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Ausgabe September 2010
Seelenflug Parakash Galle

Intuition und „Geführt-werden“ sind die Fundamente der Arbeit von Parakash, dessen Bandbreite von bodenständiger Energiearbeit bis hin zu spiritueller Körperarbeit reicht. Haidrun Schäfer im Gespräch mit Parakash Galle.

Haidrun Schäfer: ResonanzRaum - so hast du den Ort genannt, an den man sich begibt, wenn man zu dir kommt. Wer oder was geht da in Resonanz?

Parakash: Seelen! In meiner Arbeit geht es darum, den Kontakt zu sich, die Einheit von Körper und Seele zu erleben und sich dann der Verbundenheit mit dem Ursprung des Seins wieder bewusst zu werden. "Ich habe vergessen, durch welche Tür ich kam" - diese Textzeile aus einem Lied beschreibt sehr treffend die Situation, in der sich viele Menschen befinden. Ich unterstütze Menschen, diese "Tür" durch Körper und/oder Seele wieder zu entdecken - sie zu erforschen und durch sie hindurch zu gehen. Und hinter dieser "Tür" finden wir dieses Etwas - diesen Raum. Deshalb nenne ich diesen Raum "ResonanzRaum". Hier entsteht Raum, wo alles in und aus Resonanz geschieht.


Und womit arbeitest du?

Ich biete bodenständige Energiearbeit und spirituelle Körperarbeit. Es geht mir darum, Menschen in das Erfahren von Körper und dann jenseits vom Körper zu begleiten. Sowohl in der Massage- als auch in der Energiearbeit richten die Menschen zuerst den Fokus auf das eigene Fühlen und den Körper, aber dann merken sie, dass diese (Körper)Form nicht statisch, eigentlich formlos ist. Nach einer Flow-Massage fühlen sich viele ohne Konturen und ganz weit. Damit lösen sich die trennenden Grenzen von Ich und Du auf. Und dann kann Verbindung entstehen - weit über die Körper hinaus, aber ausgelöst durch körperliche Empfindungen. Ich nutze gern den Körper, um mit dem zu verbinden, was wir Seele, Energie, Raum nennen können. Nicht in Sekundenschnelle von hier nach da gebeamt, sondern über das Fühlen.
"Ohne Worte" wäre eine passende Bezeichnung für meine Arbeit. Worte beschäftigen den Verstand und der Verstand ist etwas, dass uns eher voneinander trennt. Jeder Mensch hat eigene Meinungen und eigene Sichtweisen und da unterscheiden wir uns. Mir geht es aber immer um das Verbindende. Es gibt eine schöne Geschichte von einem Zen-Meister, der von seinen Schülern gefragt wird, was er sieht, wenn er sie anschaut und er sagt: "Ich sehe Buddhas - bis ihr den Mund aufmacht."
Meine Arbeit führt ins Nichts, in ALL(es) - in die Auflösung von festen Identifikation. Ich stimme mich auf diesen Energieraum ein, mein Ich als Parakash löst sich in dieser Energie auf und werde zu einem Transformator, durch den sich etwas ausdrückt. Dieses Etwas möchte ich für andere fühlbar machen, bzw. es erwecken. "Nicht wissen, ist das Intimste" - das ist für mich die tiefste Erkenntnis und gleichzeitig Basis meiner Arbeit.
Während meiner Ausbildung bei Michael Barnett hatte ich ein schönes Erlebnis, das vielleicht verdeutlicht, was dieses "Nicht wissen" für mich ist. Wir sollten eine intuitive Aufstellung in einer kleinen Gruppe von fünf Leuten machen. In meiner Gruppe gab es einen Teilnehmer, der mir eher unsympathisch war. Die Aufgabe war aber, nur energetisch zu arbeiten. Interessanterweise stand bei meiner Aufstellung dieser Mensch ganz nah an mir dran und seine Energie fühlte sich richtig gut an. Seine äußere raue und poltrige Schale war durch das ausschließliche Energie fühlen in den Hintergrund getreten und ich fühlte mich mit diesem Menschen jetzt sehr verbunden. Und andere, die mir sympathisch waren, standen weiter weg. Mein Lehrer sagte mir damals, dass es auf diesen inneren "Energieblick" ankommt und nicht auf die Äußerlichkeiten. Diesen Blick zu schulen, das ist mir wichtig - damit arbeite ich.


Aber derjenige war doch poltrig und unsensibel. Was ist mit den Schatten?

