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Ausgabe April 2010
Fühlende Intelligenz - Bearbeitung von Traumen
ein Interview von Haidrun Schäfer mit Manfred Rother


Wie wichtig ist die Bearbeitung von Traumen?

Haidrun Schäfer: Was sind Traumen?
Manfred Rother: Traumen sind seelische Erschütterungen und Wunden, die uns daran hindern, mit 100-prozentiger Kraft, Kreativität, Freude und in Freiheit unser Leben zu leben.

Des Weiteren beeinflussen uns kollektive Traumen auf der gesellschaftlichen Ebene. Als Deutsche haben wir z.B. das Holocaust-Trauma. Auch diese personenübergreifenden Traumen führen bei jedem Einzelnen zu einer Verringerung der Lebensqualität. Genauso wie ein Beinbruch uns das Gehen erschwert, verhindern seelische Verletzungen, dass ein Mensch in seine Kraft kommt. Als Deutsche erlauben wir uns z.B. nicht, die Kraft einzugestehen, töten zu können, weil sie im 3. Reich missbraucht wurde. Doch anstatt diese naturgegebene Kraft anzunehmen und positiv zu nutzen – die übrigens auch genauso Frauen zur Verfügung steht – haben die Deutschen das Thema verdrängt und deswegen tragen wir diese Erbschuld in unseren Zellen. Nicht nur die Deutschen haben dieses Trauma, die reine männliche Kraft missbraucht zu haben – die meisten Nationen wurden nicht von Kriegen oder Unterdrückung verschont.


Wie kann man die Kraft, töten zu können, positiv
nutzen?

Wenn z.B. dein Kind angegriffen wird, bleibst du nicht auf dem Sofa sitzen, sondern wirst es verteidigen und im äußersten Fall den Angreifer töten, bevor er dein Kind umbringt. Oder wenn du in einem Flugzeug die Möglichkeit hast, einen Entführer auszuschalten, bevor er die ganze Maschine mit allen Passagieren in die Luft jagt, dann wirst du das tun. Wir haben alle diese Kraft in uns, aber wir negieren sie, weil in unserem Geist ein Verbot herrscht – eben aufgrund der traumatischen Vergangenheit. Jeder meiner Seminarteilnehmer ist bei diesem Thema fündig geworden. Mit verschiedenen Übungen können wir uns dem stellen: Das Thema zuerst erkennen und von Bewertungen und Schuld freischaufeln und dann Schritt für Schritt diese Kraft, die missbraucht wurde, wieder annehmen und sie mit Bewusstheit und der Weisheit des Herzens leben, so wie es der Augenblick erfordert.


Kommen wir noch einmal auf Kindheitstraumen zurück. Kannst du etwas Persönliches von dir erzählen?

Jede Menge... Ich hatte in meiner Kindheit mehr als genug traumatische Umstände: nicht wirklich genährt zu werden, Verwahrlosung, emotionalen und körperlichen Missbrauch – ich weiß, wovon ich rede. Nach vielen Jahren herkömmlicher Therapie fing ich vor sechs Jahren an, mich mit der Mysterienschule von OM C. Parkin intensiv auseinander zu setzen. Bei dieser Verbindung von Therapie und Spiritualität habe ich ein Werkzeug gefunden, das auch tiefste Traumen lösen konnte. Zunächst braucht man Hilfe von außen, aber nachdem die Seele quasi einen Anstoß erhalten hat und man immer wieder den Mut hat hinzugucken, verselbstständigt sich der Heilungsprozess. Ein Trauma von mir war: „Ich kann nicht alleine sein“. Um das zu lösen, musste ich Schritt für Schritt vorgehen und mich immer weiter in der Zeitschiene zurückarbeiten. Eines Nachts konnte ich dann während eines Traumes deutlich den Schmerz und die Todesangst des ganz kleinen Säuglings spüren. Dieses schreiende Baby in allen Zellen zu fühlen und den tiefen Schmerz zuzulassen, hat letztendlich diese lähmende Angst vorm Alleinsein befreit. Wichtig ist die Bereitschaft, noch einmal in das Gefühl des Traumas zu gehen, es noch einmal zu spüren und anzunehmen. Dazu sind wir oft nicht bereit, weil wir den Schmerz vermeiden wollen. Das ist zutiefst menschlich. Aber es gibt ein spirituelles Gesetz, das besagt, dass wir das Dunkle verstärken, wenn wir ins Helle flüchten. Wenn das Dunkle nicht im Licht des Bewusstseins durch das Fühlen verbrannt wird, wächst es wie ein Krebsgeschwür immer weiter. Das bewusste und sanfte Fühlen des Schmerzes führt zur Auflösung und Integration des Traumas und zur Transformation in die ursprüngliche Einheit vor dem Trauma.


Und was macht man dann mit solchen Erfahrungen?

Das fragen mich meine Teilnehmer auch häufig. Oft besteht die Tendenz, immer wieder etwas damit machen zu wollen. Durch die Kunst des Nicht-Machens und des Geschehenlassens und des Vertrauens, dass ES geschieht, dass fühlende Intelligenz und Unterscheidungsvermögen im Geist wirken und mit Bewusstheit und der Bereitschaft, alles zu fühlen, arbeitet die Erfahrung aus sich selbst heraus. Freude und Schmerz sind nicht zu trennen. Das ist der Weg, der auch ein wegloser Weg ist, dass heißt, dass es um Präsenz in jedem Augenblick geht.


Wie sieht die Wegbeschreitung aus?

Das kleine und das große Zittern. Wir haben alle Angst oder Scheu, uns unsere Schattenseiten anzuschauen – diese Verdrängung, das ist das kleine Zittern. Wenn man sich dieser Angst vor dem, was danach kommt, hingibt und in das Gefühl eines Traumas eintaucht und es bewusst erforscht, es geschehen lässt und nichts mehr damit macht, außer sich sanft tiefer fallen zu lassen – dann kommt der nächste Schritt: das große Zittern. Bert Hellinger hat einmal gesagt, „Leiden ist leichter als Lösen“. Leiden ist etwas Vertrautes und daran halten wir unbewusst fest. Wenn man durch das kleine Zittern mit Mut geht und die Angst mitnimmt, dann kommt man zum großen Zittern, das uns zu Ehrfurcht, Dank und Gnade, Urvertrauen und dem Gefühl von Vollkommenheit und Weisheit führt. Es ist ein paradoxer Weg: Abstieg führt zu Aufstieg. Wenn wir in unsere tiefsten Tiefen hinabsteigen, kommen wir zu den höchsten Höhen – dann werden wir zu Menschen, die fühlbar mit dem Göttlichen und in Einheit mit dem Unbenennbaren, aber bewusst Erfahrbaren sind. Der Sog in die Kleinheit oder dem unbewussten Festhalten an den Traumen der Kindheit und des Kollektivs, das nicht wirklich Wissen- und Fühlenwollen, hindert uns an dem Wiedererleben des Urvertrauens und des Nichtgetrenntseins.


Und diesen Weg bietest du als spiritueller Begleiter an…

... mit einem Wachstumstraining, das über ein Jahr geht und in dem wir 12 wesentliche Lebensthemen bearbeiten, wie z.B. das verletzte und tyrannische innere Kind, die unbewusst übernommene Lehre der Eltern oder die Verletzungen der weiblichen und männlichen Seele. Ziel ist, in die eigene Kraft und in die Liebe zu kommen, sich selbst und anderen zu verzeihen und Verantwortung für sein Leben zu übernehmen.


Viel Glück auf deinem Weg!



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