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Ausgabe September 2010
Über die Kraft der Intuition von Jochen Meyer

Unser inneres Potenzial entfalten
Im Einklang mit uns sein, unserer inneren Stimme folgen; spüren, was richtig ist und gute Entscheidungen treffen: Wir alle wünschen uns das – und wir alle haben das Potenzial dazu in uns. Die Frage ist nur: können wir die

Wer mit seiner Intuition verbunden ist, erlebt sie wie einen inneren Kompass oder ein inneres Geführtwerden. Ich selbst fühle mich in "intuitiven Momenten" mit meinem Inneren verbunden und in Kontakt mit meinem inneren Wissen. Das, was mir an Einsichten zugänglich wird und wonach ich dann mein Verhalten ausrichte, fühlt sich stimmig an und kommt aus einer tiefen inneren Quelle, auf die ich mich meist unzweifelhaft verlassen kann. Aus psychologischer Sicht können wir Intuition als eine innere Ressource beschreiben, als inneres Wissen oder ein inneres Erkenntnisvermögen. Es handelt sich um ein gefühltes Wissen, das wir umgangssprachlich oft als "Bauchgefühl" bezeichnen und so vom Kopf und seinem Denkvermögen - dem Verstand - unterscheiden. Mit dem Kopf können wir uns zwar Urteile, Ansichten und Meinungen bilden, diese aber bleiben stets relativ, vorübergehend und abhängig von äußeren Einflüssen. Dieses Wissen ist anfechtbar und bietet keine sichere Basis zur Orientierung in grundsätzlichen Lebensfragen. Das intuitive Wissen hingegen empfinden wir als stimmig, unsere Intuition vermittelt uns "Ein-Sichten" in tiefere Zusammenhänge und größere Wahrheiten. Denkurteile beruhen im besseren Fall auf langwierigen Prozessen des Vergleichens und Abwägens - allzuoft aber auch nur auf unfruchtbaren Grübeleien. Intuitive Eingebungen dagegen kommen meist spontan und mühelos zustande und beschenken uns durch das sichere Gefühl: "So ist es und nicht anders - jetzt weiss ich, was ich zu tun habe".

Leider kann das, was uns sicher erscheint und was wir für intuitive Eingebung halten, auch falsch sein. "Ich war mir sicher: diesmal ist es der Mann für's Leben - doch nach einem Jahr musste ich erkennen, dass er genauso unverbindlich war wie alle früheren Partner, die ich mir gesucht habe." Wer hat solche oder ähnliche Erfahrungen nicht gemacht? Hier werden intuitive Ahnungen durch unbewusste Prägungen überlagert und so in ihrer Wirkung gestört. Um zu erkennen, ob wir unserer Intuition vertrauen können oder nicht, ist es hilfreich zu verstehen, was Intuition nicht ist und wovon wir sie unterscheiden müssen: von unseren Projektionen.


Intuition oder Projektion?

Bei Intuitionen handelt es sich tatsächlich um Eingebungen, die uns mit der Wirklichkeit verbinden und um Einsichten, in denen sich grundsätzliche Wahrheiten manifestieren. Projektionen hingegen sind Überzeugungen, die wir der Wirklichkeit überblenden. Sie haben mehr mit uns zu tun als mit den Dingen selbst.
Sobald wir erkennen, wo wir Intuition und Projektion verwechseln oder wo sie sich vermischen, können wir lernen, innezuhalten und genauer auf unsere inneren Stimmen zu achten. Was kommt wirklich von innen? Was spüren wir, wenn wir nach innen lauschen? Und was denken wir, wie die Dinge sind oder zu sein hätten? So können wir realisieren, wo wir unseren eigenen Vorurteilen oder Wunschgedanken auf dem Leim gehen und wo wir uns selbst, unser Kind, unseren Partner, einen Freund oder eine Kollegin gerade wieder einmal idealisieren, verkleinern oder anderweitig "verzerren". Vielleicht erkennen Sie nun auch besser, wodurch Sie die Wirkung Ihrer intuitiven Fähigkeiten sabotieren: Selbstzweifel, Misstrauen, Anspannung, unbewältigte Ängste, zwanghaftes Denken, Identifiziertsein mit Vorstellungen und Meinungen, Kontrollsucht; letztlich steht jede Form von Selbstentfremdung einer gesunden Intuition im Wege.


Wie Sie die Entfaltung Ihrer intuitiven Fähigkeiten fördern können

Intuitionen entstehen bekanntlich "von allein", wenn wir entspannt sind und gerade nichts tun: Ich zum Beispiel habe meine tiefsten Eingebungen oft morgens beim Wachwerden, in der Mittagspause oder beim Spazierengehen. "Ich will jetzt sofort intuitiv sein!" Sie spüren vermutlich sofort, dass diese Absicht kontraproduktiv ist - Intuition hat nichts mit Wollen oder Machen zu tun; vielmehr mit Innehalten, Hinspüren, sich Zeit nehmen. Hilfreich ist eine einladende Atmosphäre und eine wohlwollende Neugier auf sich selbst. Menschen, die ihre Intuition gezielt einsetzen, haben gelernt, sich leer zu machen und schalten von "senden" auf "empfangen" um. Sie sind offen wie spielende Kinder, die absichtslos und voller Hingabe von Moment zu Moment leben und ganz mit ihrem Tun im Einklang sind. Intuition geschieht nach dem Grundsatz: Sobald wir nichts mehr erreichen wollen, zeigt sich das Wesentliche von selbst.

Gerade im Bereich von Partnerschaften ist es wichtig, sich auf seine Intuition verlassen zu können. Wenn ich meine inneren Stimmen nicht höre und meine Herzensanliegen nicht äußern kann, wie soll mein Partner oder meine Partnerin sie mir dann erfüllen? "Woran erkenne ich, ob diese Frau / dieser Mann zu mir passt?" - "Kann ich meinem Gefühl trauen, das mich zu einem bestimmten Menschen hinzieht?" - "Welche Werte, Wünsche und Bedürfnisse muss meine Partnerin oder mein Partner mit mir teilen?" - "Wie viel Raum brauche ich für mich? Und wie viel Nähe ist gut für mich?" - "Wie kann ich meine gegenwärtige Beziehung weiter entwickeln? Ich spüre doch, dass etwas fehlt." Fragen wie diese lassen sich nicht mit dem Kopf beantworten - hier brauchen wir unsere Intuition. Den Weg nach innen gehen, dem Spüren mehr Raum geben, die Antworten nicht nur im Außen suchen - wir haben heute viele hochwirksame Werkzeuge und Methoden, um dies gezielt zu üben. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich viel verändert, wenn wir hier aktiv werden und unserem inneren Wissen mehr und mehr folgen. Wir alle können unser inneres Potenzial, diese schon immer vorhandene ureigenste Kraft, in uns wiederentdecken und entfalten.


Der Autor Dr. phil. Jochen Meyer ist CoreDynamik-Trainer und -Therapeut
weitere Info unter www.jochen-meyer-coaching.de


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