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Ausgabe Mai 2010
Von Herz zu Herz
von Saganja Derißen


Die geheimste, größte Sehnsucht der Menschen ist, zu lieben und geliebt zu werden. Und scheinbar lieben wir doch auch - unsere Partner, Kinder und Freunde und dennoch gibt es Streit, Missverständnisse und nicht ausgesprochene Gedanken, die - über Jahre ni

Die geheimste größte Sehnsucht der Menschen ist zu lieben und geliebt zu werden. Und scheinbar lieben wir doch auch - unsere Partner, Kinder, Freunde… und dennoch gibt es Streit, Missverständnisse und nicht ausgesprochene Gedanken, die - über Jahre nicht erlöst - letztendlich zu Trennungen oder Krankheiten führen. Warum? Lieben ist doch so einfach oder etwa nicht? Im Prinzip - JA! Vor der wirklichen wahrhaftigen Liebe liegen mehr oder weniger viele Illusionsschleier, die Menschen zu Selbstbetrug verleiten.

Viele Menschen setzen z.B. Kinder in die Welt, weil sie Erwartungen haben, weil sie etwas besser machen wollen als ihre Eltern, weil sie selbst Verletzungen erfahren haben. Die Missbrauchsfälle offenbaren die seelischen Verletzungen, die auch die sogenannten "Täter" erfahren haben, denn ihre Taten sind im Grunde der Schrei nach Liebe. Gleichzeitig haben sie Angst vor der Liebe. Hier geht es um Themen, die sich in vielen vorherigen Inkarnationen angesammelt haben. Als Lichtwesen leben wir in der universellen Liebe, aber als duale Wesen kennen wir auch die lieb-losen Seiten des Lebens. Es sind Erfahrungen, die wir machen: Wie fühlt es sich an ohne Liebe? Wie fühlt es sich an, verletzt zu werden? Und wie fühlt es sich an, aus dieser Verletzung wieder herauszukommen, um wahrhaftige Selbstliebe, Nächstenliebe und dann universelle Liebe leben zu können?


Von Herz zu Herz
Als Therapeutin verbinde ich mich mit dem Herzen der Menschen. Das Herz weiß, woran ein Mensch krankt. Der Satz von St. Exupéry bringt es auf den Punkt: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar." Das ist der beste Leitspruch für Therapeuten. Noch so gute Therapieformen bleiben meist wirkungsfrei, wenn sie "technisch" abgearbeitet werden. Heilung erfolgt, wenn der Therapeut aus seinem Herzen heraus mit dem Herzen des Klienten Kontakt aufnimmt und somit die ursprünglichsten Verletzungen erkennen und heilen kann. Therapeuten, die sich trauen diese Heilkunst anzuwenden, haben intensiv an sich gearbeitet und mehr und mehr eigene Illusionsschleier aufgelöst. Wer sich selbst (er)kennt, kann andere erkennen.

Ich hatte eine Patientin, die ihr Leben als äußerst leidvoll empfand, schweres Schicksal und Krankheit erfahren hatte. Nach fünf Minuten Leidensweg habe ich angefangen zu lachen, woraufhin sie mich völlig entsetzt anguckte: Wie konnte ich angesichts ihres Leides so lachen? Das war möglich, weil ich mich von Herz zu Herz mit ihr verbunden hatte und in dem Moment erkannte ich, dass ihre Seele lustig, fröhlich und lebendig ist. Diese Frau hatte so viel Energie in sich, dass sie gar nicht wusste, wohin damit. Daraufhin erzählte sie, dass sie bis zu ihrem achten Lebensjahr genau so ein fröhlicher und lebendiger Mensch gewesen war. Aber dann gab es einen tragischen Vorfall in der Familie und von dem Moment an wurde sie still und zurückhaltend und fing an zu leiden. Das Problem ist häufig, dass das Umfeld die Leidensschiene mitträgt und Menschen in ihrem Leid unterstützt. Krankheiten und Leid sind Warnsignale, die etwas heilen möchten. Natürlich müssen wir die körperlichen Symptome heilen, aber in erster Linie geht es darum, die Ursache herauszufinden. Die meisten Menschen haben Angst vor Liebe, weil sie im Unterbewussten Angst vor Verletzungen haben.

Meine eigene Heilung begann vor 17 Jahren, als ich mit Lungenentzündung und Bronchitis im Wechsel im Bett lag und mein Arzt mir nicht mehr weiterhelfen konnte und mich deshalb zur Kur schicken wollte. Für eine Kur muss man zu einem Amtsarzt - bei mir war es der 30. August 1993 - und die Amtsärztin stellte fest, dass die Funktion meiner Lungen nicht beeinträchtigt war. Und dann stellte sie die entscheidende Frage: "Was ist denn sonst noch in Ihrem Leben los?" Das war für mich die Initialzündung für eine 180 Grad Drehung - die noch ein paar Jahre gedauert hat - aber diese Frau hat die entscheidende Frage gestellt und die kam von Herzen.

