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Ausgabe Juli 2010
"Gottes geheime Gedanken"
Interview mit dem Autor des BuchesVolker J. Becker


Die Frage nach dem Ursprung und der Entstehung unseres Universums gibt den Menschen bis heute Rätsel auf. Der Autor Volker J. Becker, Physiker und Kenner östlicher Weisheitssysteme, hat seine Sicht der Dinge vor kurzem als Buch vorgelegt. Wir befragten ih

Herr Becker, gab es einen Urknall?

Nun, dass es vor etwa 13,7 Milliarden Jahren den Urknall, also einen Anfang des Universums gegeben hat, gilt als wissenschaftlich erwiesen. Edwin Hubble konnte in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts nachweisen, dass sich alle Galaxien im Kosmos voneinander entfernen, und ihre Fluchtgeschwindigkeit bestimmen. 1978 wurden die Physiker Arno Penzias und Robert Wilson für die Entdeckung der 3-Grad-Kelvin-Hintergrundstrahlung mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Diese Strahlung, über den ganzen Kosmos homogen verteilt, gilt als Restwärme der gigantischen Urexplosion, als Nachhall der Schöpfung. Dies beweist, dass es tatsächlich einen Urknall gegeben hat.


Wie hat sich unser Universum, vom Urknall ausgehend, bis heute entwickelt?

Unser Universum hat sich aufgrund einer Kette von Ereignissen zu dem entwickelt, was wir heute beobachten. Diese Kette von Ereignissen lässt sich bis zum Urknall zurückverfolgen, so dass damit sogar die Entstehung von Materie und Energie aufgrund von Quantenprozessen aus dem Nichts erklärt wird.


Materie und Energie entstehen aus dem Nichts?

In Experimenten mit Teilchenbeschleunigern haben Physiker die Entstehung von Teilchen aus dem Nichts nachgewiesen. Bei diesem Prozess verhält es sich so, dass mit der entstehenden Materie immer auch die gleiche Menge Antimaterie entstehen muss, sodass unter dem Strich immer wieder das Nichts herauskommt. Die Energie von Materie und Antimaterie ergibt wieder null! Sie können sich das in etwa so vorstellen: Ihr Konto hat den Stand null. Wenn Sie jetzt 5 Euro überziehen, also minus 5 Euro haben, haben Sie dafür 5 Euro plus in der Hand, aber unter dem Strich sind es immer noch null Euro.

Aber wenn mit einer bestimmten Menge Materie immer auch die gleiche Menge Antimaterie entsteht, kann unser Universum doch eigentlich nicht existieren?

Nun, Materie und Antimaterie vernichten sich bei Kontakt sofort in einer gigantischen Explosion. Deshalb können wir davon ausgehen, dass sich in unserer Umgebung keine Antimaterie befindet. Da unser Universum offensichtlich aus Materie besteht, müsste es parallel ein Universum aus der gleichen Menge Antimaterie geben! Die meisten Physiker glauben heute allerdings, dass beim Urknall etwas mehr Materie als Antimaterie entstanden ist. Nach der Vernichtung von Materie und Antimaterie ist dieses Etwas übrig geblieben und stellt heute unseren Kosmos dar. Warum es dieses Ungleichgewicht gegeben hat, lässt sich leider noch nicht befriedigend erklären. Man könnte hier aufgrund des Materieüberschusses auf eine bewusst planende schöpferische Kraft schließen.


Ein Schöpfer in einem Universum, das von physikalischen und mathematischen Gesetzen strukturiert wird?

Wo bisher die erste Ursache zur Schaffung des Universums aus dem Nichts fehlte, setzten die Religionen einen Schöpfer ein. Wenn man aber sagt, dass physikalische Gesetze die Erschaffung des Kosmos aus dem Nichts erklären, erscheint ein Schöpfer nicht mehr nötig. Allerdings wirft dies wieder eine Frage auf: Wenn es nichts gab, weder Raum noch Zeit, weder Materie noch Energie, wo oder wann waren dann die zur Schöpfung aus dem Nichts erforderlichen physikalischen Gesetze, wer hat sie geschaffen oder erdacht?


Diese Gesetze müssen also schon vor dem Urknall existiert haben?

Hätten die Gesetze nicht existiert, wie hätten sie dann diesen Kosmos in die Realität zu erheben vermocht? Also, wer oder was erklärt die Gesetze? Dieser Umstand schafft Raum für einen transzendenten Schöpfer, jenseits von Raum und Zeit, der nicht wie ein Handwerker das Universum erschafft, sondern eher wie ein Komponist die für seine Entstehung nötigen Gesetze erdenkt!


Ist es nicht möglich, dass unser Universum schlicht und einfach das Produkt eines Zufalls ist?

Stellen Sie sich doch einmal vor, Sie finden bei einem Spaziergang im Wald eine Uhr. Selbst wenn Sie noch nie eine Uhr gesehen hätten, geschweige denn wüssten, wie eine Uhr funktioniert, würden Sie doch nach eingehender Untersuchung zu dem Schluss gelangen, dass dieses Objekt kein Zufall ist. Dass es zu präzise geschaffen wurde, dass es einen Zweck erfüllen muss und dass es daher bewusst geplant und hergestellt wurde.


Die Schöpfung ist also so perfekt, dass sie kein Zufall sein kann?

Der Urknall, eine gigantische Explosion von unvorstellbarer Energie, war präziser abgestimmt als ein Schweizer Uhrwerk. Wäre er nur minimal stärker gewesen, hätten sich keine Gaswolken zu Sternen bilden können. Wäre er nur minimal schwächer gewesen, wäre das All schnell wieder in sich zusammengestürzt. In beiden Fällen hätte es einen Kosmos, wie wir ihn beobachten, nicht gegeben und Leben hätte sich nicht entwickeln können. Dies impliziert wiederum einen planenden Schöpfer und einen sensiblen, fein abgestimmten Schöpfungsakt.


Viele zweifeln daran, dass es einen Schöpfungsakt gab und stellen sich das Universum ohne Anfang und Ende vor.

Wenn das so wäre, dann würde das Universum schon seit einer unendlichen Zeit existieren. Dann wären schon unendlich viele Ereignisse eingetroffen. Alles was passieren kann, wäre schon passiert. Sie würden mich nicht zum ersten Mal interviewen, ich hätte mein Buch schon unendliche Male geschrieben. Alles, was in Zukunft passiert, wären unendliche Wiederholungen. Macht dieses Universum, diese Existenz dann noch einen Sinn? Eine absurde Vorstellung!

Das Gespräch führte Armin Seifer.

Buchtipp: Volker J. Becker, Am 8. Tag schuf Gott den Zweifel - Die neue Einheit von Spiritualität und Wissenschaft, gebunden, Lotos, Euro 14,95


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