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Ausgabe März 2010
Wie bin ich gemeint?
Eigenes Wohlbefinden, Kraft und Gesundheit lassen sich über „heilsame“ Beziehungen verwirklichen
von Dr. phil. Jochen Meyer


Wir können uns heilen in unseren Beziehungen, wenn wir uns unsere wahre Größe erlauben und andere nicht länger dazu benutzen, uns großartig zu finden, zu bestätigen oder zu lieben.

Was macht uns krank in unseren Beziehungen? Was macht unsere Beziehungen krank? Auf welche Weise tragen wir selbst dazu bei? Und wie können wir heilsamere Beziehungen verwirklichen?

Immer wieder erlebe ich Menschen, die sich in destruktive Beziehungen verstrickt haben und an den damit einhergehenden Verletzungen leiden. "Es erschüttert mich maßlos, dass mein Mann fremdgeht; wie kann er mir das antun?" - "Ich bin wütend, dass meine Partnerin keinen Sex mehr mit mir will!" - "Es macht mich krank, dass mein Freund mich andauernd beschimpft und niedermacht!" Allgemein betrachtet liegt solchen Äußerungen immer die dualistische Vorstellung des Getrenntseins zugrunde: Hier bin ich und dort ist meine Partnerin beziehungsweise mein Partner; noch allgemeiner gesagt: Hier bin ich und dort ist die Welt, und zwar erlebt als Feind, der es nicht gut mit mir meint. Eine Krankheit, eine Kränkung, eine Verletzung kann jedoch nur dort auftreten, wo jemand sie als solche erfährt. Und so wird bei dieser herkömmlichen Betrachtungsweise übersehen, dass ich selbst es bin, der sich gekränkt fühlt; dass ich es bin, der sich verletzen lässt oder sich als krank erlebt. Selbst wenn sich mein Partner objektiv gesehen schädigend verhält: Es liegt an mir und meinen unbewussten "Konditionierungen" und Mechanismen, ob ich konstruktiv damit umgehen kann oder nicht.

"Was macht mich krank?" Das ist fast immer die Frage aus der Perspektive des Opfers. Dabei unterstelle ich, dass es da draußen etwas gibt, das etwas Schlimmes mit mir macht. Es ist das typische "Ohnmachts-Erleben" des Opfers, das sich durch die Feststellung "Du bist Schuld an meinem Unglück" triumphierend über den Täter erhebt. Zumindest durch das Gefühl moralischer Überlegenheit kann ich mich für kurze Zeit überlegen fühlen und meine scheinbare Macht über den vermeintlich bösen Feind auskosten. Frage ich hingegen: "Wo kann ich in dieser schwierigen Situation heiler werden, integrierter, ganzer - und was bin ich bereit dafür zu tun?" Dann richte ich mich auf Wachstum und Verstehen aus. Dies ist die Frage aus der Perspektive eines Schöpfers. Auf Partnerschaften bezogen ist klar: Die erste Frage zementiert die bestehenden Strukturen, die zweite Frage hingegen öffnet Raum für Neues.

Für mich selbst war es ein Schlsselpunkt meines Lebens, als ich während meiner dreijährigen Ausbildung zum CoreDynamik-Therapeuten von meinem Lehrer gefragt wurde: "Wie bist du gemeint? Was ist der Sinn, den du deinem Leben geben willst?"

Schlagartig wurde mir klar, dass es nicht Sinn meines Lebens sein kann, mich in unerfüllenden Beziehungen zu verzehren, beruflich zu stagnieren oder mich durch alte Selbstsabotagemuster klein zu halten. Dass es nicht richtig sein kann, wenn ich auf die Negativität anderer mit noch mehr Negativität reagiere. Es kann nicht sein, dass es meine Aufgabe ist, wütend zurückzuschlagen, wenn ich von anderen verbal angegriffen werde. Meine Aufgabe ist, mich abzugrenzen und eine positive Entwicklung der Situation zu ermöglichen! Und es wurde mir bewusst, dass ich mein bisheriges Leben in der unbewussten Grundüberzeugung gelebt hatte, dass mir im Leben eigentlich nur Schlechtes widerfahren kann und dass ich auch von meinen Mitmenschen nicht viel Gutes zu erwarten habe. Dieser bei uns im Westen verbreiteten kollektiven Negativprägung, die bis auf den Sündenfall von Adam und Eva zurückgeht, setzt die CoreDynamik gemeinsam mit den großen spirituellen Traditionen die Einsicht entgegen, dass wir alle in unserem tiefsten Wesen heil und vollkommen sind: dazu bestimmt, Liebe zu verwirklichen oder anders gesagt, die Liebe zu sein, die wir unserer wahren Natur nach bereits sind.

