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Ausgabe Oktober 2010
2012 - Ergebnis einer falschen Berechnung?
von Armin Risi


Bereits im Herbst 2009 ging die Meldung durch die Medien, dass der gegenwärtige große Zyklus des Maya-Kalenders nicht an der Wintersonnenwende (21.12.) 2012 endet, sondern 208 Jahre später, wie Ergebnisse der neusten Chronologieforschung nahelegen, insbes

2012 in der wissenschaftlichen Maya-Forschung

Die Übertragung der Zeitangaben des Maya-Kalenders auf den christlichen Kalender stützt sich hauptsächlich auf Dokumente der spanischen Kolonialherrschaft aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Aber stimmte diese Übertragung? Nein, sagen heute einige Chronologieforscher und führen neue und gut fundierte Argumente ins Feld. Gemäß der bisherigen Datierung wurde die Blüte der Maya-Hochkultur auf die Zeit vom 3. bis zum 9. Jahrhundert n.Chr. angesetzt. Ab 900 n.Chr. begann der Niedergang der Maya-Kultur, die Städte wurden aufgegeben und die Bevölkerungszahl ging drastisch zurück.
Aus der Maya-Zeit sind verschiedenste Monumente erhalten, die Informationen über die Regierungszeit von Königen, über religiöse Ereignisse und über Kriege geben, aber auch über astronomische Ereignisse.
Andreas Fuls vom Institut für Geodäsie und Geoinformationswissenschaft der TU Berlin versuchte, diese Angaben mit der gängigen Chronologie in Übereinstimmung zu bringen, aber dies wollte nicht so recht gelingen. Immer wieder zeichnete sich ein Unterschied von rund 200 Jahren ab. Neue Anhaltspunkte für die Berechnung dieser Verschiebung ergaben sich, als Andreas Fuls die Angaben der alten Maya-Schrift - genannt "Dresdner Kodex" - mit Informationen auf den Maya-Monumenten verglich. Auch hier ergaben sich Diskrepanzen zwischen den astronomischen Angaben und der Kulturchronologie der bisherigen Zuordnung.
In seinem aktuellen Interview fasst er die Ergebnisse dieses Vergleichs wie folgt zusammen: "Das kann man in zwei Sätzen so sagen, dass ich in einer alten Maya-Handschrift - das Original liegt in Dresden - astronomische Informationen über die Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit der Venus gefunden habe; von Sonnen- und Mondfinsternissen zum Mars und auch zur Sonne. Diese habe ich dann verglichen mit steinernen Inschriften aus Mexiko und Guatemala und festgestellt, dass diese unter sich passen, aber nur dann mit der tatsächlichen Astronomie zusammenpassen, wenn man alles um 208 Jahre [nach vorne] verschiebt."


Neue Bestätigungen

Mittlerweile hat Andreas Fuls weitere Unterstützung bekommen und kann im Interview sagen: "Ja, ich bin mir sehr sicher." Bryan Wells, ein kanadischer Archäologe, der sich jahrelang mit der Astronomie des Dresdner Kodex befasst hat, kam unabhängig von Fuls zum selben Ergebnis. Weitere Unterstützung kommt von Alfonso Lakadena aus Madrid, der sich in seiner Doktorarbeit mit den Maya-Inschriften auseinandergesetzt hat und dabei erkannte, dass sich immer wieder Diskrepanzen mit einer "200- bis 220-Jahre-Lücke" ergeben, was genau mit dem astronomischen Ergebnis von 208 Jahren zusammenpasst.
Im Interview erwähnt Andreas Fuls, dass Nikolai Grube, Professor an der Universität Bonn und einer der weltweit renommiertesten Kenner der Maya-Kultur, sich noch am 20. November 2009 in der ZDF-Sendung aspekte sehr zurückhaltend geäußert habe. Prof. Grube hatte ebenfalls 2012 als das Ende des großen Maya-Kalenderzyklus berechnet, hatte sich aber immer von allen apokalyptischen Interpretationen dieses Datums distanziert.
"Es gibt nur eine einzige Inschrift, die über das Jahr 2012 berichtet, und da steht nur ganz lapidar der Satz: ›Der 13. Baktun, also die 13. 400-Jahres-Periode, wird sich vollenden.‹ Das ist alles. Was da passiert, wissen wir nicht. Aber für die Maya war das kein wichtiges Datum, sonst hätten sie weit mehr darüber geschrieben."
"Keine Inschrift und kein Codex der Maya enthalten Angaben über die Bedeutung dieses Datums, und keine Prophezeiung lässt sich finden, welche die Behauptungen über ein angekündigtes Weltenende stützen könnte." (Prof. Grube, zitiert im Zürcher TagesAnzeiger, 21. August 2009, "Weltuntergang muss verschoben werden".)
In der Zwischenzeit nimmt auch Prof. Grube die Theorie einer möglicherweise erforderlichen Korrektur der 2012-Berechnung um 208 Jahre ernst.


2012: Ausrichtung der Erde auf das galaktische Zentrum?

