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Ausgabe April 2010
Das JA zum Trauma
Der Leiter der Samuel-Hahnemann-Schule Andreas Krüger über Traumen


Haidrun Schäfer: Ein Trauma bringt einen Menschen in eine lebensverneinende Haltung. Wie gelingt es einem Therapeuten, das Ja zum Leben wieder zu erwecken?

Andreas Krüger: Wenn ein Mensch traumatisiert wurde – wodurch auch immer und ob in diesem Leben od

Was ist der Weg?

Wir können nur verwandeln, wir können nur erlösen und wir können nur als eigene Schöpfung erkennen, was wir erst einmal in seinem ganzen Schmerz und mit der ganzen Opferthematik bedingungslos angenommen haben. Wir testen die meisten der Patienten, die wir behandeln und es ist auffällig, dass jemand, der zutiefst traumatisiert wurde, eine Behandlungsmethode wie z.B. ATA nicht positiv testet. Er testet also nicht, dass er von Anfang an sein Trauma unter dem Aspekt des Schöpfens betrachten soll, sondern er testet ganz oft Therapieformen, die ihm die Möglichkeit geben, sich in seinem Trauma zu erleben und anzunehmen mit all dem Schmerz und den verletzten Gefühlen, die er damals hatte. Wenn in einem Prozess des Erlebens und Annehmens dessen, was damals war – als ich Opfer war, als ich traumatisiert wurde – eine Lösung in so weit entstanden ist, dass die Wunden gut verbunden, gut verschmiert und gut geheilt sind, erst dann – und das ist schon der entscheidende Schritt zurück ins Glück – kann ich mir die Hintergründe angucken und beleuchten: Wo ist die Kreation und wo ist vielleicht der Sinn – und was will ich daraus lernen? Aber erst dann und erst, wenn das Energiesystem sagt, dass es genug gesalbt worden ist. Nie sollte man in die offene Wunde die Frage des Schöpfertums bröseln.


Wann entsteht Heilung?

Heilung in tiefster Tiefe und damit Freiheit – Ausnahmen bestätigen die Regel – entsteht schon dann, wenn ich auch für das Trauma meine eigene schöpferische Verantwortung übernehmen kann. Hellinger hat mal gesagt „wir heilen nur auf der Seite des Täters“. Solange wir immer nur Opfer sind, können wir uns zwar verarzten lassen, aber heilen und auch die Reproduktion des Traumas verhindern können wir erst, wenn wir erkannt haben, warum wir es uns erschaffen haben. Denn erst dann müssen wir es uns nicht wieder erschaffen. Aber der erste Schritt – und das ist mir ganz wichtig – ist das bedingungslose JA zu mir – zu meiner Traumatisierung.


Haben Sie ein Beispiel?

Ein junger Mann – 100 Kilo Muskeln, dynamisch, doppelter Stier, der mit seinen fünfspännigen Ochsenkarren die Weiten Amerikas erobert, angeblich reinkarnierter Bure und ehemaliger limurischer Prinz – steht in meiner Praxis und ich bin völlig begeistert von ihm. Sein Problem ist seine Frau, die ihn sehr unwürdig behandelt, die ihn schlägt und bespuckt, woraufhin er sich völlig beschämt fühlt, aber zwei Tage später wieder angekrochen kommt und um ihre Liebe bettelt. Geblendet von seiner Erscheinung empfehle ich ihm, ohne ihn zu testen – ein therapeutischer Fehler, der aus dieser Begeisterung heraus geschah und den ich wieder gut zu machen versuchte – meine ATA-Briefe und sage: „Erkenne, wo dein Schöpfertum liegt.“ Als er wiederkommt, ist er völlig fertig und sagt: „Ich weiß ja, dass ich mir alles selbst erschaffe, aber ich habe das Gefühl, ich bin ein dreijähriges Kind und werde gerade von meinem Vater verdroschen“. Dieser Mann ist von seinem Vater regelmäßig verprügelt und von seiner Mutter sexuell missbraucht worden. Auch wenn er vielleicht ein limurischer Prinz war, hatte er in diesem Leben das Gefühl, dass er überhaupt kein Ich besaß, sondern dass er sich im Grunde wie ein Dreijähriger fühlt. Daraufhin erkannte ich, dass ich mich von dem burischen Ochsentreiber und dem Doppelstier hatte blenden lassen und fragte, wie ich diesen therapeutischen Fehler wieder gut machen könnte. Ein dreijähriges Kind kann sein Schöpfertum nicht entdecken. Über Schöpfertum kann ich ab 21 nachdenken, eigentlich erst ab 28, wenn die Ich-Inkarnation halbwegs abgeschlossen ist, wie Rudolf Steiner sagte. Ein dreijähriges Kind muss sich keine Gedanken darüber machen, warum es missbraucht und halb totgeschlagen wird. Ein dreijähriges Kind braucht zwei Maori-Geistwächter neben sich, die jeden umbringen, die näher als einen Meter an es herankommen. Ein dreijähriges Kind braucht Festhalte-Therapie, braucht Wassershiatsu und das homöopathische Mittel Carcinosinum mama, das aus Brusttumorgewebe gewonnen wird, also die „kranke Mama“ und die Folgen der kranken Mama. Der Mann musste nichts erkennen, sondern es ging ausschließlich darum, dass dieses dreijährige Kind sicher ist. Und wenn er irgendwann die Reife von 21 Jahren erlangt hat, dann können wir erneut die Frage nach dem Schöpfertum testen – aber nicht vorher.


Ich danke – auch im Namen vieler Leser, die mich immer wieder auf die Beiträge von Ihnen ansprechen – und freue mich auf weitere Treffen.



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