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Ausgabe März 2010
Heilpflanzentipp: Die Weinrebe
von Natascha von Ganski


Die Kultivierung der Weinrebe (vitis vinifera) ist eng, ja fast untrennbar mit der Kulturentwicklung des Menschen verbunden. Die ältesten Spuren des Weinanbaus sind im Kaukasus zu finden und reichen bis 5000 v. Chr. zurück. Rauschende, und wohl nicht mind

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Im Laufe der Christianisierung wurde der Bacchuskult mit strengen Auflagen belegt und schließlich gänzlich verboten. Komplett verbannen ließ sich dieses heidnische Relikt wohl nicht. Der gesegnete Wein der Kirchenmessen wird heutzutage als Blut Christi bezeichnet.
Dass in der traditionellen Heilkunde Weinblätter recht häufig Verwendung fanden, bezeugen u.a. zahlreiche Angaben in den Rezepturen des griechischen Arztes Galenus. Der Begründer der modernen Phytotherapie Henri Leclerc (1942) verordnete Tee aus roten Weinblättern Frauen, die unter Beschwerden in der Menopause litten. Wissenschaftlich bewiesen ist die positive Wirkung des roten Weinlaubextraktes bei Ödemen und venöser Insuffizienz, also einem zu langsamer Abtransport des venösen Blutes in der Beinregion, welcher sich im schlimmsten Fall zu einer Venenentzündungen entwickeln kann. Besteht eine Neigung zu Ödemen, beispielsweise auch im letzten Schwangerschaftsdrittel, ist es ratsam ein Fertigpräparat aus der Apotheke zu beziehen. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass anthroposophische Firmen interessante, ja fast alchimistisch veredelte Substanzen der gesamten Weinrebe, produzieren. Der natürliche Gärungsablauf des Weines führt mit der Zeit zur Bildung von Weinstein, der sich an der Innenwand des Fasses ablagert. Paracelsus bezeichnete Krankheiten, die mit Verhärtungen und Steinbildung einhergehen, in Anlehnung an den von ihm als Tartarus bezeichneten Weinstein, tartarische Erkrankungen. Alchimisten und Spagyriker waren und sind stets bemüht, die Prozesse der Natur und die des menschlichen Organismus als Gleichnis zu betrachten. In diesem Sinne hat auch Paracelsus zahreiche Arzneimittel hergestellt und beachtliche Erfolge erzielt. Ein wunderbares Beispiel eines solchen Gleichnisses ist nun der Weinstein, der sich als festes Mineral wie Arteriosklerose im Blutgefäß an der Innenwand des Weinfasses ablagert. Wird aber dieser Tartarus alchimistisch verwandelt, indem man ihn längere Zeit einer großen Hitze aussetzt und zu Asche verbrennt, anschließend in mehreren Prozessen reinigt, ein weiteres Mal bei über 1000°C erhitzt, erhält man das Sal Tartari. Dieses Sal Tartari ist nur für kurze Zeit “fest”. Denn es besitzt nun – verwandelt – eine extrem hygroskopische Eigenschaft und zerfließt an der Luft. Der Bezug zur Behandlung von Verhärtungen wird nun deutlicher. Gewandelter Wein/Weinstein löst Verhärtungsstrukturen sowohl auf organischer als auch seelischer Ebene.
Stets bilden sich Anteile in unserem Leben, die obwohl längst nicht mehr benötigt, noch lange an uns haften. Das an der Luft zerfließende Sal Tartari hilft, sich von solche Anteilen leichter zu lösen.



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