Viele Menschen versuchen, ihre Schattenseiten auszublenden. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass wir - gerade, wenn wir uns spirituell öffnen wollen - auch unsere dunklen Seiten annehmen müssen. Das Yin-Yang-Zeichen steht für Vollkommenheit und wenn wir die Schatten ignorieren, fehlen in dem wunderschönen Zeichen im schwarzen Teil lauter Stückchen und damit ist die Vollkommenheit zerstört. In meiner Arbeit dürfen die Schatten sein und ich begegne ihnen mit authentischem Mitgefühl. Es gibt zwei Buddhaformen, die mich tief inspirieren. Zum einen die Tara - das "mütterliche" Mitgefühl - und zum anderen Mahakala - der Buddha des zornvollen Mitgefühls. Dieses zornvolle Mitgefühl kann manchmal Bahn brechen, wozu die Tara-Qualität nicht ausreicht.
Ich bin immer in Resonanz mit meinem Gegenüber, jede Re-Aktion entsteht aus diesem in-Kontakt-sein. Authentisches Mitgefühl bedeutet für mich aufrichtiges Mitgefühl, welches alle Qualitäten des Seins in sich trägt. Ich stehe nicht als Therapeut über den Dingen, sondern fühle mich als Begleiter. Jede Begegnung ist daher für mich eine mit-menschliche und der Mensch in seiner Ganzheit mein Fokus. Mich interessieren dann erst zweitrangig Symptome und Krankheitsbilder.


Mit welchen Motivationen und Zielen kommen die Menschen zu dir?

Die Tür ist für alle Menschen offen. Die Arbeit, die ich anbiete, nutzen Menschen ganz unterschiedlich. Manche nehmen bei der Flow-Massage "nur" den Wellnessaspekt wahr, ohne die Seele berühren zu lassen - oder sie kommen gerade wegen der Körper- UND Seelenberührung. Andere kommen mit konkreten Anliegen, wenn sich z.B. negative Muster immer wieder in ihren Leben wiederholen und wieder andere kommen mit einer ganz unspezifischen Suche. Dann gibt es Menschen, die in BeRUFungsprozessen stecken, denn manchmal geht der Lebensweg anders weiter als man dachte, weil die Seele einen anderen Weg aufzeigt. Und um ihre Stimme besser zu verstehen, bietet meine Arbeit verschiedene Wege des Lauschens. Manche Menschen möchten ihr Wesen besser verstehen - z.B. Leidvolles heilen und wandeln. Und dazu ist es notwendig zu sehen und zu fühlen, was einen geprägt hat - die Lebenstatsachen anzuerkennen. Für mich persönlich war die Heil- und Transformationsarbeit sehr wichtig, da ich in einem Elternhaus aufgewachsen bin, in dem Gewalt ein Thema war - um heute diese hohe Sensibilität zur Verfügung zu haben. Wir können nur das heilen, was wir uns anschauen. Und damit wird Kraft frei, die wir neu nutzen können - in meinem Fall, nicht um zu zerstören, sondern immer, um das höchste Wohl anzustreben. Erst wenn wir die Prägung annehmen, kann sie sich wandeln.


Gibt es ein konkretes Beispiel von jemandem, der einen Wandlungsprozess an deiner Seite gemacht hat?

In all den Jahren ist es sehr oft zu erstaunlichen mystischen und plötzlichen Heilungsereignissen gekommen, dass Menschen Licht sehen, Energie fühlen oder raum- und körperlos werden und damit verbunden tiefe Einsichten erlangen und oder Heilung geschieht. Ein markantes Beispiel ist die Begegnung mit einem Mann, der das sogenannte Asberger-Syndrom hatte. Dieser Mann konnte kaum Berührungen und auch schwer Beziehungen zulassen und spürte sich selber wenig. Es verwundert nicht, dass dieser Klient sehr auf seinen Kopf vertraute und auch der Klassifizierung seines Symptoms große Wichtigkeit beimaß. Wir haben die Arbeit mit einer Aufstellung begonnen, bei der die Beziehungslosigkeit im Raum und zu mir deutlich wurde. Die ganze Zeit habe ich bewusst Worte außen vor gelassen und nachdem das innere Bild der Beziehungslosigkeit aufgestellt war, habe ich gezielt ein ganz bestimmtes Lied aufgelegt und ihn dann sanft an den Schultern berührt - ihn, der keinen Körperkontakt ertragen konnte. Dieser Mann ließ sich in meine Hände fallen und ist in Tränen ausgebrochen und dann war es so, als wenn er seine Flucht aufgab - die Flucht vor Kontakt, vor Gefühlen, vor Nähe. Auf einmal "verschwand" seine Krücke "Asberger-Syndrom" und er nahm mich einfach nur als mitfühlendes Wesen wahr. Seine Seele kam mit der Energiequelle in Kontakt und das war sehr heilsam. Heilung beinhaltet viele Faktoren - Heilung geschieht, wenn der Wille da ist, wenn die richtige Zeit da ist, wenn Gnade da ist. Heilung ist ein vielschichtiger Prozess.


Was bedeutet der Name "Parakash"?

Mein Lehrer hat mir damals gesagt: "Parakash bedeutet ‚großes Licht' - aber es ist nicht dein Licht. Du musst dich dem Licht öffnen und dann arbeitet das Licht durch dich hindurch. In dem Moment, wo du versuchst, das Licht zu greifen, ist es weg." Deshalb übe ich mich immer weiter in der Hingabe - weg von einem "Machen" hin zu einem Geschehenlassen. Wenn diese Hingabe da ist, dann geschieht etwas, auf das ich und mein Gegenüber keinen Einfluss haben, was aber immer heilsam ist.


Alles Gute dir und deiner Arbeit!



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