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Ausgabe Juli 2010
Heilpflanzentipp: Sommerzeit - Sonnenzeit
von Natascha von Ganski


Blüten und Blätter vieler Heilpflanzen stehen nun in ihrer vollen Kraft und können als Vorrat für die kalte Jahreszeit, gesammelt und haltbar gemacht werden.

Allen voran sei hier das Johanniskraut (Hypericum perforatum) genannt. In ihren Blüten hat es reichlich Sonnenkraft und Licht gespeichert und schenkt uns in der Winterzeit reichlich Wärme und Zuversicht.

Das Johanniskraut ist im Berliner Umland auf trockener und sonnenbeschiener Erde leicht zu finden. Es sollten an regenfreien Tagen zur Mittagszeit die oberen Stängel mit Blüte geerntet und auf einem Tuch an einem schattigen Platz getrocknet werden. Eine traditionelle Rezeptur ist das Rotöl, das bei Verbrennungen – auch Sonnenbrand – hilfreiche Dienste leistet. Hierfür die frisch gesammelten Johanniskrautblüten in ein Schraubglas geben und mit einem guten Olivenöl übergießen. Das Verhältnis von Blüten zu Öl sollte in etwa 1:3 betragen. Das Glas gut verschließen, an einen sonnigen Platz stellen und täglich schütteln. Nach 3 bis 5 Wochen nimmt das Öl eine tiefrote Farbe an. Nun werden die Blüten durch ein Sieb abgeseiht und das fertige Rotöl an einem dunklen Ort (Küchenschrank oder Kammer) ca. 1 Jahr aufbewahrt. Es eignet sich hervorragend zum Einreiben der Haut, bei Nervenentzündungen, Ischias oder bei Sehnen und Knochenschmerzen die sich besonders an Tagen mit Wetterwechsel bemerkbar machen.

Eines der heimlichen Königskräuter der Alchemisten ist der Spitzwegerich. Er muss nicht unbedingt nach komplizierten Abläufen in einem Labor destilliert, calciniert oder rectifiziert (= wiederholtes Reinigen und lösen von Substanzen) werden, damit wir seine Kräfte nutzen können. Es genügt, die frischen Blätter, die auf saftigen und fetten Wiesen wachsen, abwechselnd mit Zucker in einem Einwegglas mit großer Öffnung zu schichten und der Natur ihren Lauf lassen. Die frischen Spitzwegerichblätter verflüssigen mit ihrem Saft den Zucker, so dass sich nach 6-8 Wochen ein feiner Spitzwegerichsirup bildet. Nur noch durch ein grobes Sieb die Blätter abseihen – fertig ist der selbstgemachte Spitzwegerichsirup. Ein Wirkstoff des Spitzwegerichs, das Aucubin, besitzt eine antibiotische Wirkung und hat sich bei Erkältungen sehr gut bewährt. Bei der Trocknung der Blätter, geht das Aucubin allerdings verloren, so dass ein Tee eher ungeeignet ist.

Neben der Melisse galt die Schafgarbe (Achillea millefolium) als eine der wichtigsten und mächtigsten Heilpflanzen bei Paracelsus. Er musste es wohl wissen, denn als Feldarzt hat er viele Verletzungen und Wunden zu heilen vermocht. Die Augenbraue der Venus, wie die Schafgarbe auch genannt wird, hat schon vielen Frauen hilfreiche Dienste erwiesen. Als Tee bei Menstruationsbeschwerden aller Art, verschafft die Schafgarbe Linderung und mildert auf sanfte Art zu starke Blutungen ab. Die Schafgarbe ist auf trockenen Wiesen zu finden und an ihren leuchtend weißen Korbblüten leicht zu erkennen. Aus den frischen Blüten lässt sich leicht eine Tinktur herstellen. Hierzu wird lediglich ein 37-40 %iger Alkohol (ich persönlich bevorzuge Grappa - ein Korn tuts aber auch) benötigt und wieder ein Schraubglas. Das Glas zu einem Drittel mit Schafgarbenblüten füllen und mit Alkohol aufgießen, verschließen und täglich schütteln. Nach ca. 3 Wochen die Blüten durch ein Sieb abseihen. Bei langanhaltenden und schmerzhafter Mens, von der Schafgarbentinktur 12-15 Tropfen in einen Tee aus Frauenmantelblätter und Beifußkraut geben und eine Woche vor Einsetzen der Regel 1-2 Tassen trinken.

Überhaupt – Beifuß (Artemisia vulgaris)! Nicht umsonst haben unsere Vorfahren dieser Pflanze, welche der Artemis geweiht ist, diesen passenden Namen verliehen. Es wächst in der Stadt an jeder Straßenecke und erinnert uns, sie öfters zu gebrauchen. Gesammelt werden sollte sie natürlich an unbelasteten Stellen. Allerdings hat es die Natur schon klug eingerichtet, dass die hier vorgestellten Pflanzen im Grunde alle auf einer Wiese wachsen. Nur finden muss sie die oder der Sammler schon selber.
Beifußblätter werden seit Generationen als verdauungsförderndes Gewürz zu fetten Speisen gereicht. Neben verdauungsfördernden Bitterstoffen, besitzt Beifuß eine antimikrobielle und fungizide (gegen Pilze wirkend) Eigenschaft. Ein Fußbad mit Beifußblätter und Ringelblumenblüten erwies sich als hilfreich bei hartnäckigem Fußpilz. Dafür je eine Hand voll der genannten Pflanzen in zwei Liter nicht mehr kochendem Wasser 12-15 Minuten ziehen lassen. Durch ein Sieb abseihen und die “Fußbadschüssel” mit zusätzlichem Wasser aufgießen. Die Füße sollten mind. 25 Minuten in diesem Kräuterabsud verbleiben.

Für mich beginnt der Sommer, wenn der Steinklee (Melilotus officinalis) blüht. Kaum zu glauben, aber auch dieses Venentonikum wächst zwischen Gehweg und Parkzone inmitten der Stadt. Der hohe Anteil an Cumarinen verleiht dem Steinklee einen betöhrend-betäubenden Duft, der an Waldmeister erinnert. Cumarine sind pflanzliche “Blutverdünner” und beugen Thrombosen vor. Zudem fördern sie den Lymphabfluss und helfen bei schweren Beinen und Neigung zu Ödemen. Hierzu wird er als Tee einegnommen. Schwangere und stillende Frauen sollten auf den Steinklee allerdings verzichten. Die oberen Stängelanteile können zur Blütezeit (Juni-August) gesammelt und in kleinen Bündeln zusammengenommen an einem schattigen Platz getrocknet werden. In ein Kissen eingenäht, verleiht er leichte Träume und einen erholsamen Schlaf.

Die Autorin Natascha von Ganski ist Begründerin und Leiterin der alcimia Heilpflanzenschule in Berlin.
Infos unter: www.alcimia.de



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