbernd Vollmar - Traum vom goldenen Ring


Vom Gold wurde seit ewigen Zeiten geträumt, meist als Ausdruck kollektiver Gier. Die Kirche versuchte seit dem Mittelalter mit Gold die Gläubigen zu blenden. Im 16. Jh. träumten vom Gold des Ostens all die Engländer und Holländer, die über die Nordostpassage nach Indien segeln wollten. Gleichzeitig träumten ihn die spanischen Conquistadores, die in Südamerika das Goldland sahen. Das Volk träumte bescheidener vom Goldesel.
Eine heutige Berlinerin träumte: Ich kann einen goldenen Ring nicht mehr von meinem Finger ziehen. Um an den Ring zu kommen, muss ich mir den Finger abschneiden.
Das begehrte Gold bringt im Traum, der Mythologie, in Literatur und Comic stets Unglück. König Midas wäre durch seine Gabe, alles zu Gold werden zu lassen, was er berührte, sicher gestorben, wenn die Götter diese nicht zurückgenommen hätten. In Tolkiens „Herr der Ringe“ bringt der Besitz des goldenen Rings genauso Unglück wie der Besitz des goldenen Helms in Walt Disneys Micky-Maus-Geschichte „Donald Duck und der goldene Helm“ (1951). Der negative Traum vom Gold verweist stets auf unsere Gier, die uns unglücklich macht und schadet. Wenn die Träumerin ihren Finger abschneiden muss, um an das begehrte Gold zu gelangen, schränkt sie ihre Handlungsmöglichkeit ein, sie wird unvollständig.
Die negative Sicht des Goldes wurde seit dem 19. Jahrhundert als versteckte Kapitalismuskritik angesehen, die man auch bei Tolkien vermutete, was dieser jedoch vehement ablehnte. Im Gegensatz dazu tritt ebenso die positive Sicht des Goldes auf, wie wir sie vom alten Ägypten und den Inkas her kennen. In dieser Weise träumte ein älterer Berliner, dass er eine mit vielen goldenen Fäden verzierte Kappe trage, ein Traum, der sogleich an Rembrandts „Der Mann mit dem Goldhelm“ erinnert. Statt um die verblendende Gier geht es hierbei um die Geistesklarheit, die so rein wie das Gold gedacht wird. Aus diesem Grund wurde in der christlichen Malerei seit der Renaissance der Heiligenschein oft golden gestaltet.


Klausbernd Vollmar ist Dipl. Psychologe und international bekannter Autor. Weitere Information unter www.kbvollmar.de


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