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Ausgabe Mai 2010
Magie des Herzens
ein Interview von Haidrun Schäfer


Ralf und Elke Hanke arbeiten als Heilpraktiker mit den unterschiedlichsten Methoden, aber ihr zentrales Thema ist die Arbeit mit dem Herzen. Wir haben sie nach ihrer Herangehensweise gefragt.

Was bedeutet für Sie das Herz?

Das Wort "Herz" hat eine zweifache Bedeutung. Zum einen bezeichnet es das Organ, aber darüber hinaus hat es eine weitreichendere Bedeutung und die würde ich mit Offenheit bezeichnen. Wenn wir unsere Gedankenmuster, unsere Vorstellungen und Erwartungen weglassen, dann erfahren wir uns als Weite und Unbegrenztheit. Für jeden Klienten, der kommt - welches Symptom er auch mitbringt - ist die wichtigste Arbeit, ihn an die Unbegrenztheit seines Wesens jenseits aller Symptome und Lebensumstände zu erinnern.


Der erste Schritt der Begegnung geschieht also in dem von Ihnen kreierten offenen Feld und dann erst treffen Sie Entscheidungen, was dieser Mensch braucht?

Ja. Der Weg ergibt sich aus dieser Offenheit. Wir arbeiten hier mit Körperarbeit, mit Psychotherapie, Bioresonanztherapie, Osteopathie, Aufstellungen und Angeboten zur Kontemplation, so dass wir über ein weites Spektrum an Techniken verfügen - aber die Entscheidung treffe nicht ich, sondern sie ergibt sich aus dem, was in dem Feld der Offenheit geschieht. Je weniger Erwartungen und Vorstellungen wir haben, desto tiefer sind die Begegnungen und desto leichter und spontaner geschieht Heilung. Über die Jahre habe ich festgestellt, dass festgelegte Erwartungen - nach dem Motto: Sie sind Osteopath und haben meiner Freundin wunderbar geholfen, helfen Sie mir auch - mich und meine Klienten einschränken. Ich habe dann eine Funktion und der Patient hat ein Symptom, mit der Erwartung: Jetzt mach was. Das ist schwierig. Ich bin kein Chirurg und kein Dienstleister.
Es braucht immer diese Offenheit und den Mut, um sich in das Symptom wirklich einzufühlen und sich davon wandeln zu lassen. Darin besteht die Essenz meiner Arbeit und darüber bin ich bemüht, mit jedem Klienten klar zu kommunizieren. Was dann an Techniken und Konkretem daraus folgt, weiß ich vorher nicht.


Das hat ja sehr viel mit Vertrauen zu tun.

Ja, ich vertraue in eine innere Weisheit, die in uns wirkt, die aber nicht immer mit dem Verstand zu erfassen ist. Es geht nicht um Wissen. Aber in der offenen Interaktion zwischen uns beiden - da passiert etwas Neues und da geschieht Heilung. Alles andere ist lediglich eine Einwirkung auf ein Symptom. Heilung heißt, dass etwas Neues geschieht und dazu gehört auch, das Symptom erst einmal anzunehmen.
Und hier kommt das Herz wieder in Spiel: Können wir unser Herz dafür öffnen, etwas anzunehmen, was wir eigentlich loswerden wollen? Es geht nicht darum, sich darüber zu freuen, sondern darum, es anzunehmen, es zu spüren und die körperliche Empfindung zuzulassen bzw. überhaupt erst zu erkennen. Damit wird eine Ebene bereitet, in der Gefühle und Bilder aufsteigen und das macht Lebendigkeit aus.
Das Herz ist Symbol für Lebendigkeit, für Offenheit und liebevolle Umarmung. Der Verstand urteilt, vergleicht, zweifelt und segmentiert alles in verdauliche Häppchen. Das Herz ist die übergeordnete Instanz, während der Verstand ein Werkzeug ist. Übrigens ist das erste Organ, dass seine Funktion bei einem Fötus aufnimmt, das Herz und nicht das Gehirn.


Was viele Menschen davon abhält, Vertrauen zu haben, ist Angst. Kann man Angst organisch lokalisieren?

Das Herz hat keine Angst, aber der Herzbeutel, der das Herz umgibt, der speichert Angst und krampft sich zusammen.
Gestern habe ich eine halbe Stunde mit einem sehr erfolgreichen Mann gearbeitet und wir haben nichts anderes gemacht, als die Spannung von dem Herzbeutel über den Arm und entlang eines Meridians ausfließen zu lassen. Wichtig war, dass er sich gefühlsmäßig auf diese Arbeit eingelassen hat. Er musste seine Angst zulassen und sie fühlen können, was in seinem Denken und seinem Alltag sonst eher nicht vorkommt. Aber er hat in sich die Offenheit und den Mut dazu gefunden und er fühlte sich unmittelbar freier und, in seinen Worten, "mehr zu Hause". In der Annahme geschieht Wandlung - in dem Moment, in denen wir auch lange verdrängte Gefühle annehmen, wandeln sie sich von selbst, weil das ihre Natur ist. Gefühle sind nicht statisch. Alles will fließen und sich seiner Schwingung gemäß entfalten. Es gibt kein schlimmes Gefühl.

Das, was uns schmerzt, ist die Angst vor dem Gefühl und seine Verdrängung. Das rührt oft daher, dass wir im Kindesalter von übermächtigen Gefühlen übermannt wurden. Aber als Erwachsene können wir uns den Gefühlen stellen.

Angst ist eins der ersten Gefühle, das entsteht. Wenn ein Mensch geboren wird, wird er in den meisten Fällen unmittelbar mit Schmerzen konfrontiert. Herzarbeit heißt, der Angst als Teil der Gegenwart einen Raum zu geben, sie sein zu lassen und bewusst wahrzunehmen. Dann werden wir weit und identifizieren uns nicht länger mit der Angst. Sie ist da, ja, aber sie beherrscht uns nicht - das tut sie nur, solange sie unbewusst bleibt. Das Herz ist das Tor in ein Leben - jenseits der Angst.


Vielen Dank - von Herzen!

Elke und Ralf Hanke, Zentrum für Körpertherapie & Psychosomatik, Motzstr. 22, 10777 Berlin, Tel.: 2139662, hanke@herzwege.de, www.herzwege.de


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