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Ausgabe Dezember 2010
KGS Traumkolumne von Klausbernd Vollmar - Abenteuer Traumarbeit

Haben Sie geträumt?
Sie haben es bestimmt, vielleicht können Sie sich nicht daran erinnern. Kein Problem: Eine zuverlässige Traumerinnerung ist schnell zu erlernen. Wenn Sie den Radiowecker abschaffen und sich von einem Intervallton wec

Warum soll man seine Träume erinnern? Das macht uns intelligenter, da uns im Traum das begegnet, was wir im Alltagsleben nicht sehen wollen. Der Traumregisseur reichert unsere automatisierte Tagessicht durch neue Aspekte an. Wir sehen neu, mehr und klarer.


Was ist der Stoff, aus dem die Träume sind?
25% unseres Schlafs verbringen wir im Traum, der unsere Wahrnehmung zu ändern sucht, um uns kreativer werden zu lassen. Träume sind Bewusstseinszustände, die aus relativ ungeordneten Erlebnissen und Vorstellungen bestehen. Sie wirken vom Tagesbewusstsein her betrachtet chaotisch, aber die Physik lehrt uns, dass hinter dem Chaos eine Ordnung steht. Wobei die Ordnung einer psychologischen entspricht.
Der Traum spricht unbeschreiblich weiblich. Er nutzt die Sprache des weiblichen Archetyps, der bildhaft viele Elemente zu verbinden sucht. Er schafft eine Synthese und damit ein Mehr an Sinn. Da wir jedoch im Alltagsleben die Sprache des männlichen Archetyps gewohnt sind, mutet uns die Information des Traums fremd an. Aber die symbolische Sprache der Träume ist wie eine Fremdsprache zu lernen - jedoch schneller.


Angst machen gilt nicht

Lassen Sie sich von Ihren Träumen erschrecken? Da träumt man vom Tod und meint, selbst bald sterben zu müssen. Da träumt man etwas voraus und meint, verrückt zu werden.
Diese Ängste kommen daher, dass wir verlernt haben, auf die Stimme des Nachtbewusstseins zu hören. Wer vom Tod träumt, wird selten damit auf seinen physischen Tod vorbereitet, sondern eine Verhaltensweise muss in ihm absterben, um für Neues Platz zu machen. Wer etwas vorweg träumt, der hat sich im Traum auf ein anderes Universum eingeschwungen, in dem die Zeit rückwärts läuft, wie es der Quantenphysiker J. Wheeler annimmt. Im Schlaf verändern sich unsere Gehirnrhythmen und damit stellen wir wie beim Radio den Empfang eines neuen Senders ein, zum Beispiel das Programm aus der Welt der rückwärtslaufenden Zeit.
Die Konfrontation mit der Traumwelt macht um so mehr Angst, um so fester man in der männlichen geprägten logischen Welt verankert ist. Das ist eine Einseitigkeit, die uns erstarren lässt. Diese Angst aufzulösen und einen produktiven Umgang mit der Sprache der Nacht zu fördern, ist eine der Aufgaben der Beschäftigung mit dem Träumen. Ich vermittle spielerisch in Kursen, die Sprache der Träume in der Weise zu verstehen, dass der Träumer Mut bekommt, seine Möglichkeiten zu leben.


Die vom Krankhaften besessene Sicht auf den Traum
In der Traumforschung geht es wie im Altersheim zu: Man spricht nur von dem Einen - der Krankheit. Alle tiefenpsychologischen Schulen gehen wie schon der griechische Heilkult des Asklepios davon aus, dass der Mensch träumt, um die Ursache einer Krankheit aufzulösen. Da die Traumdeutung vom Anfang an von Ärzten ausgeübt wurde, war der Blick auf das Heilen gewandt.
Wir sind alle fröhliche Neurotiker. Ein wenig Krankheit ist Individualität. So wichtig ich das Heilen finde, ist es mir jedoch mit der Perspektive auf die Krankheit unwohl. Ich halte es für produktiver, auf das Positive zu schauen und sich der kreativen Seite des Traums zuzuwenden. Statt als Verfilmung eines Traumas sehe ich den Traum als Quelle höchster Kreativität. Sobald wir in die Sphäre des Traums einsteigen, werden wir Künstler und gestalten unsere Welt selbst.

Das Atemberaubende der Traumwelten liegt darin, dass wir uns träumend an ein Kreativitätspotenzial anschließen und Ideen und neue Sichtweisen geboten bekommen. Wer sich regelmäßig mit seinen Träumen beschäftigt, der wird beweglicher und sicherer, da er sich auf seine innere Stimme verlässt, die aus einem viel größeren Überblick zeigen kann, was gut und was schlecht ist.
Klausbernd Vollmar ist Psychologe und freier Autor. Er lebt in England und leitet regelmäßig Traumgruppen in Berlin.

Weitere Info unter www.kbvollmar.de


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