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Ausgabe September 2010
KGS Traumkolumne von Klausbernd Vollmar - Wilde Träume

Klausbernd Vollmar ist Diplom-Psychologe und Autor zahlreicher psychologischer Bücher zum Thema Traum und Traumsymbolik, er lebt in England und leitet regelmäßig Traumgruppen in Berlin.

Intuition und innere Stimme: Das sind die prädestinierten Felder des Traums, denn jeder Traum ist ein Fenster in unser Inneres. In meiner fünften Kolumne besprach ich den Traum von der verdrängten Angst vor der Unendlichkeit. Aber nicht nur auf verdrängte Ängste macht unsere innere Stimme im Traum aufmerksam, sondern genauso häufig auf verdrängte Wünsche. Freud nahm gar an, dass in jedem Traum unsere innere Stimme uns auf einen Wunsch aufmerksam macht. So wurden mir häufig Träume zugesandt, in denen Frauen mit gesichtslosen Partnern wild verkehrten. Ja, die innere Stimme ist ganz und gar nicht so moralisch wie wir. Sie sagt, "was Sache ist": "Du willst wilden Sex, der Partner ist dir völlig egal."

Viele haben ein schiefes Konzept der inneren Stimme als etwas "Heiliges". Bei der Traumbetrachtung wird deutlich: Die innere Stimme ist sexy, tabulos, ironisch und witzig, dazu oftmals unterhaltsam. Erinnern Sie sich an meine dritte Traumkolumne? Dort verkaufte der Träumer den Engelchen blaue Pariser. Welch eine köstliche und zugleich tiefsinnige Ironisierung des Engelkults. Und schrieb nicht schon Freud über den Witz und seine Quellen im Unbewussten, eben jenen Ort, aus dem die innere Stimme spricht und unsere Intuition gespeist wird. Viele Probleme, ob Alltagsprobleme oder in der Forschung, wurden durch die Intuition, die im Traum spricht, gelöst. Elias Howe träumte die Erfindung der Nähmaschine. Er saß bei den Wilden im Kochtopf. Diese umtanzten ihn mit Speeren, die unten ein Loch aufwiesen. Die Intuition sagte ihm: Das Öhr muss unten in der Nadel der Nähmaschine sein. Es ist ein großer Vorteil der Intuition und unserer inneren Stimme: Sie scheren sich wenig um Konventionen. Klar, die Konvention war, oben in der Nadel ist das Öhr, aber bei der Nähmaschine war so die Fadenführung unmöglich. Sollte es sein, dass konventionelle Ideen weder von der Intuition noch von der inneren Stimme inspiriert werden, sondern einer geistigen Trägheit entsprechen?



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