Zu dieser Einsicht können wir gelangen, indem wir sie in besonderen Bewusstseinszuständen erfahren. Die CoreDynamik bietet dazu eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Seit ich den Zugang zu meinem höheren Selbst entdecke und mir diese Ebene in mir immer vertrauter wird, lerne ich innezuhalten und nicht mehr jeden Konflikt auf mich zu beziehen. Meine Beziehungen werden harmonischer und mehr von Großzügigkeit, Verständnis und Verbundenheit geprägt. Ich fühle mich immer häufiger im Einklang mit mir selbst und registriere, wie gut dies den Menschen in meinem Umfeld tut. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass dieser Prozess der Befreiung meiner Potenziale und der Aufhebung meiner Selbstbegrenzungen mich weiter fordern und vermutlich niemals abgeschlossen sein wird.

Wir können uns heilen in unseren Beziehungen, wenn wir uns unsere wahre Größe erlauben und andere nicht länger dazu benutzen, uns großartig zu finden, zu bestätigen oder zu lieben.

Wenn wir stattdessen selber lieben und uns nicht länger in Kleinlichkeiten, Misstrauen oder Machtspielen ergehen. Wenn wir uns der Erkenntnis öffnen, dass wir mehr sind als unsere Gedanken und Gefühle, unsere biografischen Erfahrungen und unser Leiden. Wenn wir unsere animalische Wildheit annehmen, unsere sexuelle Kraft integrieren und das innere Feuer brennen lassen. Wenn wir in uns und unseren Mitmenschen den göttlichen Kern sehen und sie nicht über ihre Begrenzungen und Defizite definieren. Wenn wir die Atmosphäre in unseren Beziehungen selbst gestalten und positiv prägen, anstatt dies anderen zu überlassen.


Wir machen uns krank, wenn wir nur auf Sparflamme leben, unsere Lebendigkeit unterdrücken, unser Potenzial nicht ausschöpfen. Es beeinträchtigt unsere Beziehungen, wenn wir andere mit unseren Problemen belasten, weil wir nicht mit uns selbst ins Reine kommen. Wir sind aufgefordert, Verantwortung für unser Leiden zu übernehmen und unsere alten Wunden zu heilen. Wir heilen uns und unsere Beziehungen, wenn wir unser Leben der Liebe widmen und unsere wahre Natur verwirklichen. Wer zum ersten Mal erlebt, dass es ihm möglich ist, positiv auf die Negativität anderer zu reagieren und so Leiden nicht durch noch mehr Leiden zu vermehren, erfährt ein Gefühl von innerer Stärke, Unabhängigkeit und Freiheit, das ihm vorher nicht vorstellbar war. Und umso mehr dies gelingt, desto häufiger kann das zutiefst befriedigende Gefühl entstehen: "Ich kann wirklich gut in Beziehung sein! Ich tue meiner Partnerin oder meinem Partner gut. Ich kann beglückende Begegnungen erschaffen - aus mir selbst heraus, durch mein Sein! Ja, so bin ich gemeint!"

Wie bin ich gemeint?

Was ändert sich in deinem Leben,
- wenn du deine Lust als kreative Kraft bejahst?
- wenn du deine Tiernatur wirklich annimmst?
- wenn du deinem Willen Raum gibst?
- wenn du ahnst, dass du ein geistiges Wesen mit einer großen Seele bist?
- wenn du voll integrierst, dass du ein göttliches Wesen voller Würde und Liebe bist?
- wenn du dein Herz wirklich öffnest?


Mehr Info: www.jochen-meyer-coaching.de


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