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Ausgabe November 2010
Der Atem des Lebens - Das craniosakrale System. Ein Beitrag von Haidrun Schäfer

In der Craniosacral-Therapie - auf Deutsch "Schädel-Kreuzbein-Therapie" - werden manuelle Griffe vorwiegend im Schädelbereich und entlang der Wirbelsäule ausgeführt - allerdings wohnt diesen Berührungen ein gewisser Zauber inne.

Heute ist das craniosakrale System als ein dritter Körperkreislauf neben dem Blut-Herz-Kreislauf und unserem Atemrhythmus bekannt. Die zirkulierende Flüssigkeit wird Liquor genannt und fließt entlang des Rückenmarks zu den beiden Gehirnkammern. Dieses System übt einen großen Einfluss auf alle Körperfunktionen aus, weil es das Gehirn und das Rückenmark sowie die Hypophyse und die Zirbeldrüse umschließt. Gehirn und Rückenmark kontrollieren unser gesamtes Nervensystem, während Hypophyse und Zirbeldrüse für das endokrine System und die Hormone zuständig sind. Störungen in diesem komplexen und sensiblen System können zu vielfältigen Beschwerden führen. Das sind die Fakten.
Aber es scheint, dass es mit dieser Flüssigkeit etwas Besonderes auf sich hat. Sutherland bezeichnete sie als „Atem des Lebens“ und als „flüssiges Licht“. Inzwischen hat man auch herausgefunden, dass sich wirklich eine hohe Konzentration von Lichtphotonen im Liquor befindet. Da der Atem des Lebens oder die Lebenskraft etwas Immaterielles ist, kann man sie schwer mit Fakten „beweisen“. Es scheint, als ob sie sich den Liquor als Trägersubstanz ausgesucht hat und deswegen können über craniosakrale Berührungen entscheidende Impulse gegeben werden. Wichtig ist, dass der Behandler möglichst neutral ist und mit offenem Herzen arbeitet. Ziel ist die Unterstützung zur Selbstheilung, dass die innere Ordnung wieder hergestellt wird. Eine Behandlung setzt großes intuitives Einfühlungsvermögen voraus, denn der craniosacrale Puls lässt sich nicht mit Geräten messen und demnach auch nicht beeinflussen. Das einzige Diagnosemittel sind menschliche Hände und sie sind es, die mit sanften Berührungen an gezielten Stellen den Liquor führen und auch beeinflussen können.
Katja Neumann, die als schamanisch orientierte Heilpraktikerin auch mit craniosakralen Berührungen arbeitet: „Der zu Behandelnde liegt – möglichst entspannt – auf dem Rücken und der Behandler hält bestimmte Punkte. Oft fängt man an den Füßen an und spürt erst einmal in denjenigen hinein, um den Puls wahrzunehmen. Das kann einige Zeit dauern, bis eine Verbindung hergestellt werden kann. Dann beobachtet man, wie der Puls beschaffen ist: Ist er regelmäßig, ist er schwach, ist er auf einer Seite stärker als auf der anderen, läuft er rund oder ist er auf einer Seite fester. Dieser Puls setzt sich wie Wellen im ganzen Körper fort und deshalb kann man ihn auch in den Füßen spüren. Das ist etwas schwieriger, aber es geht. Viele Menschen möchten nicht gleich am Kopf angefasst werden und da ist es als Einstieg hilfreich, an den Füßen zu beginnen. Man kann auch an den Schultern anfangen, aber auch das mögen manche nicht, weil man da sehr nah am Atemapparat ist. Allerdings sind die Berührungen sehr zart – man kann es sich vorstellen wie einen leeren Briefumschlag, den man sich auf eine Stelle legt. Mehr Druck wird nicht ausgeübt. Es gibt allerdings Ausnahmen wie beispielsweise einen Griff, der etwas deutlicher ausgeführt wird, um Geburtstraumen aufzulösen.
Über die craniosakrale Arbeit bekomme ich einen Zugang über die körperliche Ebene. Wenn ich während einer Behandlung einen Punkt am Kopf halte und bestimmte Bilder bei mir auftauchen, kann ich denjenigen daran teilhaben lassen und ihn auch dazu befragen. So können wir gleichzeitig in der hiesigen körperlichen und in der nicht alltäglichen Wirklichkeit arbeiten.“


Literatur: John E. Upledger: Auf den inneren Arzt hören – eine Einführung in die Craniosacral-Therapie, Irisiana, 2006. Ramraj Urlich Löwe: Craniosacrale Heilkunst, Aurum, 2006


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