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Ausgabe April 2010
Traumatherapie
Eine Einführung von Frank Henning


Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Heilung vom Trauma ist möglich. Eine meiner Klientinnen ist als Kind fast ertrunken, weil ihr Vater nicht aufgepasst hatte – über 30 Jahre lang hatte sie so große Angst vor Wasser, dass sie nicht baden gehen konnte. Hi

Der Teufelskreis

Menschen, die Opfer eines Übergriffs wurden, werden darüber hinaus auch noch beschämt. Eigentlich müsste sich der Täter schämen, aber der tut gern so, als wäre nichts geschehen, und kommt damit gut durch, weil auch die Umgebung allzu gern „heile Welt“ spielt und die Augen zumacht. Diese Scham bringt viele der Opfer dazu, sich zu verstecken, aus ihrem Herzen eine „Mördergrube“ zu machen, und zu schweigen. Sie verhalten sich unauffällig, sind still und unscheinbar, um keinen Anlass für weitere Angriffe zu geben. Zusätzlich fürchten sie noch den Schuldvorwurf der verständnislosen Umgebung, die sie oft zu Komplizen des Täters abstempelt: Warum hast du dir das gefallen lassen? Hast du es nicht durch dein Verhalten selbst provoziert? Sie müssen, wenn sie es aussprechen, immer wieder ihr eigenes Verhalten rechtfertigen und erklären. Durch dieses Unverständnis kann es immer wieder zu einer Re-Traumatisierung kommen, dem das Opfer durch Rückzug zu entgehen versucht.
Der Traumatisierte steckt in einer Trance, in einem Teufelskreis: Verletzung, Scham, Selbstvorwürfe, Schuldgefühle, Angst, Schweigen, Rückzug, Unverständnis, dumme Fragen, Rechtfertigungen, Re-Traumatisierungen ...
Die Aufgabe des Therapeuten ist, dem Traumatisierten zuzuhören. Er muss sein Leid verstehen und mit ihm teilen, ruhig und einfühlsam sein, Sicherheit ausstrahlen. Er muss sich in die Welt des Opfers begeben und nicht ständig sagen: Komm endlich zurück in unsere! Dazu ist ein tiefes Vertrauen notwendig, das sich der Therapeut verdienen muss. Vertrauen ist eine Holschuld, keine Bringschuld.


Heilung vom Trauma

Körperliche Traumata heilen einfacher als seelische; sie heilen von selbst, wie z.B. eine Schnittwunde: Man muss sie nur schonen und aus einer Wunde wird eine Narbe. Ein gebrochener Arm, ordentlich gegipst, wächst einfach zusammen. Wie aber kann man ein seelisches Trauma verarbeiten, bewältigen? Wie können wir es einer Heilung zuführen?
Dazu müssen wir wissen, wo das seelische Trauma abgespeichert ist: im Limbischen System, einem Teil des Zwischenhirns. Dort sitzen die Gefühle. Wenn die Erinnerung an das Trauma verdrängt wurde, sind keine Erinnerungen im Großhirn mehr abrufbar; es ist aber noch vorhanden, im Nervensystem gespeichert, und es wirkt noch: über die Gefühle. Das Zwischenhirn steuert das vegetative Nervensystem.
Ziel einer Therapie ist es, die Prägungen, die das Trauma hinterlassen haben, aus dem Zwischenhirn zu löschen, aber die Erinnerung im Großhirn zu belassen – und nicht umgekehrt.
Zur Trauma-Behandlung nutze ich in meiner Praxis vor allem die Verfahren EMDR, Hypnotherapie und Neurolinguistische Psychotherapie NLP.


EMDR

EMDR funktioniert so: Während man negative Gefühle erlebt, z.B. ein unverarbeitetes Trauma, bewegt man die Augen schnell hin und her. Dadurch findet eine Integration der beiden Hemisphären des Gehirns statt und es kommt zu einer Beruhigung des vegetativen Nervensystems. Bei schweren Traumatisierungen findet danach die therapeutische Arbeit statt, z.B. eine Trauerarbeit. Bei mittleren Traumatisierungen reicht EMDR oft schon zur Integration und Heilung aus.


Hypnose

Der Traumatisierte ist in einer Art Trance, in der Problem-Trance, aus der er allein nicht mehr auftauchen kann. Appelle an die Vernunft sind so wenig wirksam wie positives Denken: Sie erreichen nicht das Limbische System, in dem das Trauma gespeichert ist. Ein guter Weg aus der Problem-Trance heraus ist die therapeutische Trance, die von dem Arzt und Psychiater Milton Erickson entwickelt wurde. Sie arbeitet nicht mit Suggestionen, auch wird das Bewusstsein des Hypnotisierten nicht ausgeschaltet. Der wichtige und heilsame Punkt ist das liebevolle Berühren der verletzten Seele, wenn Therapeut und Klient gemeinsam eine tiefe Ebene erreichen, in der sie sich verbunden fühlen. In dieser Verbindung findet die Heilung statt. Der Klang und Rhythmus der Stimme, die ausgestrahlte Wärme, sind wichtiger als der gesprochene Text.


Neurolinguistische Psychotherapie (NLP)

... ist sehr gut geeignet, um leichte Traumata zu behandeln und aufzulösen, die sich z.B. in Phobien äußern. Die emotionalen Qualitäten einer Erinnerung sind in den sogenannten Submodalitäten gespeichert: Helle, kräftige Farben in den Erinnerungsbildern bedeuten stärkere Gefühle; matte, blasse Farben oder schwarz/weiß bedeuten weniger Emotionen.
Traumatische Erfahrungen sind also in grellen, intensiven Farben innerlich repräsentiert. Diese Farben lassen sich verändern; wenn es gelingt, die negativen Erinnerungen dauerhaft in blassen Farben, in kleinen Bildern abzuspeichern, in leisen Tönen, dann haben diese Erinnerungen keinen negativen emotionalen Einfluss mehr. Wenn die Erlebnisse stärker gefühlsbelastet oder traumatisch sind, reicht dieses einfache Verfahren aber meist nicht aus.
Dann können wir folgendermaßen vorgehen: Der Klient wird in einen kraftvollen, zentrierten Zustand gebracht, z.B. durch intensives Erinnern einer derartigen positiven Erfahrung. Er muss sein Erwachsen-Sein und seine Ressourcen intensiv und sicher spüren, im ganzen Körper. Auf diese Weise mit seinen eigenen Ressourcen gestärkt, kann er die ursprüngliche traumatische Situation noch einmal innerlich durchleben. Assoziiert und in Echtzeit. Sie läuft nun in der Vorstellung ganz anders ab; dieses veränderte Erleben wird dann im Zwischenhirn gespeichert. Das Großhirn, der Verstand, weiß natürlich noch, dass es in Wirklichkeit ganz anders ablief, nämlich traumatisch; es löst aber diese negativen Gefühle nicht mehr aus.

Der Autor Frank Henning ist Hypnotherapeut und NLP-Lehrtrainer.
Er unterrichtet am Institut Christoph Mahr seit fast 10 Jahren die Phobie- und die Allergiebehandlung mit NLP.
In seine Praxis in Charlottenburg kommen Menschen mit Allergien, Phobien und Panikattacken – und psychischem Trauma.
Demnächst erscheint im Paulo-Freire-Verlag sein Buch „Krieg und Frieden im Nervensystem“
Weitere Informationen unter: www.NLPduNord.de


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