Findet aber 2012 nicht ein seltenes astronomisches Ereignis statt? Die Erde, unser Sonnensystem und das Zentrum unserer Galaxie werden sich in einer Anordnung befinden, wie es sie nur alle 26.000 Jahre gibt, lautet eine häufige Theorie. "Dieter Koch, Softwareentwickler und Experte für Archäoastronomie, hat nachgerechnet", heißt es im oben genannten Artikel des TagesAnzeigers. "Am 23. Dezember 2012 liegt das Zentrum der Milchstraße auf 27 Grad Schütze im Tierkreis der Astrologen und nicht auf 0 Grad Steinbock, dem Wintersonnenwendepunkt, wie behauptet. So lautet das Ergebnis des präzisen Computerprogramms. ›Das galaktische Zentrum wird erst Ende 2225 den Wintersonnenwendepunkt erreichen‹, sagt Koch."
2225 - das entspricht wiederum auffällig der Verschiebung um 208 Jahre. Haben die Mayas diesen besonderen galaktischen Zeitpunkt vorausgesehen?


Die Konstellation vom Dezember 2012

Zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende 2012 kommt es nicht zu einer spektakulären Himmelskonstellation, aber dennoch ist die Konstellation bemerkenswert. Im Buch von Adrian Gilbert und Maurice Cotterell, "Die Prophezeiungen der Maya" (1995, in deutscher Übersetzung 1998), wird diese Konstellation wie folgt beschrieben: "Am letzten Tag des Zeitalters, am 22. Dezember 2012, treten die kosmischen Zusammenhänge zwischen der Venus, der Sonne, den Plejaden und dem Orion wieder in Erscheinung. Denn so, wie die Venus zum ersten Zeitpunkt tatsächlich ›geboren‹ wurde - wobei die Plejaden mit ihrem Meridiandurchgang zur Morgendämmerung diese ›Geburt‹ ankündigten -, so ›stirbt‹ sie dann symbolisch. Mit Hilfe des SKYGLOBE-Programms lässt sich errechnen, dass kurz vor Sonnenuntergang am 22. Dezember 2012 die Venus am westlichen Horizont untergeht und gleichzeitig die Plejaden am östlichen Himmel aufgehen. Genau wenn die Sonne untergeht, geht der Orion auf [...]." (S. 260f.)
Auch Astrologen weisen darauf hin, dass wir heute in einer Zeit leben, in der große Wandlungen angezeigt sind. 2008 trat Pluto in das kardinale Zeichen Steinbock ein, Saturn und Uranus treffen sich am 26. Juli 2010 in exakter Opposition (Saturn 1° Waage und Uranus 1° Widder). Saturn bewegt sich vom Oktober 2009 bis Oktober 2012 im Sternzeichen der Waage. Saturn in der Waage bedeutet, vereinfacht ausgedrückt, Erschütterung alter Muster und gleichzeitig auch ausgleichende Gerechtigkeit. Wenn Saturn in der Waage auch noch in direkter Opposition auf Uranus trifft, so kann dies interpretiert werden als Konfrontation des Alten mit dem Neuen, wobei die Vertreter der alten Machtstrukturen versuchen könnten, diese Struktur "mit allen Mitteln" aufrechtzuerhalten. Für viele Astrologen weist die Gesamtheit der Konstellationen bis 2012/13 jedoch auf die Möglichkeit eines grundlegenden Neuanfangs hin.


Die Botschaft von "2012" und die Bedeutung der kalendarischen 2012-Korrektur

2012 ist also möglicherweise nicht der Endpunkt des großen Zyklus des Maya-Kalenders, aber diese Zahl symbolisiert dennoch die Zeit des großen Wandels, in der wir heute leben. Die Verschiebung des Zyklus-Endes um 208 Jahre kann uns jedoch signalisieren, dass wir in den nächsten Jahren nicht allzu ungeduldig auf Wunder und Weltenretter hoffen sollen - denn dies könnte eine große Täuschung mit entsprechenden Ent-Täuschungen sein, wovor wir ebenfalls gewarnt wurden -, sondern dass wir die zeitlose Botschaft von "2012" in unserer Zeit umsetzen sollten, nämlich: Wirkliche Veränderungen im Äußeren beginnen in unserem Bewusstsein, das heißt in einem grundlegenden Paradigmenwechsel, der zu einer Überwindung der heute vorherrschen Spaltung führt. Diese Spaltung führte zu zwei Arten von einseitigen Weltbildern (Atheismus und Monotheismus), was bedeutet, dass die Menschheit ihre Mitte und ihre Ganzheitlichkeit verloren hat. Das ist die Bedeutung der Aussagen der Maya-Schamanen, die immer wieder betonen, die Hauptaufgabe der Menschheit sei heute "das Wiederfinden des Gleichgewichts". Das ist keine oberflächliche Floskel, sondern eine tiefe Weisheit, die nach "radikalen" Konsequenzen in den heute vorherrschenden religiösen und zivilisatorischen Weltbildern ruft.


Mit freundlicher Erlaubnis des Autors aus: Kopp Online.
Den ausführlicheren Beitrag finden Sie unter http://info.kopp-verlag.de/neue-weltbilder/neue-wissenschaften/armin-risi/

Der freie Autor Armin Risi (geb. 1962), lebte als Mönch für 18 Jahre in vedischen Klöstern in Europa und Indien; seit 1998 freischaffender Schriftsteller, Referent und spiritueller Berater; ist Autor von drei Gedichtbänden und sechs spirituell-philosophischen Grundlagenwerken.

www.armin-risi.ch


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