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Ausgabe Oktober 2010
Im Einklang mit der großen Seele
Ein Beitrag von Dr. Renate Wirth


Die systemische Therapeutin Frau Dr. Wirth leitet Aufstellungen überwiegend im Schweigen. Wichtig ist ihr eine Arbeitsweise im Einklang mit allen, die zum Familiensystem gehören und im Einklang mit der größeren Kraft, in die wir eingebunden sind. Das erfo

Eingebunden in ein größeres Ganzes

"Ich wollte nie so werden wie meine Mutter, und nun bin ich es doch" oder "ich versuche immer wieder etwas anders zu machen, aber ich komme immer wieder in die gleiche Situation". So und ähnlich beschreiben es die Menschen. Es ist das Gefühl, dass der eigene Wille Grenzen hat und Kräfte wirken, die sich unserem Denken und Wollen entziehen.
Die Aufstellungsarbeit zeigt, dass wir eingebunden sind in Kräfte, die weit über uns hinausreichen. Sowohl die moderne Quantenphysik als auch die alten und neuen Weisheitslehren sprechen von diesen Kräften. Rupert Sheldrakes prägte den Begriff des morphischen Feldes. Diese Felder sind genau so real wie andere Felder, wie Gravitationsfelder oder Magnetfelder, die wir normalerweise auch nicht mit bloßem Auge wahrnehmen können, aber an deren Existenz und Wirksamkeit niemand mehr Zweifel hegt. Morphische Felder sind überall präsent, von der Bildung eines Kristalles, einer Aminosäure und einer Familie, einer Organisation bis zur Bildung eines Planeten oder einer Galaxie. Jeder organische und anorganische Ausdruck im Kosmos hat sein eigenes morphisches Feld.
Zentrales Charakteristikum morphischer Felder ist, dass sie sich entwickeln, Informationen tragen und weitgehend unabhängig sind von Zeit und Raum. Der Einfluss der Vergangenheit ist damit immer gegenwärtig. Die Wirkung der morphischen Resonanz ist umso größer, je ähnlicher sich die Strukturen sind. So sind in jeder beliebigen Abstammungslinie zukünftige Generationen ihren Ahnen ähnlicher als alle anderen menschlichen Wesen.


Dem Unsagbaren begegnen
Morphische Felder bewegen sich und werden bewegt. Welche Kräfte diese Bewegungen bewirken, ist eine philosophische Frage. Hier begegnet die Aufstellungsarbeit dem Unsagbaren. Bert Hellinger verwendet die Begriffe Bewusstseinsfeld und wissende Felder und spricht von der großen Seele und von der Liebe des Geistes, die diese wissenden Felder bewegt.
Jeder Mensch empfindet sich als beseeltes Wesen, beseelt von einem Geist, der weit über uns hinausreicht. Was die Seele wirklich ist, wissen wir nicht. Die Seele spüren wir an ihren Bewegungen und deren Auswirkungen. Sie ist wissend, zielgerichtet, unabhängig vom Denken und Wollen, Frieden stiftend.


Die Seele will immer zur Liebe

Wir alle merken immer wieder, dass wir wie schicksalhaft eingebunden sind in die Systeme, in denen wir leben. Wir haben uns z.B. schon so viel bemüht, mit unseren Familien in Einklang zu sein, eine gute Paarbeziehung zu leben, erfolgreich und gesund zu sein, aber unter unseren bewussten Bemühungen auf der Persönlichkeitsebene liegen tiefere Bewegungen auf der Seelenebene, die oft andere Dynamiken haben als uns bewusst ist.

Die Seele hat ihre eigenen Gesetze. Sie will immer zur Liebe. Diese Liebe ist größer als das Leben und geht weit über den Tod hinaus. Wenn schicksalhafte Ereignisse in der Vergangenheit durch Traumata diese Bewegung nicht mehr möglich werden lassen, kommt die Bewegung zur Liebe zum Stillstand. Wir fühlen dies in sehr unterschiedlicher Form, als Trauer, Suche, Krankheit, Sucht, Erfolglosigkeit, in schwierigen Beziehungen und fehlender Kraft und Lebensfreude.

In der Aufstellungsarbeit können wir sehen, dass sowohl die Lebenden und die Verstorbenen einen Einfluss auf uns haben. Wir sehen, dass in dieser Arbeit Raum und Zeit aufgehoben sind. Wir fühlen die Gefühle von Menschen, die schon nicht mehr leben oder an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit leben. Wir fühlen sie oft mit der gleichen Intensität wie unsere eigenen Gefühle.

Aufstellungsarbeit in der Stille zeigt die tieferen Seelenbewegungen, die Problemen zugrunde liegen. Sie ermöglicht, dass blinde Liebe ans Licht kommt, sehend wird und sich wandeln kann.


Die innere Haltung

Wir sind nicht nur Einzelwesen. Dies erfordert eine besondere innere Haltung, natürlich im Alltag eines jeden Menschen, ganz besonders aber vom Aufsteller in der Aufstellungsarbeit.
Eine auf Dauer heilsame Lösung für den Klienten kann sich nur entfalten, wenn es eine heilsame Lösung für alle ist, die zum System des Klienten gehören. Dieses Vorgehen wertet nicht und übersteigt die Vorstellungen von Gut und Böse.
Die Lösung kommt aus der Stille. Sie entfaltet sich in der Aufstellung in der Stille von selbst als eigene innere Bewegungen, wenn alle im Raum gesammelt sind. Diese Art der Aufstellungsarbeit richtet den Focus auf die eigene innere Mitte aus. Es geht um die Wahrnehmung dessen was ist. Raum und Zeit der Alltagswahrnehmung heben sich auf. Wir fühlen Gefühle von Menschen aus einer anderen Zeit und einem anderen Ort.

Es öffnet sich ein weiter, offener Raum, in dem alles ohne Wertung sein darf, wie es ist. Dann können Bewegungen zum Ziel kommen, die schon lange darauf warten, sich vollziehen zu dürfen. Die Lösung vollzieht sich im Herzen. Sie macht uns nicht frei von der Bindung, sondern größer. Wir kommen in Einklang mit uns selbst, den Menschen, die uns umgeben, unserer Lebensaufgabe und unserem Lebensweg.

Die Autorin Dr. Renate Wirth arbeitet in ihrer Praxis für Systemaufstellungen bei Berlin mit Einzelaufstellungen.
Sie leitet Aufstellungsseminare in Berlin und an anderen Orten in Deutschland und bildet in Aufstellungsarbeit aus.


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