Letztendlich ist jeder von uns H(h)eil(er). Der Heilungsprozess fängt morgens im Bad an: Schenken Sie doch mal in den Spiegel schauend der großen Liebe Ihres Lebens ein Lächeln. So den Tag beginnend, haben Sie das erste Lächeln bekommen und gegeben. Das ist genial. Wenn wir lächelnd aus dem Haus gehen, können wir auch lächelnd anderen Menschen begegnen und ihnen das Gefühl geben, sie zu sehen. Wie viele Leute fühlen sich nicht gesehen? Jeder lebt im Grunde in seiner Einsamkeit und ist so damit beschäftigt, gesehen zu werden, dass er den anderen nicht sieht.

Warum sehen wir nicht die göttliche Schönheit?
Weil die Menschen auf die schiefe Nase, den dicken Bauch und den Pickel auf der Nase gucken - anstatt sich in die Augen und damit in die Seele zu blicken. Und vor allem vermeiden wir herauszufinden, wer wir wirklich sind. Wir haben alle mindestens ein Geschenk für das Leben auf Erden. In dem Moment, wo wir zu uns und unseren Fähigkeiten stehen, nehmen wir unsere eigene Position ein. Gleichzeitig meinen wir angreifbar zu werden, wenn wir uns zeigen und fürchten Neid, Missgunst und Verurteilung. Wir werden mit Meinungen anderer Menschen massiv konfrontiert und das ist etwas, was wir gerne meiden. Viele Menschen machen sich lieber klein, als dass sie sich zeigen. In seiner Antrittsrede hat Nelson Mandela gesagt: "Wir fragen uns, wie kann ich es wagen, brillant, hinreißend, talentiert und fabelhaft zu sein? Doch in der Tat, wie kannst du es wagen, es nicht zu sein? Du bist ein Kind Gottes. Wenn du dich klein machst, erweist du damit der Welt keinen Dienst." Wie viele Menschen trauen sich das heute? Ich hoffe, mehr und mehr. Jeden, der diesen Weg gehen möchte und sich dabei Unterstützung wünscht, begleitete ich gern.

Es geht um die Annahme der eigenen Macht. Wir leben heute die Abgabe von Macht, die sich in Ohnmacht und Machtmissbrauch äußert. Auf der energetischen Ebene bedeutet Machtmissbrauch auch, etwas nicht zu tun, was man kann. Auf der energetischen Ebene üben 90 % der Menschheit Machtmissbrauch aus, weil sie nicht in ihre Kraft gehen. "Ich kann nicht, weil..." Eine Ausbilderin hat zu uns gesagt: "Wenn die Menschen neidisch sind, dann macht ihr eure Sache gut." Das braucht Selbstvertrauen und Vertrauen ins Göttliche. Wenn wir bereit sind, uns dem Leben so hinzugeben, wie Jesus es gemacht hat, indem er bereit war, der Menschheit zu dienen und nicht sie zu be-dienen, dann kann man als Therapeut wirklich viel erreichen. Wissen ist Werkzeug und wenn man das mit Weisheit paart, die aus dem Herzen kommt, ist das die beste Kombination, um Heilung zu bewirken.

Auf einer niedrigen Ebene kümmern sich die Menschen darum, dass es ihnen gut geht: Sie arbeiten, verdienen Geld, wohnen, essen, gründen Familien. An vorderster Stelle steht ICH. Auf einer tiefen Ebene ist diese Selbstliebe aber gar nicht da. Wenn man jemandem, der seine Identität über Statussymbole definiert, mit Liebe begegnet, ist das für die meisten ein Schock. Selbstliebe heißt, glücklich mit sich selbst zu sein - egal, ob ich ein Kleid vom Designer oder ein Kleid von der Stange trage und ob ich in einer Villa am See oder in einer 2-Zimmer-Wohnung in der Innenstadt lebe. Wichtig ist, dass der Frieden und die Liebe in mir sind und nicht in den äußeren Umständen.

Viele Menschen haben sich ein äußeres Gerüst in Form von Arbeitsplatz, sozialer Stellung und einer gewissen Gehaltshöhe geschaffen. Dieses Gerüst hält die Menschen am Leben. Wenn irgendein Teil dieser scheinbaren Sicherheit wegfällt - sei es Arbeitslosigkeit oder Trennung - fällt ein wichtiger Bestandteil des Gerüstes zusammen und der Mensch ist mit sich selbst konfrontiert. Wichtig ist, dass die Menschen lernen, in sich selbst aus dem Herzen heraus die Sicherheit aufzubauen, denn dann hat das Gerüst immer weniger Bedeutung. Um letztendlich heil zu werden, muss man alle Aspekte von sich akzeptieren und auch respektieren - sowohl die lichtvollen als auch die dunklen Aspekte. Solange ich Bereiche von mir negiere, kann ich nicht heil werden. Es geht um Akzeptanz von allem, was ist.

Wir sind hier, um das zu leben, was unseren Fähigkeiten entspricht. Gleichzeitig geht es aber auch darum zu erkennen, dass es dunkle Seiten in unserem Wesen gibt. Wenn wir beide Aspekte in Liebe annehmen, leben wir in einer dualen und damit auch farbenfrohen Welt. Wenn wir die beiden Aspekte nicht erkennen, vermischt sich weiß mit schwarz zu grau.


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